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Boom trotz saftiger Preisaufschläge

Die Namensgebung ist einigermaßen kreativ. Man nennt es „Premium“, „neue“ Economyclass, „extra“, „plus“ oder „comfort“: Der Inhalt ist bei allen Fluglinien aber derselbe - ein Rückgriff auf die Standards der Economyclass, wie sie etwa vor 15 Jahren im Hinblick auf Freigepäck, Verpflegung und Beinfreiheit üblich waren, aber zu weitaus höheren Ticketpreisen als damals.

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Für Fluglinien rund um die Welt wird damit derzeit ein Wunschtraum wahr. Die alte, neu verpackte Economyclass bringt Gewinne, von denen man vor kurzem nicht zu träumen wagte. Mitte März gab die asiatische Cathay Pacific einen hundertprozentigen Gewinnzuwachs innerhalb eines Jahres bekannt, den sie ihrer „Edel-Holzklasse“ verdankt: Das neue Marktsegment bescherte dem Carrier, der auf Interkontinentalflüge von und nach Hongkong spezialisiert ist, demnach Gewinne von 1,3 Milliarden Hongkong-Dollar (120 Mio. Euro) in nur einem Jahr.

„Es ist erstaunlich“

Obwohl die Cathay-Tickets um 80 Prozent teurer sind als die herkömmliche Econonomyclass, gehen sie weg wie die warmen Semmeln. Bei den anderen Fluglinien ist es nicht anders: Trotz Ticketaufschlägen von etwa 400 bis 800 Euro boomt das Angebot. Über 40 Fluglinien, darunter fast alle bekannten internationalen Anbieter, haben inzwischen die neue Zwischenklasse im Programm. Die deutsche Lufthansa gab im heurigen Frühjahr auf der deutschen Reisemesse ITB zu, dass man den Trend verschlafen habe - und will nun umso aggressiver mitmischen.

„Es ist erstaunlich, wie viel Passagiere für ein bisschen mehr Platz ausgeben“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters auf der ITB auch einen „Chef einer europäischen Fluglinie“, der anonym bleiben wollte. Das Fliegerportal Vornesitzen.de weist aus, dass die Sitzreihen in der neuen Economyklasse im Schnitt rund 97 Zentimeter Abstand haben, also etwa 20 Zentimeter mehr als in der inzwischen üblichen Economy. Die weiteren „Zuckerln“ variieren je nach Airline - von Business-Niveau bis gar kein Extra.

Wer zahlt Hunderte Euro für 20 Zentimeter?

Die Frage, wer beinahe Businessclass-Preise für etwas zahlen will, das doch nicht Businessclass ist, können Airlines laut eigenen Angaben nicht beantworten. Eine „Hilfestellung“ wäre dabei ein Blick auf jene Flugverbindungen, auf denen das Segment besonders gerne gebucht und von den Airlines dementsprechend immer weiter ausgebaut wird. Das sind nicht so sehr touristisch relevante Verbindungen, sondern vielmehr die vor allem von Geschäftsreisenden frequentierten Strecken - siehe den Erfolg von Cathay.

Lufthansa will nach eigenen Aussagen auf „möglichst große Unterschiede“ zwischen Businessclass und ihrer „Premium Economy“ achten, um Geschäftskunden bei der teureren Variante zu halten. Ein Blick auf das Service zeigt allerdings nur marginale Unterschiede zwischen den beiden Klassen. Damit liegt der Verdacht nahe, dass es vor allem um Etikettenschwindel geht - und zwar vor allem im Interesse der Fluggäste.

Schöne neue Spesenrechnungen

Angesichts wirtschaftlich harter Zeiten mit Einsparungen vor allem beim firmeneigenen „Fußvolk“ scheuen Chefetagen zusehends vor dem luxuriösen Stempel „Businessclass“ zurück. Im Alltag hält sich die Sparsamkeit oft in Grenzen: Da verfallen gerne einmal Tickets oder werden ohne Not so lange umgebucht, bis ein Vielfaches des ursprünglichen Preises zusammenkommt. Als „Economyclass“ sieht das alles in Spesenabrechnungen aber viel sparsamer aus als früher - auch wenn ein recht teures „Premium“, „neu“, „extra“, „plus“ oder „comfort“ dahintersteht.

Lukas Zimmer, ORF.at

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