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Rücktritt nach nur vier Jahren

Der Dirigent Franz Welser-Möst hat mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper erklärt. Den Amtsverzicht habe er Direktor Dominique Meyer bereits in einem Brief mitgeteilt, hieß es am Freitag in einer Aussendung von Welser-Möst. Der Grund liege „in den seit längerer Zeit bestehenden Auffassungsunterschieden in künstlerischen Belangen“.

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Die Auffassungsunterschiede seien auch in mehreren Gesprächen nicht aufzulösen gewesen, heißt es in der Aussendung weiter. Welser-Möst legt zudem alle für die Saison 2014/15 vorgesehenen Dirigate und Neuproduktionen zurück. Seine Tätigkeit als Generalmusikdirektor währte damit nur vier Jahre. Im Herbst 2010 war der österreichische Dirigent an der Seite von Meyer angetreten, bereits im Jänner 2012 wurde sein Vertrag bis 2018 verlängert.

Differenzen „nicht von heute auf morgen entstanden“

„Es gibt Differenzen über die künstlerische Ausrichtung des Hauses, die nicht von heute auf morgen entstanden sind. Dominique Meyer ist als Direktor die Nummer eins. Er ist ein sehr netter Mensch und hat in künstlerischen Dingen andere Meinungen. Das steht ihm auch zu. Aber dann muss ich die Konsequenzen ziehen“, begründete Welser-Möst in einem Gespräch mit der APA seinen Rücktritt.

Der Direktor der Wiener Staatsoper, Dominique Meyer und Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst

APA/Roland Schlager

Meyer und Welser-Möst im März 2012 - anscheinend noch im Einverständnis

Sein Entschluss sei nicht ad hoc gefasst worden, sondern langsam gereift. „Ich habe den Direktor dann heute Früh um 10.00 Uhr persönlich davon informiert und ihm auch mein Rücktrittsschreiben überreicht. Er hat gefasst und ruhig reagiert. Er hat nichts gesagt“, so Welser-Möst.

Welser-Möst will „Abstand gewinnen“

Über Details der künstlerischen Differenzen wolle er nicht sprechen. „Da geht es um Sänger und Dirigenten, da geht es um den ganzen Bereich, der die künstlerische Ausrichtung des Hauses ausmacht.“ Dass er gleichzeitig mit seinem Rücktritt als Generalmusikdirektor auch seine Dirigate zurücklegte, begründete er damit, „Abstand gewinnen“ zu müssen. „Das kann ich aber nicht, wenn ich ihm Haus bin. Glauben Sie mir: Das ist eine für mich sehr schmerzliche Entscheidung. Gerade nach diesem besonders glücklichen ‚Rosenkavalier‘ in Salzburg fällt es mir nicht leicht, auf die weitere Zusammenarbeit mit diesem Orchester (die Wiener Philharmoniker stellen das Staatsopernorchester, Anm.) zu verzichten.“

Mit dem Cleveland Orchestra, dessen Chefdirigent Welser-Möst ist, wird er jedenfalls programmgemäß seine Tournee absolvieren und am 13. September in Linz sowie in den Tagen darauf auch im Rahmen einer Residenz Konzerte im Wiener Musikverein und im Konzerthaus bestreiten. „Ich habe ja nichts gegen Wien.“

„Großer Verlust“ für Meyer - „auch persönlich“

„Mit großem Bedauern habe ich heute Vormittag den Brief von Franz Welser-Möst entgegengenommen, in dem er mir seinen Verzicht auf seine Verpflichtung als Generalmusikdirektor mitgeteilt sowie alle Dirigate in der laufenden Spielzeit zurückgelegt hat“, ließ Staatsoperndirektor Meyer am Donnerstag in einer ersten schriftlichen Stellungnahme verlauten. „Das ist natürlich ein großer Verlust - und auch persönlich tut mir dieser Schritt sehr leid, denn ich schätze Franz Welser-Möst als Künstler und Dirigenten sehr.“ so Meyer weiter. Seine Sorge und erste Aufgabe sei es nun, so rasch wie möglich einen Ersatz zu finden - mehr dazu in oe1.ORF.at.

„Solidarität und Unterstützung in dieser schwierigen Situation“ sagten ihm dabei jedenfalls auch die Wiener Philharmoniker zu, die „völlig überrascht“ auf den Rücktritt reagierten. „Wir bedauern diesen Schritt außerordentlich“, so der seit Monatsbeginn amtierende Vorstand der Philharmoniker, Andreas Großbauer, in einer Aussendung. „Die Entscheidung trifft die Wiener Staatsoper zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt - am Saisonbeginn.“

Vermittlungsversuch Ostermayers gescheitert

Nach APA-Informationen fand am Donnerstag ein Vermittlungsgespräch zwischen dem seit 1. 9. amtierenden interimistischen Bundestheater-Holding-Chef Günter Rhomberg, Meyer und Welser-Möst statt, bei dem es keine Annäherung gegeben hatte. Auch die Telefonate, die Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) nach der Bekanntgabe von Welser-Mösts Rücktritt heute mit diesem sowie mit Meyer und Rhomberg geführt hatte, fruchteten nicht.

TV-Hinweis

„Kultur.montag“ ändert das Programm und widmet sich am 8. September um 22.30 Uhr in ORF2 dem Rückritt von Franz Welser-Möst - mehr dazu in tv.ORF.at.

„Die Entscheidung des Generalmusikdirektors ist unumstößlich. Es wird daher keine weiteren Vermittlungsversuche geben. Es bleibt uns daher nichts übrig, als die Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis zu nehmen“, erklärte ein Ostermayer-Sprecher. Am Zug seien nun die Staatsoper und die Bundestheater-Holding.

Dirigat von 34 Abenden nun offen

Auf Meyer dürfte nun keine leichte Zeit zukommen. Adäquaten Ersatz für derart viele Produktionen zu finden wird wohl schwierig werden, denn die Saison läuft, und in der Oper wird Jahre im vorhinein geplant. Welser-Möst war für die Saison 2014/15 insgesamt 34-mal am Pult der Wiener Staatsoper vorgesehen, allen voran für die Neuinszenierungen von Verdis „Rigoletto“ (Premiere am 20. Dezember) und von Richard Strauss’ „Elektra“ (Premiere am 29. März 2015) sowie bei der Ballettpremiere „Verklungene Feste/Josephs Legende“ (4. Februar 2015). Zudem sollte er ab November erneut für Leos Janaceks „Das schlaue Füchslein“ und ab Dezember für Verdis „La Traviata“ und für „Die Zauberflöte für Kinder“ mit den Wiener Philharmonikern zum Taktstock greifen.

Dass der meist konziliant erscheinende Welser-Möst durchaus Zähne zeigen kann, hat er in der Vergangenheit öfter bewiesen. So sagte er im Dezember 2012 den Salzburger Festspielen seine Mitwirkung an einem zentralen Projekt der Jahre 2013, 2014 und 2015 ab - einem dreijährigen Mozart-Da-Ponte-Zyklus. Der Hauptkritikpunkt waren die zu kurzen Abstände zwischen den Aufführungen. Die Stimmung zwischen ihm und Festspielchef Alexander Pereira kühlte daraufhin merklich ab.

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