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Laut Umfrage erstmals Mehrheit für „Yes“

Weniger als zwei Wochen vor der Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands hat sich erstmals eine Mehrheit für die Trennung von Großbritannien ausgesprochen. Damit wird die Aufspaltung des Landes eine immer realistischere Option. Das steigert auch die Nervosität in London, weswegen sich die britische Regierung zu Zugeständnissen bereit zeigte.

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Angekündigt wurden Pläne für eine größere Autonomie Schottlands: Falls die Schotten gegen den Austritt aus dem Vereinigten Königreich stimmen, sollten sie mehr Rechte bei Entscheidungen zu Steuern, Ausgaben und Sozialhilfe erhalten, sagte Finanzminister George Osborne dem Fernsehsender BBC. „Das wird umgesetzt, wenn es im Referendum ein Nein-Votum gibt“, betonte er.

Brown verspricht „so viel Föderalismus wie möglich“

Laut dem Ex-Premier Gordon Brown könnte ein derartiger Gesetzesentwurf binnen vier Monaten stehen. In einer Rede vor dem Minenarbeiterklub in der Kleinstadt betonte der Ex-Regierungschef die Bemühungen aller britischen Parteien um ein Nein beim Unabhängigkeitsreferendum nächste Woche. Die Schotten bekämen dann „so viel Föderalismus, wie möglich ist“.

Britischer Finanzminister George Osborne

Reuters/Neil Hall

Der britische Finanzminister George Osborne prescht mit Zugeständnissen vor

Nationalisten schafften rasante Aufholjagd

Dabei hatte es lange nach einer Ablehnung der Abspaltung ausgesehen, die schottischen Nationalisten schafften kurz vor der Zielgeraden eine rasante Aufholjagd: Noch vor einem Monat lagen sie in Umfragen 22 Prozentpunkte hinter den Anhängern eines einigen Großbritanniens. Bei dem Ergebnis nicht enthalten seien die erklärten Nichtwähler sowie die Unentschiedenen, teilten die Meinungsforscher mit. Nimmt man beide Gruppen hinzu, ergebe sich ein Wert von 47 Prozent für die Befürworter der Unabhängigkeit und 45 Prozent für die Gegner.

Nach Angaben von YouGov fand die Befragung nach einer zweiten Fernsehdebatte statt, die der Anführer der Unabhängigkeitsbewegung Alex Salmond nach Ansicht vieler Beobachter für sich entschieden hatte. „Die letzte Umfrage war die erste, die einem Ja eine echte Möglichkeit einräumt“, teilte das Institut mit. Auch eine weitere Umfrage sah die Befürworter der schottischen Nationalisten auf dem Vormarsch: Einer Erhebung von Panelbase zufolge sprach sich mit 48 Prozent aber noch keine Mehrheit für die Unabhängigkeit aus.

„Anstrengung verdoppeln“

Schottlands Vizeregierungschefin und Befürworterin der Unabhängigkeit Nicola Sturgeon nannte die Umfragewerte „außerordentlich positiv und ermutigend“. Gleichzeitig mahnte sie, dass nur das tatsächliche Ergebnis in eineinhalb Wochen zähle. „Also lasst uns unsere Anstrengung verdoppeln und konzentriert bleiben“, forderte Sturgeon über Twitter auf. Sowohl die „Yes“-Kampagne für die Unabhängigkeit als auch die „No“-Seite kündigten an, in den verbleibenden eineinhalb Wochen noch intensiver um Stimmen zu werben.

Wachsender Druck auf Cameron

Die Aufholjagd der schottischen Nationalisten hatte die britischen Politiker bereits vor der neuen Umfrage in Aufregung versetzt. Eine Annahme des Referendums würde Verhandlungen mit der Regierung in London über das künftige Währungssystem, angehäufte Schulden und die Ölvorkommen des Landes nach sich ziehen. Falls das Vereinigte Königreich nach 300 Jahren zerbrechen würde, müsste Cameron mit Rücktrittsforderungen rechnen. Nach einem Bericht der „Sunday Times“ sieht er sich wachsendem Druck ausgesetzt, in dem Fall sein Amt zur Verfügung zu stellen.

Die schottischen Nationalisten werfen der Regierung insbesondere vor, den Reichtum des Landes zu verschwenden: Statt in die armen Regionen Schottlands flössen die Einnahmen aus den schottischen Ölvorkommen vor allem nach London. Die Befürworter der Unabhängigkeit sind zudem für die Beibehaltung der britischen Währung. Ein weiterer wichtiger Streitpunkt in der Debatte ist die Frage, ob Schottland als eigenständiger Staat automatisch Mitglied der Europäischen Union bleibt.

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