Platz eins ex aequo mit Großbritannien
Gegenüber den Werten von 2008 und 2011 hat sich die Teuerungsrate in Österreich mittlerweile beinahe halbiert. Mit 1,7 Prozent im August bzw. 1,5 Prozent nach europäischer Berechnung ist sie allerdings die höchste in der EU, wo die Preise zuletzt kaum noch gestiegen sind. Preistreiber Nummer eins ist und bleibt das Wohnen.
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In der gesamten EU lag die Teuerungsrate im August bei 0,5 Prozent, in der 18 Mitglieder umfassenden Währungsunion nur noch bei 0,4. In zahlreichen EU-Staaten, etwa Polen, Portugal, Spanien, Griechenland, Italien und Bulgarien, sanken die Preise zuletzt um 0,1 bis 1,0 Prozent, wie Eurostat am Mittwoch mitteilte. Nur in neun Staaten stiegen sie, darunter am stärksten in Österreich und Großbritannien (1,5 Prozent nach Eurostat-Berechnung), in Rumänien um 1,3 Prozent und in Finnland um 1,2 Prozent. In Deutschland lag der Wert zuletzt bei 0,8 Prozent.
Der Wert von 1,7 Prozent, den die Statistik Austria am Mittwoch nannte, lag knapp unter dem von Juli (1,8 Prozent), womit sich auch in Österreich die Teuerung etwas verlangsamte. „Zu diesem leichten Rückgang der Teuerung trugen vor allem Bekleidungsartikel bei, deren Preise im Jahresabstand merklich zurückgingen. Außerdem verbilligten sich Treibstoffe stärker als noch im Juli“, hieß es in einer Presseaussendung.
Konstantes Plus von drei, vier Prozent
Als Hauptpreistreiber habe sich dagegen „weiterhin die Ausgabengruppe ‚Wohnung, Wasser, Energie‘“ erwiesen. Diese tut das relativ konstant, vor allem die Preise für Mieten steigen konstant: Im Juni hatte das Plus gegenüber dem Vorjahresmonat 3,8 und im Juli 4,0 Prozent betragen. Im August waren es laut Statistik Austria sogar 4,3 Prozent. Die Ausgaben für Wohnen nicht eingerechnet, wäre die Inflationsrate nur bei 1,4 Prozent gelegen.
Neben den Mietausgaben stiegen die Kosten für die Instandhaltung von Wohnungen um 1,9 Prozent, die Kosten für Haushaltsenergie sanken dagegen teils deutlich: Heizöl kostete um fast vier Prozent weniger als vor einem Jahr, Gas um 0,5 Prozent. Strom wurde leicht (plus 0,2 Prozent) teurer, bei Fernwärme (plus 1,5 Prozent) und vor allem festen Brennstoffen (plus 3,8 Prozent) fielen die Preissteigerungen schon deutlicher aus.
Täglicher Einkauf etwas günstiger
Gewöhnlich auch eine Art Dauerbrenner in Sachen Inflation, stieg der Durchschnittspreis für den typischen täglichen Einkauf im August um „nur“ 2,4 Prozent, wobei es im Juli noch 3,3 Prozent, im Juni 3,2 Prozent und im Mai 3,8 Prozent gewesen waren - mehr dazu in oesterreich.ORF.at. Der Preisindex für Pensionistenhaushalte (PIPH) lag im August bei 1,8 Prozent nach 1,9 Prozent im Juli.
Angst vor der Deflation
In der EU und der Euro-Zone befindet sich die Rate mit 0,5 bzw. 0,4 Prozent auf einem Tiefstand. Der Wert für die Währungsunion ist der tiefste seit Oktober 2009, im Verlauf des globalen Krisenjahres waren die Preise damals bereits einmal gefallen. Auf Ebene der EU-28 ging die Teuerung laut Eurostat-Daten in 17 Staaten zurück, stieg in neun und blieb in zwei unverändert.
Generell lassen die niedrigen Werte auf gesamteuropäischer Ebene derzeit die Sorge vor einer Deflation, einem anhaltenden Preisverfall, wachsen. Dazu kommt es, wenn die Nachfrage mit dem gesamtwirtschaftlichen Angebot nicht Schritt halten kann. Italien etwa steckt - erstmals seit 50 Jahren - bereits in einer Deflation, wie das nationale Statistikamt Istat zuletzt bestätigte. Japan kämpft seit Jahren mit dem Problem.
Worst-Case-Szenarien und „Gegenmittel“
In der Währungsunion versucht die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit über die Geldpolitik gegenzusteuern. EZB-Chef Mario Draghi hatte zuletzt auch durchblicken lassen, dass die Notenbank neben ihrer Niedrigstzinspolitik auch zu „unkonventionellen“ Maßnahmen, etwa zum Aufkauf von Staatsanleihen und auch privaten Schuldtiteln, bereit sei.
„Quantitative Easing“ (QE, „Quantitaive Lockerung“) gilt als letzte Waffe, wenn das Pulver von Zinssenkungen bereits verschossen ist und eine Notenbank weiter auf geldpolitisch expansivem Kurs bleiben muss, um die Wirtschaft zu stützen. Eine ausgeprägte Deflation kann im äußersten Fall eine Spirale in Gang setzen, die in eine Depression mündet: Konsumenten geben kein Geld aus, Unternehmensgewinne sinken, Unternehmen investieren nicht mehr, Löhne sinken, die Arbeitslosigkeit steigt - ein Szenario, wie es während der Großen Wirtschaftskrise ab 1929 Realität war. Davon ist allerdings heute in Europa noch lange keine Rede.
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