Separatisten zeigen erneut auf Kiew
Der Absturz einer malaysischen Passagiermaschine mit 298 Todesopfern über der Ostukraine ist weder auf menschliches noch technisches Versagen zurückzuführen. Das ist das Ergebnis des am Dienstag veröffentlichten niederländischen Zwischenberichts. Umgehend folgten gegenseitige Schuldzuweisungen.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Der australische Premier Tony Abbott, zahlreiche Opfer des Flugs waren Australier, sagte, die Ergebnisse passten zur Annahme seiner Regierung, dass das Flugzeug von einer großen Boden-Luft-Rakete getroffen wurde. Nach Ansicht der Separatisten belastet der Bericht die Regierung in Kiew. „Es ist offensichtlich, dass es eine Provokation der ukrainischen Armee war, um Russland und die Volkswehr zu diskreditieren“, sagte Separatistenführer Miroslaw Rudenko am Dienstag der russischen Agentur Interfax zufolge.

Reuters/Sergei Karpukhin
Internationale Experten an der Absturzstelle
„Es gibt eine hohe Zahl von Widersprüchen in der ukrainischen Version, und der Report bestätigt das nur“, sagte Rudenko in Donezk. Ähnlich äußerte sich Separatistenführer Alexander Sachartschenko. „Wir verfügen nicht über die Technik, um ein solches Flugzeug abzuschießen“, behauptete er.
Auch Moskau gibt Kiew die Schuld
Einen Tag nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts wies auch die russische Regierung dem Nachbarland die Verantwortung für das Unglück zu. Kiew trage „die volle Verantwortung für das, was geschehen ist“, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Mittwoch bei einem Treffen mit seinem malaysischen Kollegen Hishammuddin Hussein. „Die Katastrophe“ habe sich „im Luftraum der Ukraine zugetragen.“
Vielfach durchlöchert
Der erste offizielle Untersuchungsbericht kommt zum Schluss, dass zahlreiche Objekte die Maschine durchlöcherten und diese danach noch in der Luft zerbarst. Von Raketenbeschuss sprach der niederländische Sicherheitsrat am Dienstag nicht ausdrücklich.

Reuters/Maxim Zmeyev
Mitarbeiter des ukrainischen Katastrophenministeriums bergen eine Leiche
Bei dem Absturz von Flug MH17 von Malaysia Airlines waren am 17. Juli 298 Menschen ums Leben gekommen, die meisten davon Niederländer. Westliche Staaten gehen davon aus, dass prorussische Separatisten die Maschine abgeschossen haben. Für Anschuldigungen Russlands und der Aufständischen, ein ukrainisches Militärflugzeug habe das Feuer auf die Boeing eröffnet, finden sich in dem Bericht keine Belege. Zur Uhrzeit der Katastrophe um 13.20 Uhr befanden sich demnach nur drei Verkehrsmaschinen mit MH17 im Luftraum über Donezk: Am dichtesten dran war demnach ein Flugzeug in 30 Kilometern Entfernung.
Splitter in Leichen werden untersucht
Die Beschädigungen am Wrack könnten nach Ansicht von Luftfahrtexperten auf Einschläge einer Buk-Rakete hindeuten. Diese explodiert dicht bei ihrem Ziel, und die Bruchstücke können es dann zerstören. Die Experten des Sicherheitsrats wollen nun Metallsplitter untersuchen, die in Leichen der Besatzungsmitglieder gefunden wurden. „Das könnten Reste der Objekte sein, aber auch Splitter aus dem Cockpit“, sagte der Vorsitzende Tjibbe Joustra im niederländischen Radio. Im niederländischen Hilversum sollen alle Opfer identifiziert werden.
„Wollen absolute Sicherheit“
Eindeutige Aussagen über einen Raketenbeschuss sind nach den Worten von Joustra verfrüht. „Wir wollen absolute Sicherheit“, sagte der Vorsitzende des Rates. „Zurzeit ist nur sicher, dass das Flugzeug durch Objekte in der Luft mit hoher Schnellheit durchbohrt wurde.“ Dadurch wurde die Maschine so beschädigt, dass sie zerbrach. Der Sicherheitsrat vermutet, dass an der Absturzstelle noch Reste einer Rakete zu finden sein könnten. Wegen der heftigen Kämpfe konnten die internationalen Experten die Absturzstelle nicht untersuchen. Angesichts der Waffenruhe im Osten der Ukraine hoffen sie, so schnell wie möglich dorthin zu reisen.

Reuters/Maxim Zmeyev
Die Absturzstelle kurz nach dem MH17-Unglück
„Abruptes Ende“
Die Flugschreiber und die Daten der Luftverkehrsleitung wiesen dem Bericht zufolge auf einen normalen Flugverlauf hin. Es habe auch kein Notsignal der Piloten geben. „Alles weist auf ein abruptes Ende hin“, heißt es in dem Bericht. Malaysias Premierminister Najib Razak fordert angesichts der offenen Fragen einen uneingeschränkten Zugang zur Absturzstelle. Auch er betonte, dass die Maschine laut Bericht flugtauglich war, keine Mängel aufwies und einer offiziellen, freigegebenen Route folgte.
Ukraine nennt Bericht objektiv
Die ukrainische Regierung bezeichnete den Bericht als objektiv. Aus seiner Sicht gehe daraus klar hervor, dass eine Boden-Luft-Rakete die Maschine zerstört habe, sagte Vizeregierungschef Wladimir Groisman am Dienstag in Kiew. Zur Frage nach den Tätern sagte er: „Ich denke, dass es genügend Fakten gibt; Sie können sie in Ruhe prüfen und Ihre Schlüsse ziehen.“
Die Regierungstruppen hätten keine Flugabwehrsysteme im Konfliktgebiet Ostukraine benutzt. „Wie haben keine derartige Waffe eingesetzt. Der Bericht bestätigt unsere Mutmaßungen“, sagte Groisman. Die Regierung hatte nach dem Absturz erklärt, aus ihrer Sicht hätten moskautreue Separatisten mit russischem Kriegsgerät die Boeing abgeschossen. „Die Ukraine wird alles dafür tun, damit jeder, der an dem Terrorakt beteiligt war, bestraft wird“, so Groisman.
Neue Ermittlungen am Absturzort
Am Wochenende hatten Australien und Malaysia angekündigt, erneut Ermittler an die Absturzstelle von Flug MH17 in der Ostukraine zu schicken. Aufgrund der Kämpfe in der Region waren erste Untersuchungen in dem Trümmerfeld abgebrochen worden.
Links: