Medikamente angefordert
In der Riesending-Schachthöhle im Untersberg in Bayern haben Ärzte mit der Versorgung des schwer verletzten Höhlenforschers begonnen. In der Nacht auf Donnerstag traf auch der zweite entsandte Arzt bei dem verletzten 52-Jährigen ein, wie ein Sprecher der Bergwacht Bayern mitteilte.
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Der Schwerverletzte sei transportfähig, müsse jedoch zuvor behandelt werden. „Die Ärzte werden jetzt einen medikamentösen Schutzmantel um den Mann legen“, so der Sprecher. Dazu hätten sie spezielle Medikamente angefordert, die am Donnerstag bei dem Forscher eintreffen sollen. Sobald der Zustand des Patienten es erlaube, sei geplant, mit der Hilfe von sechs internationalen Höhlenretterteams die Bergung des Mannes aus der Höhle zu starten.

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Schwierige Kommunikation
Die Ärzte erreichten jeweils in Begleitung einer italienische Spezialistengruppe den Verunglückten. Drei Schweizer Höhlenretter sind bereits seit Montag bei dem Forscher und betreuen ihn. Mittels Textnachricht aus der Tiefe berichteten sie vom Eintreffen der Mediziner.
Die Kommunikation in der Höhle ist schwierig. Derart weit im Berg funktioniert kein Handy oder Funkgerät. Bis in eine Tiefe von 350 Metern wurde inzwischen ein Telefonkabel gelegt. Danach gibt es eine weitere Verbindung über das Langwellenfunksystem Cavelink bis zum Unglücksort, über das Textnachrichten übermittelt werden können. Über ein Satellitentelefon erfolgt schließlich die Kommunikation mit der Einsatzleitung im Tal.
„Verletzungen wie bei Schumacher“
„Der Patient ist stabil und ansprechbar. Er kann mit Hilfe aufstehen. Er hat ein Schädel-Hirn-Trauma, aber keine Zusatzverletzungen“, beschrieb der Bergwachtsprecher am Mittwoch noch vor Eintreffen der Ärzte den Zustand des Forschers. Er habe bei dem Unfall einen Helm getragen, aber allein durch den Aufschlag des Gesteins sei das Trauma verursacht worden. Die Diagnose sei ähnlich wie bei Michael Schumacher, nur in einer deutlich schwächeren Ausprägung, sagte der höhlenerfahrene deutsche Neurochirurg Michael Petermeyer bei einer Pressekonferenz an Ort und Stelle am Mittwoch.

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Am Eingang der Höhle koordinieren sich die Retter
Extrem schwierige Bergung
Die Bergung aus dem dunklen und teilweise sehr engen Schacht dürfte extrem schwierig werden. Die Höhle ist durchzogen von fast senkrecht abfallenden, bis zu 200 Meter tiefen Schächten, unterirdischen Bächen und engen Gängen. Die verschiedenen Streckenabschnitte tragen bezeichnende Namen wie „Letz-Fetz-Canyon“, „Schacht der Dröhnung“, „Monsterschacht“ und „Nirvana“. Die Temperaturen unter dem Berg schwanken zwischen 1,5 und fünf Grad. Auch die Gefahr von Steinschlag ist enorm.
Inzwischen haben andere Helfer die Route zum Unglücksort gesichert. Unter anderem wurden an schwierigen Stellen Metallstifte in die rutschigen Felswände gebohrt. Zusätzliche Seile sollen den Rettern den Weg erleichtern. Teils wurden Seile ausgetauscht, weil sie verschlissen waren.
Aufstieg in Etappen
Der Aufstieg soll in Etappen verlaufen. Die Helfer hoffen, dass sie mit dem Verletzten jeden Tag eines der fünf Biwaks in dem knapp 20 Kilometer langen Höhlensystem erreichen können. Dort sind unter anderem Schlafsäcke und eingeschweißte Nahrung hinterlegt. Für den Aufstieg wäre es hilfreich, wenn der Verletzte mithelfen könnte - etwa an Engstellen. Der Höhlenretter und Einsatzleiter Nils Bräunig sagte am Mittwoch, er sei zuversichtlich, den Verletzten mit einer Trage auch an engen Stellen vorbeizubringen. Unter anderem mit Hilfe von Flaschenzügen könnte der Verletzte über senkrechte Stellen gebracht werden. Ob das sitzend oder in einem Bergesack möglich sein wird, ist offen.

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Ein Container schützt die Retter am Eingang der Höhle vor Regen
Sehr aufmerksam beobachten die Helfer den Wetterbericht. Unter anderem soll es Wärmegewitter geben. Starker Regen kann auch in Höhlen die Schluchten und Canyons gefährlich mit Wasser anschwellen lassen. Durch „geschickte Planung“ sei hier inzwischen Vorsorge getroffen worden, sagte Schneider. „Wir haben die Leute aus dem wassergefährten Bereich abgezogen.“
Verunglückter ist Mitentdecker der Höhle
Der Verunglückte, der als Extremsportler zu den erfahrensten Höhlenforschern Deutschlands zählt und im Bereich Physik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) der Universität arbeitet, ist Mitglied der deutschen Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstatt. Die Riesending-Schachthöhle war 2002 die größte Entdeckung der Arbeitsgemeinschaft.
Seither erforschen die Wissenschaftler die Höhle, entdeckten und dokumentierten viele Gangsysteme. Die jetzige Exkursion hatte einen noch unerforschten Höhlenabschnitt zum Ziel. Doch so weit kamen die Forscher gar nicht. Auf nicht ganz 950 Metern Tiefe traf den 52-Jährigen ein Stein am Kopf. Seine beiden Freunde bargen ihn. Einer harrte bei dem Verletzen aus, der andere stieg im Rekordtempo von zwölf Stunden auf, um Hilfe zu holen. Die Riesending-Schachthöhle besteht aus einem gigantischen Gangsystem mit einer Länge von 19,2 Kilometern und ist 1.148 Meter tief.
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