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„Große Tochter Österreichs“

Mit einer Trauerfeier vor dem Parlament verabschiedete sich das offizielle Österreich am 9. August von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ). Sie erlag 60-jährig einem vor elf Monaten diagnostizierten Krebsleiden. Der Zweite Nationalratspräsident Karl-Heinz Kopf (ÖVP) würdigte Prammer als „große Österreicherin“.

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Zu Beginn der Trauerfeier wurde Prammers Sarg, der zuvor in der Säulenhalle aufgebahrt war, auf den Vorplatz des Parlaments getragen. Zu dem Staatsakt bei Sommerwetter waren rund 600 Ehrengäste aus dem In- und Ausland gekommen, zahlreiche Bürger folgten den Reden und musikalischen Darbietungen auf der Ringstraße vor dem Parlament. Das Gedenken wurde vom Zweiten Nationalratspräsidenten Karl-Heinz Kopf (ÖVP) eingeleitet.

„Ich verneige mich respektvoll“

Prammer habe „vielen Benachteiligten, vielen Opfern und der parlamentarischen Demokratie in Österreich viel gegeben, daher ist uns mit ihrem Tod auch viel genommen werden“, so Kopf. Sie habe sich stets bemüht, das Wissen über Demokratie zu stärken. Besonders junge Menschen habe sie damit erreichen können. Kopf verwies auf die Demokratiewerkstatt, eine Errungenschaft Prammers, mittlerweile ein „Exportartikel“.

Trauerfeier für Barbara Prammer

APA/Herbert Oczeret

Zum Beginn der Trauerfeier wurde der Sarg aus der Säulenhalle des Parlaments getragen

Prammer sei auch davon überzeugt gewesen, dass der Parlamentarismus einen angemessenen Ort brauche. Darum habe sie sich mit aller Kraft für eine umfassende Sanierung des Parlaments eingesetzt. Immer sei sie eine Instanz für die gesellschaftliche Gleichstellung der Frauen, gegen Rassismus, Gewalt, Diskriminierung und für die Aufarbeitung der Geschichte gewesen. Kopf strich zudem Prammers Engagement für Minderheiten hervor.

„Ich verneige mich heute respektvoll vor einer großen Demokratin, einer großen Österreicherin - und bedanke mich namens des Nationalrates und seiner Abgeordneten bei unserer Präsidentin für ihre umsichtige, überparteiliche und vor allem menschliche Art der Führung des Hauses“, so Kopf abschließend.

Trauerfeier für Barbara Prammer

APA/Herbert Pfarrhofer

Der Zweite Nationalratspräsident Kopf während seiner Rede

„Stimme der Vernunft“

Bundespräsident Heinz Fischer beschrieb den Tod als „unfassbares Phänomen, das tiefen Schmerz verursacht, wenn er einen geschätzten und geliebten Menschen aus unserer Mitte reißt“. Prammer sei eine „Stimme der Vernunft“ gewesen, „die auch über die Grenzen des Landes gehört wurde“, so Fischer. Prammer habe einen „bewundernswerten und mit Recht bewunderten Weg“ gefunden, mit ihrer Krankheit umzugehen. Man hätte feststellen können, wie viel Lob und Anerkennung Prammer in den Medien und in der Öffentlichkeit zuteil wurde. „Wenn sie das hätte erleben können, hätte sie das sehr gefreut“, so Fischer. „Wir alle können stolz auf sie sein. Wir danken dir, liebe, tapfere Barbara“, so Fischer.

Österreich „verliert eine Leitfigur“

Nach einer musikalischen Darbietung der Sängerin Timna Brauer betonte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) die besondere Rolle Prammers in der Republik. Österreich „verliert eine Leitfigur in der Demokratie“, eine „Staatsfrau“, so Faymann. Ihr Weltbild sei immer geprägt von Gleichheit, Toleranz und Offenheit geprägt gewesen. Demokratie und Gleichheit seien unumstoßbare Prinzipien gewesen.

Sie habe sich bei „jeder Gelegenheit“ gegen Faschismus und Rassismus gestellt, sei geprägt gewesen von Antifaschismus und Antirassismus. „Menschen wie sie braucht die Demokratie notwendiger denn je“, so Faymann. Sie sei stets den sozialdemokratischen Überzeugungen treu geblieben, Respekt sei stets aus allen politischen Lagern gekommen. „Liebe Barbara, du wirst uns sehr fehlen“, so Faymann abschließend.

Trauerfeier für Barbara Prammer

APA/Herbert Oczeret

Die Trauerfeier fand vor dem Parlament statt, der Ring wurde gesperrt

„Maßstäbe gesetzt“

In ihrem Handeln habe Prammer „Maßstäbe gesetzt“, erklärte Bundesratspräsidentin Ana Blatnik (SPÖ). Demokratie sei für Prammer nichts Abstraktes gewesen, ihr Engagement sei aus ihrer Geschichte erwachsen. Besonders hob Blatnik Prammers Engagement für die Volksgruppen hervor, bevor sie einige Dankesworte auf Slowenisch sprach. Als Errungenschaft unterstrich sie insbesondere die Eröffnung des Hauses für Minderheiten und Volksgruppen. Auch habe Prammer nie Scheu gehabt, schwierige Themen anzusprechen.

Nach einer musikalischen Einlage von Harri Stojka trat Publizistin Barbara Coudenhove-Kalergi ans Rednerpult, die den besonderen Stellenwert Prammers als Idealistin betonte. „Man kann auch Politiker sein, ohne sich zu verbiegen“ - das habe Prammer bewiesen. Daran könnte sich auch die kommenden Politikergeneration orientieren. Prammer habe eine feste Überzeugung gehabt. Coudenhove-Kalergi unterstrich Prammers Prägung durch das Arbeitermilieu. Sie habe nicht nur gezeigt, „wie man mit Anstand lebt“, sondern wie „man mit Anstand stirbt“.

„Große Tochter Österreichs“

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hob neben dem Einsatz für Minderheiten besonders die herausragende Rolle Prammers in der Frauenpolitik hervor. „Eine Zukunft, in der Frauen gleichberechtigt leben können“, sei die unbedingte Linie Prammers gewesen. In ihrem politischen Wirken habe sich mit vielen Maßnahmen für Frauenrechte eingesetzt, Gesetze und Besserstellungen vorangetrieben. Als Frauenministerin sei etwa das Gewaltschutzgesetz beschlossen worden. Prammer „wollte, dass jede Frau ein Einkommen hat, von dem sie auch leben kann“. Sie sei eine „große Tochter Österreichs und Europas“ gewesen.

5.000 Menschen nahmen im Parlament Abschied

Mehr als 5.000 Menschen hatten zuvor im Parlament persönlich von Nationalratspräsidentin Prammer Abschied genommen, rund 2.000 kondolierten schriftlich im Besucherzentrum des Hohen Hauses. Unter den Trauerbesuchern waren zahlreiche Vertreter des politischen und religiösen Lebens, darunter ihr Amtsvorgänger Andreas Khol (ÖVP).

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