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„Schrecken werden nur vergrößert“

Rebellengruppen in Syrien rekrutieren laut Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) Kindersoldaten. Einige Rebellengruppen setzten bereits 15-Jährige im Kampf ein, erklärte HRW am Montag. Bereits 14-Jährige werden laut HRW für Hilfsdienste eingesetzt.

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Jugendliche würden unter dem Deckmantel angeworben, sie hätten bei den Rebellengruppen Zugang zu Bildung. So habe die dschihadistische Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) mit Kampagnen für Gratisschulbildung Kinder rekrutiert, erklärte HRW. Die Minderjährigen würden an der Waffe ausgebildet und für gefährliche Einsätze und Selbstmordanschläge missbraucht. Der HRW-Bericht basiert auf Zeugenberichten von 25 zum Teil noch aktiven Kindersoldaten. Diese dienten für ISIS, die Freie Syrische Armee (FSA), die Islamische Front, die islamistische Al-Nusra-Front und für kurdische Rebellengruppen.

Bewaffnete syrische Gruppen sollten nicht verletzliche Kinder, die sehen mussten, wie ihre Eltern ermordet, ihre Schulen beschossen und ihre Heimatorte zerstört wurden, ausnutzen, indem sie sie in ihre Reihen aufnehmen, so die Autorin des Berichts, Priyanka Motaparthy. Die Schrecken des syrischen Bürgerkrieges würden „nur noch vergrößert, wenn man Kinder an die Front schickt“.

Neue EU-Sanktionen

Angesichts der Eskalation der Lage in Syrien und im Irak beschloss die EU neue Strafmaßnahmen gegen das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Konkret wurden Einreiseverbote und Vermögenssperren gegen zwölf Minister der syrischen Regierung verhängt.

Heckenschützen, Soldaten, Wachposten

Laut HRW gibt es keine Zahlen, wie viele Kinder als Soldaten eingesetzt werden. Von September 2011 bis Juni 2014 habe aber eine Beobachtergruppe 194 Todesfälle von „nicht zivilen“ männlichen Kindern dokumentiert.

Die von HRW befragten Kinder haben in Schlachten gekämpft, als Heckenschützen, als Wachposten bei Straßensperren, feindliche Kräfte aussponiert, Verletzte versorgt und Munition und anderen Nachschub mitten während des Kampfes an die Front gebracht. Die befragten Jugendlichen nannten verschiedene Gründe, warum sie sich den Antiregierungseinheiten anschlossen. Viele folgten laut Bericht ihren Verwandten oder Freunden, andere lebten in einer Kampfzone, in der es keinen Schulunterricht oder andere Möglichkeiten der Beschäftigung gab.

Einige hatten sich an Antiregierungsprotesten beteiligt und seien dadurch motiviert worden, mehr im Kampf gegen das Regime zu tun, oder hätten persönlich Schaden durch das Regime erlitten. Laut HRW wurden von der Kurdischen Demokratischen Unionspartei auch Mädchen als Wachposten und für Patrouillen rekrutiert.

Für Selbstmordattentate ausgewählt

Einer der Interviewten, ein 16-Jähriger, der im Bericht den Namen „Madschid“ („Majed“) trägt, schilderte, dass die Al-Nusra-Front in Daraa ihn und andere Burschen rekrutriert habe, indem sie eine Gratisschule in einer Moschee anbot. Zum Unterricht gehörte auch militärisches Training. Die Kommandanten riefen laut dem Buben Kinder wie Erwachsene dazu auf, sich für Selbstmordattentate zu melden. „Manchmal meldeten sich Kämpfer freiwillig, und manchmal sagten die Kommandanten: ‚Allah hat dich auserwählt.‘“

ISIS und Al-Nusra-Front gaben laut HRW Kindern besonders schwierige Aufgaben und forderten sie auf, Selbstmordattacken auszuführen. Auch „Amr“, der im Alter von 15 für ISIS im Norden Syriens kämpfte, schilderte wie „Madschid“, dass Kommandanten die Kinder aufriefen, sich zu Selbstmordkommandos zu melden. „Amr“ sagte, er habe sich widerwillig gemeldet. Ihm sei es aber gelungen, von der Truppe wegzukommen, bevor er an der Reihe war.

Klares Bekenntnis gefordert

HRW Watch fordert ein öffentliches Bekenntnis aller Milizen in Syrien, die Rekrutierung von Kindern zu stoppen und alle ihre Kämpfer, die jünger als 18 sind, zu demobilisieren. Laut HRW hatten mehrere Gruppen in den vergangenen Monaten entsprechende Verpflichtungen ausgesprochen, so etwa die Freie Syrische Armee. Ein Kommandant habe gegenüber der NGO aber betont, dass er weiter Kinder in seinen Reihen akzeptieren werde.

In Syrien herrscht seit mehr als drei Jahren Bürgerkrieg. Ausgangspunkt waren im März 2011 zunächst friedliche Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad, die in einen blutigen Konflikt mündeten. Laut UNO-Angaben wurden bisher schätzungsweise rund 160.000 Menschen in dem Konflikt getötet.

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