Themenüberblick

„Skrupellose Effizienz in Person“

2010 ist der erste Prozess gegen ein ranghohes Führungsmitglied des ehemaligen Regimes der Roten Khmer in Kambodscha geführt worden. Auf der Anklagebank saß Kaing Guek Eav alias „Duch“. Er leitete das größte Foltergefängnis in Phnom Penh, in dem Tausende vermeintliche „Feinde“ des Systems gequält und getötet wurden.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Er wurde zu 19 Jahren Haft verurteilt. Zwei Jahre später wurde dieses Urteil auf eine lebenslange Haft ausgeweitet. Der Ankläger vor dem von der UNO unterstützten Sondertribunals Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia (ECCC) bezeichnete „Duch“ als „skrupellose Effizienz in Person“. „Duch“ hatte während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer unter Pol Pot (1974 bis 1979) im berüchtigten Gefängnis Tuol Sleng (S-21) zwischen 12.000 und 16.000 Menschen per Folter zu „Geständnissen“ gezwungen und anschließend hinrichten lassen.

Erst 1999 enttarnt und festgenommen

Nach dem Einmarsch vietnamesischer Truppen Ende 1978 tauchte er unter, wurde aber 1999, 20 Jahre nach dem Ende der Khmer-Schreckensherrschaft, von einem britischen Journalisten aufgespürt und festgenommen. Vier weitere einstige Drahtzieher warten auf ihren Prozess. Darunter die frühere Nummer zwei hinter Pol Pot, Nuon Chea (84), und Ex-Staatschef Khieu Samphan (77). Pol Pot starb 1998 unbehelligt in der Provinz. „Duch“ wurde der Prozess gemacht.

Nach der Flucht als Missionar tätig

Wären seine Opfer noch am Leben, würden sie die Bankreihen in dem riesigen Gerichtssaal des Tribunals 24-mal füllen, hatte der oberste Anklagevertreter vor dem Sondertribunal die Verbrechen „Duchs“ (gesprochen: Deuk) veranschaulicht. Er bezeichnete den 1942 geborenen späteren Mathematiklehrer als „skrupellose Effizienz in Person“. Kaing Guek Eav hatte nach seiner Flucht und Konvertierung zum Christentum als Missionar bzw. wieder als Lehrer gearbeitet. Der Prozess gegen ihn begann Anfang 2009.

Nur gespielte Reue?

Im März hatte der Angeklagte die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer um Vergebung gebeten. Er bekannte sich in zwei Fällen zur Folter, will aber niemanden getötet haben. Zeugen hatten anders ausgesagt: „Duch“ habe grausamste Foltermethoden angeordnet, sogar Kleinkinder töten lassen. Hatten die Gefolterten genug Freunde denunziert, habe er sie hinrichten lassen. „Ich schäme mich“, sagte „Duch“ später vor dem Völkermordtribunal. „Ich bitte die Opfer um Vergebung.“

Viele nahmen ihm die zur Schau gestellte Reue aber nie ab: „In der Khmer-Kultur gibt es keine öffentliche Entschuldigung“, sagte Youk Chhang, der in Phnom Penh ein Dokumentationszentrum über die Rote-Khmer-Zeit leitet. „Damit hat er die Weltpresse an der Nase herumgeführt, aber den Überlebenden und Angehörigen hat er mit seinem ganzen Gehabe die kalte Schulter gezeigt.“ „Duch“ habe die Zeugen eingeschüchtert, indem er mit ihnen im alten Rote-Khmer-Habitus sprach - subtile Gesten, die Ausländer gar nicht bemerkt hätten. Sein kambodschanischer Anwalt argumentierte, „Duch“ habe nichts anderes getan als Befehle ausgeführt.

Links: