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Kaufpreis in bar bezahlt

Mitten in der Printmedienkrise übernimmt Bertelsmann den gebeutelten Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G+J) komplett. Europas größter Medienkonzern kauft der Familie Jahr ihre Beteiligung von 25,1 Prozent ab und stockt damit seine Beteiligung auf hundert Prozent auf. Über die Höhe des Kaufpreises, der in bar gezahlt werde, sei Stillschweigen vereinbart worden, erklärte Bertelsmann.

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Die Komplettübernahme sei „ein weiteres klares Bekenntnis zum Journalismus“, so Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe am Montag. Bertelsmann unterstütze den Umbau des Hamburger Medienhauses „uneingeschränkt“ und wolle auch in Zukunft die nötigen Mittel dafür bereitstellen. Der Geschäftsführer der Jahr Holding, Winfried Steeger, sagte, Bertelsmann sei geeignet, Gruner + Jahr „in eine gute Zukunft zu führen“. Die Familie Jahr werde dem Verlag als einer der Gründungsgesellschafter „emotional verbunden bleiben“, auch wenn sich ihre Holding nun zurückziehe.

Beteiligungen auch in Österreich

Die Übernahme soll zum 1. November wirksam werden. Damit entscheidet Bertelsmann künftig allein über das Schicksal von Zeitschriften wie „stern“, „Geo“, „Brigitte“ und „Capital“. Der Verlag Gruner + Jahr ist seinerseits auch mit einer Sperrminorität am Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ beteiligt.

Verlagshaus von Gruner + Jahr in Hamburg

AP/Fabian Bimmer

Gruner + Jahr prägt das Bild am Hamburger Hafen

In Österreich hält der Verlag 56 Prozent der News-Gruppe mit Titeln wie „News"," profil“ und „Woman“. Der Aufsichtsrat von Bertelsmann habe der Transaktion bereits zugestimmt. „Die vollständige Übernahme von Gruner + Jahr stellt für Bertelsmann einen weiteren Meilenstein bei der Stärkung seiner kreativen Inhaltegeschäfte dar.“

Erster Übernahmeversuch 2012

Bertelsmann ist bereits seit Ende der 1960er Jahre an Gruner + Jahr beteiligt und hält seit Mitte der 70er einen Anteil von knapp 75 Prozent. Zu Bertelsmann gehören auch der Fernsehkonzern RTL Group, der weltgrößte Buchverlag Penguin Random House und das Musikrechteunternehmen BMG. „Diesen klaren Bekenntnissen zu den Bereichen Fernsehen, Buch und Musik folgt nun ein weiteres klares Bekenntnis zum Journalismus“, so Rabe.

Bertelsmann hatte bereits 2012 versucht, den Hamburger Traditionsverlag gänzlich zu übernehmen. Man versprach sich höhere Einsparmöglichkeiten und eine bessere Kontrolle - Argumente, die wohl auch hinter dem jüngsten Deal stehen. Damals kam es aber zu keiner Einigung mit der Familie Jahr, die Turbulenzen führten auch zum Abgang von Gruner-+-Jahr-Chef Bernd Buchholz, dem sein Abgang mit kolportierten fünf Millionen Euro versüßt wurde.

Mitten im digitalen Umbau

Gruner + Jahr ist dabei, mit einem neuen Konzernumbau und weiteren Millionensummen seinem Digitalgeschäft auf die Sprünge zu helfen. Die im vergangenen Jahr angetretene Vorstandschefin Julia Jäkel hatte angekündigt, damit Versäumtes nachzuholen. Später als andere Verlage wie Axel Springer und Burda forciert Gruner + Jahr den Ausbau seiner Internetaktivitäten. Jäkel hatte 2013 die Wende geschafft: Nach einem Verlustjahr gab es wieder einen Gewinn von 81 Mio. Euro. Das operative Ergebnis war jedoch rückläufig, ebenso der Umsatz mit 2,07 Mrd. Euro (2012: 2,2 Mrd. Euro).

Stellenstreichungen angekündigt

Gruner + Jahr hatte im August angekündigt, in den kommenden drei Jahren rund 400 Arbeitsplätze in Deutschland zu streichen. Angesichts rückläufiger Marktentwicklungen im Printgeschäft sollen in diesem Zeitraum 75 Mio. Euro eingespart werden. Vor allem beim „stern“ war es zuletzt zu Turbulenzen gekommen. Mitte August wurde Chefredakteur Dominik Wichmann abgelöst, ihm folgte „Gala“-Chefredakteur Christian Krug nach.

Aus den betriebenen Medien kamen in den vergangenen Jahren immer wieder die Vorwürfe, in den Redaktionen massiv zu sparen, während im Verlagsmanagement Unsummen bezahlt werden - auch für Abfindungen gescheiterter Manager.

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