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Vergleichsverhandlungen möglich

Der Strafprozess gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone nach Korruptionsvorwürfen ist am Dienstag gegen eine Geldauflage von 100 Millionen Dollar (fast 75 Mio. Euro) eingestellt worden. Den Streit mit der BayernLB konnte der Brite bisher aber nicht beilegen. Am Freitag lehnte die Münchner Landesbank Ecclestones 33-Mio.-Dollar-Angebot (25 Mio. Euro) überraschend ab.

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Kurz vor Ablauf der Frist wies ein Sprecher der Bank das Angebot zurück. Ecclestone hatte der Bank das Geld angeboten, falls sie zustimme, alle Forderungen gegen den Briten aufzugeben. Hintergrund des Streits ist der Besitzerwechsel der Formel 1 vor acht Jahren. Die Staatsanwaltschaft warf dem Motorsportmanager vor, den damaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky bestochen zu haben, damit dieser den Formel-1-Anteil der Landesbank an den von Ecclestone gewünschten Investor CVC verkaufte.

„Hätte mehr verdient gehabt“

Die BayernLB forderte in der Folge Schadenersatz. Denn die Vereinbarungen mit Gribkowsky hätten dazu geführt, dass die Bank, früher Hauptaktionär der Formel 1, ihren Anteil unter Wert verkaufte. Zudem ging die Bank davon aus, dass sie Ecclestone zu Unrecht eine Beraterprovision von 41 Millionen Dollar bezahlte.

Ehemaliger BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky

AP/Matthias Schrader

Unter Ex-BayernLB-Vorstand Gribkowsky verkaufte die Bank ihre F1-Anteile

Auch Ecclestone ärgerte sich über diese Provision: „Ich fand eigentlich, ich hätte viel mehr verdient gehabt“, sagte er noch Ende 2011 im Prozess gegen Gribkowsky. Er habe eine wichtige Vermittlerrolle gehabt und der BayernLB mit 840 Mio. Dollar einen Preis für ihre Formel-1-Anteile ermöglicht, den sonst niemand gezahlt hätte. „Ich habe eine ganz, ganz große Leistung für die Bank erbracht“, sagte Ecclestone.

Position im Prozess bestätigt

Diese Position wurde von mehreren Zeugen im Prozess bestätigt, denn zeitweise musste die BayernLB damit rechnen, die Rennbeteiligung nicht mehr loszuwerden. Sie hatte diese als Pfand für die Kirch-Gruppe bekommen. Anfang dieses Jahres hatte die Bank dennoch eine Schadenersatzklage von 400 Mio. Dollar vor einem Londoner Gericht angekündigt. Bisher wurde dieser aber nicht eingereicht. Im Strafprozess erklärten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch mehrere Zeugen, die Bank habe beim Verkauf ihres Formel-1-Anteils an CVC einen guten Preis erzielt.

Vor Ablauf der Frist hatte es im Umfeld der Bank noch geheißen, dass ein Vergleich wohl besser sei als ein teurer Rechtsstreit. Die Bank steige daher günstiger aus, wenn sie Ecclestones Angebot annimmt. Die BayernLB lehnt das nun aber ab. Man habe sich auf einen von Ecclestone angestrebten Generalausgleich nicht einlassen wollen, hieß es von einem Insider gegenüber Reuters. Es sei jedoch denkbar, dass sich die BayernLB und Ecclestone im Zuge von weiteren Vergleichsverhandlungen auf eine andere Summe einigen. Andernfalls habe die Bank noch ausreichend Zeit, um eine zivilrechtliche Klage gegen den Formel-1-Boss einzureichen. Eine Reaktion Ecclestones gibt es bisher nicht.

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