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Militärchef Strelkow muss Feld räumen

In der Ostukraine ist der führende Rebellenkommandeur Igor Strelkow zurückgetreten. Sein Nachfolger solle Wladimir Kononow werden, teilte die von den prorussischen Separatisten ausgerufene Volksrepublik Donezk am Donnerstag auf ihrer Website mit. Mit Strelkow gibt bereits der dritte Rebellenführer innerhalb weniger Tage seinen Posten auf.

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Der gebürtige Moskauer und frühere Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB heißt eigentlich Igor Girkin. Unter seinem Kampfnamen Strelkow hatte er die Aufständischen in Slawjansk befehligt. Von dort war er wegen des Heranrückens der Regierungstruppen Anfang Juli nach Donezk abgezogen. Er hatte für den Schritt harsche Kritik aus den eigenen Reihen geerntet. Strelkow hatte argumentiert, er habe Menschenleben retten wollen. Ursprünglich hätte er die Aufgabe gehabt, als „Verteidigungsminister“ die militanten Gruppen in eine „Berufsarmee“ zu überführen, hieß es.

Rebellenführer in Lugansk abgetreten

Nur Stunden zuvor war in der zweiten Rebellenhochburg Lugansk Separatistenanführer Waleri Bolotow zurückgetreten. Er könne wegen einer Verletzung nicht mehr weitermachen, erklärte Bolotow dem staatlichen russischen Sender Rossija 24 zufolge. Nachfolger sei der bisherige „Verteidigungsminister“ der von Rebellen ausgerufenen „Volksrepublik Lugansk“, Igor Plotnizki. Erst vor einer Woche war der „Regierungschef“ der proklamierten Volksrepublik Donezk, Alexander Borodai, zurückgetreten. An seine Stellte trat Alexander Sachartschenko.

Plakat im Stil des Films "300" zeigt Igor Strelkow mit weiteren Separatisten

AP/Evgeniy Maloletka

Auf überdimensionalen Plakaten wurde Strelkow als Held inszeniert

Lugansk von ukrainischer Armee umstellt

Über die Gründe der gehäuften Rücktritte kann freilich nur gemutmaßt werden - ob sie mit der intensiven Offensive der ukrainischen Armee auf die Rebellenhochburgen Donezk und Lugansk zusammenhängen, ist unklar. Am Donnerstag wurde vermeldet, dass die Armee Lugansk von der russischen Grenze abgeschnitten und damit vollständig eingeschlossen hätte. Die Regierungstruppen hätten die letzte Verbindungsstraße zur Grenze unter ihre Kontrolle gebracht, sagte ein Armeesprecher am Donnerstag.

Die Regierungstruppen versuchen seit Wochen, Lugansk und Donezk zu erobern, doch leisten die prorussischen Separatisten erbitterten Widerstand. Die Armee verstärkte am Donnerstag ihren Beschuss der beiden Industriestädte im Osten des Landes. Beim Einschlag mehrerer Mörsergranaten in der Innenstadt von Donezk wurden zwei Menschen getötet und sieben weitere verletzt, wie die örtliche Verwaltung mitteilte. Es war das erste Mal, dass die Kämpfe im Stadtkern der ehemaligen Metropole, aus der bereits vor Wochen Hunderttausende Menschen vor der Gewalt geflüchtet waren, ausgetragen wurden.

Zahl der Toten zuletzt stark gestiegen

Demnach gab es in der Region Donezk in den vergangenen drei Tagen 74 Tote und 116 weitere Verletzte. In Lugansk wurden laut einem örtlichen Behördenvertreter bei Artillerieangriffen binnen 24 Stunden mindestens 22 Einwohner getötet. Die Regierungstruppen meldeten neun Verluste. Die UNO hatte am Mittwoch mitgeteilt, die Opferzahl im Osten der Ukraine habe sich in den letzten zwei Wochen auf 2086 fast verdoppelt. Das sei eine „sehr vorsichtige Schätzung“, hieß es.

Hilfskonvoi sorgt weiter für Verwirrung

Die humanitäre Lage in Lugansk ist besonders schwierig, da es seit zwei Wochen keinen Strom und kein Wasser mehr gibt. Auch Lebensmittel und Treibstoff sind knapp. Moskau entsandte am Dienstag knapp 300 Lastwagen, um der Not leidenden Bevölkerung in Lugansk zu Hilfe zu kommen. Doch gibt es seit Tagen Streit um den Konvoi. Kiew und der Westen befürchten, dass die Hilfen vor allem den Separatisten zugutekommen oder der Konvoi gar als Deckmantel für eine Militärintervention dient.

Am Donnerstag befanden sich die Lastwagen in der südrussischen Grenzregion Rostow und näherten sich der ukrainischen Grenze. Es blieb aber weiter unklar, ob die Ukrainer die Lastwagen über die Grenze lassen würden.

Ukrainische Lkw treffen nahe Lugansk ein

Unterdessen sind die ersten ukrainischen Lastwagen mit Hilfslieferungen an einem Sammelpunkt nördlich von Lugansk eingetroffen. 26 Fahrzeuge aus Charkiw erreichten am Donnerstagabend die Stadt Starobelsk, wie der Sicherheitsrat in Kiew mitteilte. Mitarbeiter des Roten Kreuzes sortierten und sichteten die Waren, darunter Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel. Insgesamt hat Kiew 75 Lastwagen mit rund 800 Tonnen Hilfsgütern ins Krisengebiet geschickt.

EU kündigt Erdgas-Gipfel mit Russland und Ukraine an

Unterdessen haben Russland, die Ukraine und die EU ein Gipfeltreffen zu den Themen Erdgaslieferungen und Handel vereinbart. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso habe bei einem Telefongespräch mit dem russischen Staatsoberhaupt Wladimir Putin ein gemeinsames Gespräch mit dessen Kollegen aus der Ukraine vereinbart, teilte die Kommission am Donnerstag mit. Die Verhandlungen fänden parallel zu dem Bemühen statt, die politische Situation und Sicherheitslage dort zu stabilisieren. Die Einzelheiten des Treffens müssten noch ausgearbeitet werden.

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