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Woher Rousseff und Silva kommen

Glaubt man aktuellen Umfragen, so läuft bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien am 6. Oktober alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Präsidentin Dilma Rousseff und der erst im August als Spitzenkandidatin der Sozialisten eingesetzten Marina Silva hinaus. Was die beiden gemeinsam haben, ist eine interessante Vergangenheit.

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Während Rousseff der Guerillabewegung entstammt, gegen die Militärdiktatur (1964 bis 1985) kämpfte und 1970 festgenommen, gefoltert und über zwei Jahre lang inhaftiert wurde, entstammt Silva der brasilianischen Umweltschutzbewegung, die sich dem Schutz des Regenwaldes verschrieb. Beide fungierten als Mitstreiterinnen großer Namen: Silva stand unter anderem an der Seite des international berühmten Regenwaldschützers Chico Mendes, der 1988 ermordet wurde. Rousseff fungierte über Jahre als die linke Hand ihres Vorgängers Luiz Inacio Lula da Silva.

Erste Frau an Brasiliens Spitze

Im Vergleich zu Lula, wie er in Brasilien genannt wird, fehlen der durchsetzungsstarken Linkspolitikerin Rousseff aber Charisma und Volksnähe. Stattdessen gilt Rousseffs Politikstil als technokratisch. Bis zu ihrer Wahl hatte sie in der zweiten Reihe gewirkt. Sie arbeitete sich als Regionalministerin und als Energie- und Bergbauministerin in Brasilia hoch. 2005 holte ihr Ziehvater Lula sie als Kabinettschefin an seine Seite.

2009 erkrankte die Tochter bulgarischer Einwanderer an Lymphdrüsenkrebs. Sie ließ den Tumor entfernen und Chemotherapien über sich ergehen, zeitweise trat sie mit Perücke vor die Kameras. Rousseff stand die Krankheit durch, das brachte ihr Sympathien ein. Im Oktober 2010 wurde sie als erste Frau zur Präsidentin Brasiliens gewählt.

Mit harter Hand ging sie nach außen hin gegen korruptionsverdächtige Minister vor - „Tolerancia zero“ (null Toleranz) nannte Rousseff das Programm. Angesichts der Politskandale der Partei Lulas sollte vieles besser werden. Als eines ihrer Hauptziele gilt die Armutsbekämpfung. Rousseff weitete die Sozialhilfe aus und hob den Mindestlohn an. Der Präsidentin macht aber derzeit vor allem das Abflauen des brasilianischen Wirtschaftsbooms zu schaffen - ihre Umfragewerte sinken.

Silva kommt aus armen Verhältnissen

Silva wurde in eine arme Familie von Kautschuksammlern im Amazonas-Gebiet geboren und lernte - so heißt es zumindest - erst mit 16 Jahren lesen und schreiben. Danach folgte ihr kometenhafter Aufstieg zu einer Führungsfigur der brasilianischen Umweltbewegung. Unter Lula fungierte Silva als Umweltministerin.

Doch trat sie schließlich von diesem Posten zurück und brach mit Lulas PT, weil sie sich mit ihren Plänen zum Schutz des Regenwalds nicht durchsetzen konnte. Bei der Präsidentschaftswahl 2010 konnte sie dann als Kandidatin der Grünen einen überraschenden dritten Platz holen.

Evangelikale Christin

Silva ist nicht nur eine langjährige Umweltschützerin, als evangelikale Christin - sie selbst ist Anhängerin der Assembleia de Deus - ist sie auch für konservative Gläubige interessant. So lehnt Silva etwa die Straffreiheit für die Abtreibung ab, ebenso wie die Homosexuellenehe.

In der PSB ist Silva wegen ihrer religiösen Inbrunst allerdings nicht unumstritten. Auch in diesem Jahr wollte Silva wieder mit ihrer kleinen Partei Rede Sustentabilidade (Rede) antreten, doch es gelang ihr nicht, rechtzeitig genügend Unterschriften für die Registrierung der Grünen-Partei zu sammeln - aus diesem Grund schloss sie sich daraufhin den Sozialisten an.

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