Osten der Stadt im Zentrum der Kämpfe
Die Lage in der von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eingekesselten syrisch-kurdischen Stadt Kobane (arabisch: Ain al-Arab) wird immer dramatischer. Augenzeugen berichteten am Mittwoch von heftigen Gefechten im strategisch wichtigen Grenzort.
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Nachdem Luftschläge der internationalen Koalition und kurdische Kämpfer die Dschihadisten zunächst gebremst hatten, gingen die IS-Milizen zu einer Gegenoffensive über. Ein dpa-Korrespondent in Suruc berichtete von heftigen Gefechten in Kobane, die auf der türkischen Seite der Grenze zu hören seien. Verwundete kurdische Kämpfer würden aus Kobane in türkische Krankenhäuser gebracht.
Geflüchteter Kämpfer: „Viele Verletzte“
„Die Situation ist schlechter, als die Menschen denken“, sagte ein Kämpfer der Volksschutzeinheiten, der aus Kobane über die Grenze kam, der Nachrichtenagentur dpa. „Viele sind ernsthaft verletzt und noch immer drinnen (in Kobane). Es war nicht möglich, sie hinauszubringen. IS ist sogar noch näher gekommen.“
Ein kurdischer Aktivist namens Farhad al-Shami in Kobane sagte der dpa am Telefon, die Kämpfe konzentrierten sich auf den Osten der Stadt. „IS-Kämpfer haben eine großangelegte Offensive begonnen, um den gesamten Bezirk Kani Araban unter ihre Kontrolle zu bringen“, sagte er.
Zuvor Berichte über Zurückdrängen des IS
Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die kurdische Nachrichtenseite Welati hatten zuvor gemeldet, kurdische Kämpfer hätten den Vormarsch der Dschihadisten gebremst und sie an den östlichen Stadtrand gezwungen. Die sunnitischen Extremisten waren am Montag nach wochenlangen Kämpfen in die Ortschaft eingedrungen.

APA/ORF.at
Widersprüchliche US-Signale zu Pufferzone
Unterdessen befürworten immer mehr westliche Staaten eine Pufferzone für Flüchtlinge in den Kurdengebieten an der türkisch-syrischen Grenze. Der Vorschlag aus Ankara sei es „wert, sehr, sehr genau geprüft zu werden“, sagte US-Außenminister John Kerry bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Washington. Sinngemäß gleich äußerte sich sein britischer Kollege Philip Hammond. Das Weiße Haus wählte kurz darauf vorsichtigere Worte: US-Präsidentensprecher Josh Earnest sagte, eine Pufferzone sei zumindest „nichts, worüber im Moment nachgedacht“ werde.
Zuvor hatte schon der französische Präsident Francois Hollande seine Unterstützung für den Pufferzonenplan des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan signalisiert.
Türkei verhaftet Einreisende
Während Kritiker argwöhnen, dass die Türkei unter dem Vorwand angeblicher Sicherheitsbedenken den kurdischen Einflussbereich in dem Grenzgebiet beschneiden wolle, verweist Ankara auf die Gefahr eines länderübergreifenden Bündnisses zwischen der in der Türkei verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und den vor allem in Syrien aktiven kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Die türkischen Behörden nahmen deshalb nach offiziellen Angaben vom Mittwoch mehr als 260 aus Syrien kommende Kurden an der Grenze fest, um militante Aktivisten „aus Sicherheitsgründen“ auszufiltern.
Stoltenberg in Türkei
Der neue NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg wird an diesem Donnerstag zu Beratungen über den Kampf gegen IS in der Türkei erwartet. In Ankara will er unter anderem Erdogan treffen, wie das Verteidigungsbündnis mitteilte. Sollte die Terrormiliz IS von Kobane in Richtung Türkei vorrücken, könnte Ankara den Bündnisfall ausrufen, der NATO-Partner zur Verteidigung der Türkei verpflichten würde.
Kurden fordern schwere Waffen
Die syrischen Kurden baten die internationale Gemeinschaft unterdessen eindringlich um schwere Waffen. „Jeder sagt, wir stehen Euch bei“, sagte der Vizepräsident der syrischen Kurdenpartei PYD, Salih Muslim, der türkischen Zeitung „Hürriyet Daily News“. Aber kein Land unternehme dafür konkrete Schritte.
Die dramatische Lage in Kobane bringt auch die Regierung in Ankara zunehmend in Bedrängnis. Im kurdisch dominierten Südosten der Türkei kamen bei Protestmärschen für den Schutz der Grenzstadt mindestens 14 Menschen ums Leben, wie örtliche Medien übereinstimmend berichteten. Die meisten der Opfer seien bei Zusammenstößen zwischen Islamisten und Anhängern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK getötet worden.
IS tötet Ex-Abgeordnete im Irak
Im Irak dauerten die Kämpfe ebenfalls an. Dschihadisten töteten nach Informationen des Nachrichtenportals Sumaria News eine frühere irakische Parlamentarierin in der nördlichen Stadt Tel Afar. In dem arabischen Land hatte IS im Juni mit der Eroberung der Millionenstadt Mossul ihren Vormarsch auf Bagdad begonnen.
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