Experten analysieren Fotos
Nach Angaben der „New York Times“ („NYT“) liefern Fotos von Wrackteilen der über der Ostukraine abgestürzten Boeing Indizien für einen Raketenbeschuss mit dem russischen Flugabwehrsystem Buk. Die US-Zeitung ließ Experten der auf die Verteidigungsbranche spezialisierten Beratungsfirma IHS Jane’s von ihren Reportern an der Absturzstelle aufgenommene Bilder untersuchen.
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Die darauf sichtbaren Schrapnell-Spuren deuteten klar auf einen Raketentreffer hin, berichtete die „NYT“ am Dienstag. Die SA-11 Raketen des Buk-Systems verfügen den Angaben zufolge über einen Splitter-Gefechtskopf, der 30 bis 100 Meter vom Ziel entfernt detoniert.
Sprengkopf „wirkt wie Schrotflinte“
Der Sprengkopf wirke „eher wie eine Schrotflinte als wie ein Gewehr“, zitierte die „NYT“ einen Sachverständigen. Dadurch sollen möglichst viele wichtige Teile eines Flugzeugs wie die Triebwerke und die Tragflächen getroffen werden.
Die Durchlöcherung der Wrackteile lasse darauf schließen, dass das Passagierflugzeug von Malaysia Airlines von vielen kleinen Metallteilen getroffen worden sei, hieß es. Die Form der Löcher und den abgeplatzten Lack an der Außenwand werteten die Experten als Indiz dafür, dass die Splitter nach innen in die Maschine eingedrungen seien.
Ausbildung für Buk-System notwendig
Falls die malaysische Boeing tatsächlich mit dem Lenkwaffensystem Buk abgeschossen wurde, wirft das neue Fragen auf. Um ein derartiges System bedienen zu können, ist nämlich eine Ausbildung von zwei bis drei Jahren notwendig. „Ein Laie kann es nicht einmal in Betrieb nehmen“, sagte Oberstleutnant Reinhard Zmug vom österreichischen Bundesheer.
Das Radar des Systems lässt zudem keinerlei Rückschlüsse darauf zu, ob es sich um ein ziviles oder ein militärisches Flugzeug handelt. „Das ist nicht erkennbar. Man sieht nur einen Punkt, kann aber nicht sagen, wie groß oder wie schwer das Objekt ist“, erklärte Zmug gegenüber der APA. Dementsprechend groß ist natürlich auch die Gefahr, versehentlich eine zivile Maschine zu treffen.
Zwei Personen notwendig
Zum Vergleich: Um zivile Maschinen klar als solche zu erkennen, kommt in der regulären Luftfahrt und auch bei modernen Waffensystemen das Sekundärradar zum Einsatz. Dabei wird nicht wie beim einfachen Radar - über das das Buk-System verfügt - nur die reflektierte Energie eines Objektes gemessen, vielmehr verbindet sich ein in dem Flugzeug installiertes Antwortgerät mit dem empfangenen Radarsignal. Neben der Position werden unter anderem auch Daten wie Flugnummer und Kennung mitgeschickt.
Auch der Abschuss von Raketen ist beim Buk-System sehr kompliziert. Während bei den modernen Fire-and-Forget-Systemen die Raketen ihr Ziel selbst ansteuern, muss beim Buk das Objekt über einen längeren Zeitpunkt hin verfolgt werden, wofür zumindest zwei gut ausgebildete Personen notwendig sind.
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