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„Friedlich eingeschlafen“

Lauren Bacall, eine der großen Schauspielerinnen aus Hollywoods goldener Ära, ist tot. Sie sei am Dienstag „friedlich“ in ihrer Wohnung in New York gestorben, wie die Organisation Bogart Estate unter Berufung auf die Familie Bacalls mitteilte. Mit „tiefer Trauer, aber auch großer Dankbarkeit für ihr erstaunliches Leben“ werde ihr Tod bekanntgegeben, hieß es. Bacall wurde 89 Jahre alt.

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Zuvor hatte die Nachrichten-Website TMZ.com berichtet, die Hollywood-Legende sei den Folgen eines Schlaganfalls erlegen. Mit ihrer rauchigen Stimme, einer schlanken Figur und markanten Gesichtszügen hob sich Bacall von vielen Schauspielerinnen ihrer Zeit ab. Sie spielte in mehr als 30 Filmen mit, unter anderem in Klassikern wie „Tote schlafen fest“, „Wie angelt man sich einen Millionär“ und „Mord im Orient-Express“.

Lauren Bacall, Humphrey Bogart

APA/AP

Humphrey Bogart und Lauren Bacall im Februar 1950

Debüt an Seite Bogarts

Als Betty Joan Perske war die Tochter eines Verkäufers und einer Sekretärin jüdischer Abstammung 1924 in New York auf die Welt gekommen. Dort studierte sie auch Schauspiel, bis Hollywood die herbe Schönheit für sich entdeckte. Ihr Leinwanddebüt gab sie 1944 unvergesslich an der Seite ihres späteren Ehemannes Humphrey Bogart in Howard Hawks’ „Haben und Nichthaben“. 2009 wurde sie mit einem Ehrenoscar für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die Schauspielerin war gerade 19, als sie „Casablanca“-Star Bogart begegnete.

Lauren Bacall

Reuters/Danny Moloshok

Lauren Bacall 2010

Erfolge auch am Theater

Sie waren elf Jahre miteinander verheiratet - bis zu Bogarts Tod im Jahr 1957 an Kehlkopfkrebs. Bacall und Bogart hatten einen Sohn und eine Tochter. Mit ihrem zweiten Ehemann, dem Schauspieler Jason Robards, hatte sie einen weiteren Sohn. Nach Bogarts frühem Tod zog sie von Hollywood zurück nach New York. Dort wurde Bacall auch in zahlreichen Bühnenauftritten auf dem Broadway gefeiert. Für ihre Darstellung in „Applause“, der Bühnenversion eines Bette-Davis-Films, und der Komödie „Woman of the Year“ wurde sie 1970 und 1981 mit je einem Tony Award belohnt.

Vielseitige Rollen

Anfangs versuchten Produzenten noch, Bacall den Stempel des coolen Sexsymbols aufzudrücken. Mit dem Comedy-Kassenschlager „Wie angelt man sich einen Millionär“ (1953) mit Marilyn Monroe, in „Harper“ (1966) neben Paul Newman und in „Mord im Orient-Express“ (1974) überzeugte sie auch die letzten Zweifler von ihrer Vielseitigkeit.

TV-Hinweis

In memoriam Lauren Bacall ändert ORF2 sein Programm und zeigt am Freitag um 23.05 Uhr den Agatha-Christie-Klassiker „Mord im Orient-Express“ aus dem Jahr 1974.

John Wayne konnte sie für seinen letzten Film „The Shootist“ (1976) überzeugen, und Peter Ustinov gewann sie für „Rendezvous mit einer Leiche“ (1987). Fernsehzuschauer sahen Bacall neben Gregory Peck in „The Portrait“ (1992) und mit Alec Guinness in dem TV-Film „Auf fremdem Felde“. Eine weitere Charakterrolle besetzte sie in der Liebeskomödie „Liebe hat zwei Gesichter“ (1996) neben Barbra Streisand. Dafür gewann sie ihre einzige Oscar-Nominierung. Doch der Nebenrollen-Oscar ging an Juliette Binoche für „Der englische Patient“.

Filme mit Lars von Trier

Auch mit ergrauten Haaren trat die Schauspielerin in den letzten Jahren noch vor die Kamera. Mit Nicole Kidman war sie 2003 in „Dogville“ von Lars von Trier zu sehen. Trier holte sie auch 2005 für „Manderlay“ vor die Kamera. In Paul Schraders „The Walker“ (2007), einem Remake von „Ein Mann für gewisse Stunden“, spielt sie eine ältere Dame, die die Begleitung eines homosexuellen Gigolos schätzt.

Dank bei Ehrenoscar

Als Bacall mit 85 Jahren einen Ehrenoscar für ihr Lebenswerk in Empfang nahm, stemmte sie die glänzende Trophäe mit einem lautstarken „Ja“ in die Luft. Dann dankte sie Regisseur Howard Hawks, dass er sie als blutjunge Schauspielerin mit Bogart zusammenbrachte. „Das war mein großes Glück, denn er (Bogart) war nicht nur ein wunderbarer Schauspieler, sondern auch ein außergewöhnlicher Mann, der mein Leben veränderte.“ Mit ihrem frech-charmanten Witz endete Bacall ihre Rede, dass sie froh sei, überhaupt noch zu leben. „Das hat einige von euch sicher überrascht“, sagte der Star vor versammelter Hollywood-Prominenz. Sie denke noch lange nicht daran zu gehen.

Dutzende Fans und Kollegen betrauerten den Tod der Schauspielerin. „Jetzt haben wir die großartige Lauren Bacall verloren“, schrieb Schauspielerin Mia Farrow (69) am Dienstag in einem Tweet. „Was für ein schrecklicher Verlust für alle“, ließ Bacalls Kollegin Barbra Streisand mitteilen. „Es war ein Privileg, dass ich sie kennen, mit ihr spielen und ihre Regisseurin sein durfte. Aber vor allem, sie als weise und liebevolle Freundin gehabt zu haben. Sie war ein Original.“ Die Designerin Vera Wang würdigte Bacall auf Twitter als „mühelos und authentisch“. Bacalls „anhaltender geheimnisvoller Nimbus“ habe sie auf ein „Level gehoben, das nur wenige Stars erreichen“, schrieb die „New York Times“ in einem Nachruf.

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