Kämpfe auch in Donezk
Unmittelbar vor der geplanten Waffenruhe sind die prorussischen Rebellen im Osten der Ukraine nach eigenen Angaben in die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer vorgedrungen. Das berichtete die russische Agentur Interfax am Freitag unter Verweis auf eine nicht näher genannte Quelle innerhalb der Rebellen.
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Aus Kiew hieß es dagegen, man habe weiterhin die Kontrolle über die Küstenstadt. Um die Stadt toben seit langem heftige Kämpfe, diese waren auch am Freitag nicht abgeflaut. Auch in der Rebellenhochburg Donezk kam es wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen. In der Nähe des Flughafens waren laut Augenzeugen Schüsse und Artilleriefeuer zu hören. Rund um den Flughafen kommt es seit Tagen immer wieder zu heftigen Kämpfen.
Bereits Anfang der Woche gaben die Separatisten bekannt, kurz vor dessen Eroberung zu stehen. Bereits Ende Mai hatten die militanten Gruppen eine Großoffensive auf den Airport gestartet. Dabei waren mehr als 50 Aufständische ums Leben gekommen. Kiew hatte im Vorfeld erklärt, ab 13.00 MESZ eine Waffenruhe einhalten zu wollen. Auch die Rebellen im Osten der Ukraine erklärten am Donnerstag ihre grundsätzliche Bereitschaft zu einer Waffenruhe.
Kontaktgruppe verhandelt in Minsk
Im weißrussischen Minsk begannen unterdessen die Gespräche über die mögliche Waffenruhe. Nach Angaben eines weißrussischen Regierungsvertreters kamen im Rahmen der Ukraine-Kontaktgruppe Vertreter Kiews, Moskaus, der prorussischen Separatisten sowie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zusammen. Russland drohen wegen des Konflikts mit der Ukraine neue EU-Sanktionen, über die die EU-Botschafter am Freitag in Brüssel beraten wollten. Am Rande des NATO-Gipfels in Wales sagte der britische Außenminister Philip Hammond, die Sanktionen könnten bei einer unterzeichneten und umgesetzten Waffenruhe wieder aufgehoben werden.

Reuters/Vasily Fedosenko
Ein Panzerfahrzeug der ukrainischen Miliz „Asow“ an einer Straßensperre bei einer Zufahrtsstraße nach Mariupol
Der als Reaktion des Kreml auf die bisher verhängten EU-Sanktionen verfügte Einfuhrstopp für Waren aus dem Westen lässt unterdessen die Lebensmittelpreise in Russland stark steigen. Bei ihren Einkäufen müssen die russischen Verbraucher im Schnitt zehn Prozent mehr Geld für Nahrung ausgeben als noch vor dem Boykott, wie Medien in Moskau am Freitag berichteten.
Moskaus Medien berichten über russische Soldaten
Nach wiederholten Dementis des Kreml berichteten Moskaus Staatsmedien unterdessen erstmals ausführlich über russische Soldaten in den Reihen der Separatisten. Mehrere Fernsehkanäle strahlten am Freitag fast gleichzeitig Sendungen über „Freiwillige“ aus, die im Kampf gegen die ukrainische Armee als „Helden“ ihr Leben ließen. Die Berichte gelten als Reaktion auf zunehmende Fragen der russischen Öffentlichkeit und auf Enthüllungen regierungskritischer Medien. Diese dokumentieren seit Wochen geheime Beerdigungen von Soldaten. Die Ukraine und der Westen werfen Russland vor, auch reguläre Truppen in das Kampfgebiet entsendet zu haben.

APA/EPA/Photomig
Bewohner in Mariupol stehen vor einer Bank Schlange
Die Führung in Moskau hatte stets dementiert, dass russische Soldaten in der Ukraine kämpfen. Separatistenführer Alexander Sachartschenko hatte hingegen von 4.000 Kämpfern aus dem Nachbarland gesprochen. Dass aber ein offizieller Kampfauftrag für russische Soldaten in der Ukraine vorliegen soll, meinen Moskauer Militärexperten wie Pawel Felgenhauer nicht. „Dann wären nicht 4.000, sondern 20.000 Russen dort“, sagt er.
HRW: Rebellen zwingen Zivilisten zu Zwangsarbeit
Ein am Freitag veröffentlichter Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft den prorussischen Separatisten in der Ostukraine vor, Zivilisten wegen geringer Vergehen zu Zwangsarbeit zu verurteilen. Verstöße gegen die Ausgangssperre, Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit und Drogenmissbrauch können demnach mit bis zu 30 Tagen Zwangsarbeit bestraft werden. Der HRW-Bericht beruht auf Mitte August in Donezk durchgeführten Interviews mit Zivilisten, die Zeit in Arbeitslagern verbracht haben, sowie deren Angehörigen und einem Separatistenvertreter.
Die Befragten sagten, sie seien oft auch mit Schlägen zu Falschaussagen gezwungen und in Stützpunkten nur wenige Kilometer von der Front entfernt eingesetzt worden. Dort hätten sie etwa Sandsäcke füllen, Schützengräben ausheben und als Küchenhilfen arbeiten müssen. Die Arbeit in Strafbrigaden ist nach Angaben der Befragten in der Region weit verbreitet. Jene, die eine Kooperation verweigern würden, würden mit dem Tod bedroht - für HRW klar „ein schwerwiegender Bruch des Kriegsrechtes“.
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