Für Befürworter eine Frage der Zeit
Hochgeschwindigkeitszüge waren das wichtigste Infrastrukturprojekt von US-Präsident Barack Obama seit seinem Einzug ins Weiße Haus - doch bisher hat die US-Regierung kaum Sichtbares auf die Schiene gebracht - und das, obwohl laut „New York Times“ („NYT“) seit 2009 nicht weniger als elf Milliarden Dollar (rund acht Mrd. Euro) ausgegeben wurden.
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Die republikanische Opposition im Kongress und teils lokaler Widerstand hätten die Projekte gebremst, doch Experten und Vertreter von Republikanern wie Demokraten würden die Schuld auch bei der Obama-Regierung sehen, so die „NYT“. Diese hatte den Kongress erst im Juli erneut um zehn Milliarden Dollar für mehr Hochgeschwindigkeitsprojekte gebeten.
Anstatt die elf Milliarden direkt in diese Projekte zu stecken, habe Washington das Geld dazu verwendet, um bestehende Amtrak-Verbindungen zu verbessern, so Kritiker. Die maximale Höchstgeschwindigkeit auf diesen Strecken beträgt aber 180 km/h (zum Vergleich: Auf der Westbahnstrecke wird mit bis zu 230 km/h gefahren, Anm.). Gar kein Geld floss bisher in den Nordostkorridor - jene Region, die sich wegen ihrer dichten Besiedelung am meisten für Hochgeschwindigkeitszüge anbietet.
Neuer Zug, aber alte Strecke
Derzeit erreicht der Hochgeschwindigkeitszug Acela des Bahnunternehmens Amtrak nur auf einer kurzen Strecke für bis zu zehn Minuten Fahrzeit die Höchstgeschwindigkeit. Auf der am meisten befahrenen Strecke zwischen New York City und Washington DC erreicht der Acela eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 130 km/h. Diese Strecke für eine mit japanischen Hochgeschwindigkeitszügen vergleichbare Geschwindigkeit (Höchstgeschwindigkeit rund 350 km/h) auszubauen würde laut „NYT“ 150 Mrd. Dollar kosten und 26 Jahre dauern.

Reuters
Der Acela könnte schnell fahren - die Streckenführung bremst ihn aber
Die von republikanischen Gouverneuren regierten Bundesstaaten Florida, Ohio und Wisconsin stoppten Hochgeschwindigkeitsprojekte, weil sie ihrer Ansicht nach zu teuer und unnötig sind, und überwiesen dafür bereitgestelltes Geld an Washington zurück.
Experte: „Ungeschickte“ Politik
Der frühere Leiter des Surface Transportation Board, eines überparteilichen Komitees, das die staatlichen Bahnen kontrolliert, Frank Wilner, übte gegenüber der „New York Times“ scharfe Kritik an der Regierung: „Die Verwendung bereits bewilligter Gelder für den Bahnausbau war genauso ungeschickt wie der Start der allgemeinen Krankenversicherung.“
Als Obama vor mehreren Jahren seine Pläne für Hochgeschwindigkeitszüge präsentierte, entwarf er eine Zukunft, in der US-Bürger in modernen Zügen bei einem Tempo von 300 km/h zwischen weit voneinander entfernten Städten verkehren. „Innerhalb von 25 Jahren wollen wir 80 Prozent der Amerikaner einen Zugang zu einer Hochgeschwindigkeitsverbindung geben“, so Obama in seiner Rede an die Nation vor drei Jahren. „Das würde es ihnen ermöglichen, doppelt so schnell wie mit dem Auto zu reisen. Manche Verbindungen werden sogar schneller als ein Flug sein.“
„Reiner Hype“
Experten sprechen nun von reinen Fantasien. Der Infrastrukturexperte Kenneth Orski nannte Obamas Pläne „reinen Hype“. Und das Geld im ganzen Land zu verteilen und sich nicht auf einige wenige realistische Projekte zu konzentrieren sei alles andere als hilfreich gewesen. Der Acela, den Amtrak im Jahr 2000 einführte, ist der erste Hochgeschwindigkeitszug der USA, der auch erfolgreich ist. Die Fahrzeit zwischen Washington, New York und Boston wurde damit verkürzt - doch die bis zu 100 Jahre alte Schieneninfrastruktur bremst den Acela. Die Fahrt von Washington nach New York dauert derzeit zweidreiviertel Stunden. Auf einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke könnte die Fahrzeit auf eineinhalb Stunden verkürzt werden.
Hoffnungen ruhen auf Kalifornien
Verkehrsminister Ray LaHood gibt sich trotz des bisherigen Misserfolgs optimistisch: „Wenn erst einmal etwas gebaut wird, dann werden wir mehr solche Projekte sehen.“ Auch das Highway-Straßennetz, das die US-Bundesstaaten miteinander verbindet, sei über Jahrzehnte hinweg entstanden. LaHood baut vor allem auf Kalifornien, wo eine geplante 830 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Los Angeles und San Francisco geplant ist.
Gouverneur Jerry Brown ist ein vehementer Befürworter, allerdings gibt es zahlreiche juristische Einreichungen gegen das 68-Milliarden-Dollar-Projekt. Trotzdem hat Kalifornien mit dem Bau begonnen und den Auftrag für die Züge bereits ausgeschrieben. Der Projektverantwortliche Jeff Morales verwies gegenüber der „NYT“ darauf, dass gegen die Golden Gate Bridge Hunderte Klagen eingereicht wurden - und die Brücke trotzdem gebaut worden sei.
Private Projekte in Texas und Florida
In den republikanisch regierten Bundesstaaten Florida und Texas gibt es unterdessen zwei Konkurrenzprojekte zu den Plänen der Regierung in Washington: Denn den Republikanern ist vor allem die starke staatliche Rolle ein Dorn im Auge - in Florida plant daher ein privates Konsortium eine Bahn, auf der die Züge eine Höchstgeschwindigkeit von rund 200 km/h erreichen sollen. Und in Texas hat ebenfalls ein Privatunternehmen, die Texas Central Railway, eine Zugsverbindung zwischen Houston und Dallas mit einem Höchsttempo von 330 km/h vorgeschlagen. Die Fahrzeit würde damit 90 Minuten betragen, eingesetzt werden sollen japanische Shinkansen-Züge.
Selbst wenn all diese Projekte tatsächlich umgesetzt werden, bezweifeln Experten trotzdem, dass die USA den Rückstand auf China und Europa jemals aufholen werden. Hochgeschwindigkeitszüge seien erfolgreich, wenn es eine große Bevölkerungsdichte gebe, die Spritpreise hoch seien und die Menschen weniger Autos besitzen und es mehr gewöhnt seien, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, so der Infrastrukturexperte William Ibbs von der Universität Berkeley in Kalifornien.
Andy Kunz von der NGO High Speed Rail Association, die sich für den Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken einsetzt, hat naturgemäß eine optimistischere Sicht: Es werde sich etwas ändern, wenn die Spritpreise steigen und die Straßen immer stärker überfüllt sein werden. „Es wird passieren, weil wir keine andere Wahl haben.“
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