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Die „hohe Kunst“ der Ampelschaltung

Die Ampel hat innerhalb von hundert Jahren den Charakter einer ewig gültigen und sich selbst erklärenden Sache mit globalem Symbolwert bekommen: Von Sprachwendungen wie „grünes Licht“ bis zu Nährwertangaben auf Lebensmittelpackungen - die Ampel scheint nicht wegzudenken zu sein. Und doch überlegen Verkehrsplaner und Experten, ob es nicht auch ohne Ampel gehen könnte.

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Wilke Reints etwa ist im deutschen Siemens-Konzern für die Entwicklung von „intelligenten Verkehrssystemen“ zuständig. Er träumt von einer Zeit ohne erzwungene Stillstände durch rote Ampeln: „Weil alle Autos miteinander kommunizieren und selbst den idealen Verkehrsfluss errechnen“, wie er der Deutschen Presseagentur vorschwärmte. Das müsse allerdings „auf absehbare Zeit wirklich nur ein Traum bleiben“: „Es gibt ja noch Radfahrer und Fußgänger.“

„Faszinierende Algorithmen“

Reints glaubt aber, dass Ampeln in Zeiten ausgefeilter Kommunikations- und Verkehrsleitsysteme bald mehr können werden als nur Farben anzeigen: „Dann könnte Ihnen die Ampel sagen: Mach den Motor aus!“ Trotzdem nimmt der Ingenieur auch die Ampeln von heute in Schutz. Obwohl statistisch gesehen mitteleuropäische Stadtbewohner mehrere Wochen ihres Lebens beim Warten an roten Ampeln verbringen, sei der Ärger darüber meist unbegründet.

Die Taktung von Ampeln sei vielmehr „eine hohe Kunst“, so Reints. „Es gibt faszinierende Algorithmen, um den Verkehr zu beeinflussen. Und man kann wahnsinnig viel gestalten“, schwärmt der Techniker im Interview. Je nachdem, welche verkehrspolitischen Ziele von einer Kommune verfolgt werden, kann der Verkehrsfluss erhöht oder gebremst werden. „Den politischen Willen so umzusetzen ist beide Male verkehrstechnisch eine hohe Kunst.“

Wenn der Kreisverkehr seinen Witz verliert

„Einige Kommunen lassen den Verkehr fließen, aber andere stören ihn künstlich“, bestätigt der Techniker subjektive Eindrücke wohl so ziemlich jedes Verkehrsteilnehmers. Das sei aber nicht auf Inkompetenz oder gar Schikanen zurückzuführen. Derlei Vermutungen seien „Quatsch“. Vielmehr sei das „eine Wissenschaft, und die Leute, die das machen, sind Profis“. Durch längere Stehzeiten etwa „sollen die Autofahrer zu Bus und Bahn gedrängt werden“.

Unter den vielen Möglichkeiten der Verkehrsbeeinflussung lässt der Techniker, der laut eigenen Angaben auch manchmal von Ampeln träumt, eigentlich nur eine nicht gelten: den Kreisverkehr, mit dem der Verkehr angeblich auch im innerstädtischen Bereich reibungsloser und flotter fließen soll. „Das funktioniert aber kaum in der Innenstadt“, sagt Reints. „Und außerdem stellen einige Kommunen am Kreisverkehr Ampeln auf - und nehmen ihm damit den ganzen Witz.“

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