Drohne mit Flagge „Großalbaniens“
Der Bruder des albanischen Regierungschefs Edi Rama ist in Zusammenhang mit den Tumulten bei einem Ländermatch festgenommen worden. Olsi Rama habeeine Drohne mit einer Flagge „Großalbaniens“ auf das Spielfeld fliegen lassen, teilte das Innenministerium in Belgrad nach Angaben des serbischen Senders RTS mit. Später bekannte sich jedoch eine mazedonische Fangruppe zu der Aktion.
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Der Zwischenfall in den Schlussminuten der ersten Halbzeit des Spiels Albanien gegen Serbien sorgte für gewaltsame Ausschreitungen im Stadion in Belgrad. Es kam zu einem Handgemenge, nachdem ein serbischer Spieler die Flagge an sich genommen hatte. Auch einige Zuschauer stürmten auf den Platz und griffen vereinzelt albanische Spieler an. Ohnehin waren wegen des Konfliktpotenzials der Partie, die schließlich beim Stand von 0:0 abgebrochen wurde, keine albanischen Fans im Stadion zugelassen.

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Die Drohne taucht auf
Vorfall kurz vor erstem Staatsbesuch
Die Ausschreitungen überschatten den bevorstehenden Besuch von Ministerpräsident Rama in Serbien, wenn er denn überhaupt noch in der geplanten Form stattfindet. Als erster albanischer Regierungschef wollte er Mittwoch nächster Woche nach Belgrad reisen. Bei den Gesprächen mit dem serbischen Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic sollte auch das Kosovo eine Rolle spielen. Das mehrheitlich von ethnischen Albanern bevölkerte Land hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird von Belgrad jedoch nicht anerkannt.
Im April 2013 schlossen Belgrad und Prishtina unter Vermittlung der Europäischen Union ein Abkommen zur Normalisierung der beiderseitigen Beziehungen. Serbien, das Kosovo und Albanien wollen der EU beitreten. In der albanischen Minderheit im südlichen Serbien gibt es Forderungen nach mehr Autonomie. Einige serbische Politiker befürchten, dass Tirana nach einem „Großalbanien“ unter Einschluss des Kosovo sowie albanischer Gemeinden in Montenegro, Mazedonien und Südserbien strebt.
Serbischer Spieler riss Flagge an sich
Genau diese Vision eines „Großalbaniens“ war auf der Flagge abgebildet, die jemand offenbar per Modellflugzeug in der 42. Spielminute über dem Spielfeld kreisen ließ. Der serbische Spieler Stefan Mitrovic konnte die Flagge an sich reißen, worauf albanische Gegenspieler auf ihn losgingen. Aufgebrachte serbische Zuschauer gelangten daraufhin aufs Spielfeld und attackierten albanische Spieler. Diese konnten sich in die Kabine retten.

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Serbische Fans attackierten albanische Spieler
Der englische Schiedsrichter Martin Atkinson unterbrach zunächst kurz vor der Halbzeit, ehe 45 Minuten später entschieden wurde, die Partie endgültig abzubrechen. Noch mehr Öl ins Feuer goss der Kapitän der serbischen Mannschaft, Branislav Ivanovic. Er sagte, die serbischen Spieler hätten „das Match fortsetzen wollen, aber die albanischen Spieler haben gesagt, dass sie sich psychologisch dazu außerstande sahen“. Der Fall beschäftigt nun auch die UEFA-Disziplinarkommission.
Der Ausschluss albanischer Fans basierte auf einer „Empfehlung“ der UEFA. Im Gegenzug würden auch keine serbischen Fans zum Rückspiel kommendes Jahr nach Tirana kommen. Die Fußballverbände beider Länder hatten sich im Vorfeld auf diese Abmachung geeinigt, die nun aller Wahrscheinlichkeit nach in dieser Form obsolet ist. Laut Medienberichten von Mittwoch wurde Olsi Rama am Dienstagabend nur vorübergehend verhaftet. Die Fernsteuerung der außerhalb des Stadions gestarteten Drohne wurde demnach bei ihm gefunden.
Am Donnerstag jedoch bekannte sich auch eine Gruppe albanischer Fußballfans aus der mazedonischen Hauptstadt Skopje zu der Aktion. „Werke und nicht Worte“, schrieb die Gruppe demnach auf Facebook. Auch in diese Richtung ermittelt die serbische Polizei nun.
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