Zahlen soll die öffentliche Hand
Weil es derzeit immer wieder zu Lieferschwierigkeiten auch bei wichtigen Medikamenten komme, setzen sich die österreichischen Pharmagroßhändler für die Einrichtung eines nationalen Krisenvorrats ein, auf den bei Lieferausfällen zugegriffen werden kann. Was diese Maßnahme kosten würde, wissen die Großhändler nach eigenen Angaben nicht - bezahlen soll die Maßnahme vor allem die öffentliche Hand.
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Die Gründe für die Lieferschwierigkeiten seien vielfältig, sagte Andreas Windischbauer, Präsident des Interessenverbandes PHAGO, am Montag bei einem Pressegespräch in Wien. Die Bandbreite reiche von der Konzentration von Fertigungsstätten der Pharmaindustrie, höheren Qualitätsanforderungen bis zu Fehleinschätzungen bei der Produktionsplanung. Außerdem werde bereits ein Viertel aller Arzneimittel für den österreichischen Markt von den Herstellern im Ausland gelagert.
Zuletzt Engpässe bei Impfstoffen und Antibiotika
Welche Medikamente in welcher Menge in so einem Krisenlager vorrätig gehalten werden sollten, wollen die Großhändler nicht sagen. „Zum Thema des Inhaltes solcher Notfall-Lager möchte ich grundsätzlich nichts dazu sagen, das ist Aufgabe von Medizinern“, sagte PHAGO-Generalsekretär Heinz Krammer. „Die Anzahl davon wird natürlich auch davon abhängen, welche finanziellen Mittel man bereit ist aufzubringen.“ In der jüngsten Vergangenheit war es etwa zu Engpässen bei Impfstoffen und Antibiotika gekommen.
Wie man solche Lager einrichtet und bewirtschaftet, wisse der Großhandel gut, erklärte Windischbauer. Allerdings sei die Handelsspanne des Großhandels mit unter neun Prozent relativ gering, er könnte so einen Krisenvorrat also nicht finanzieren, dazu würde man die Unterstützung der öffentlichen Hand brauchen. Ein Anliegen ist den Großhändlern auch die Schaffung einer Transparenzdatenbank, um die Apotheken noch besser über die Verfügbarkeit von Medikamenten informieren zu können.
Gegenseitige Schuldzuweisungen
Die Gründe für bisherige Lieferprobleme sind mannigfach: Genannt wurden Qualitätsmängel bei der Herstellung, eingeschränkte Produktionskapazitäten, erhöhte Nachfrage, aber auch ein zunehmender Kostendruck. So sieht der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer die Verantwortung für die zunehmenden Lieferengpässe in Österreich vor allem beim Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (HVSV), weil er den Herstellern für ihre Präparate zu wenig bezahle. Damit sei der heimische Markt schlicht uninteressant.
Auch die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) sprach von „österreichspezifischen, systembedingten Engpässen“ und sah die Gesundheitspolitik, die Sozialversicherungen und die Apotheken in der Verantwortung. Das „monopolhafte Beschaffungs- und Vertriebssystem“ müsse überdacht werden, so ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger. Zuletzt betroffen gewesen seien immer Originalpräparate, für die es keine kostengünstigere Alternative gebe und die wegen des Sparzwangs deshalb nicht in großem Stil gelagert würden.
„Kein neues Problem“
In Österreich sind laut Auskunft der Apothekerkammer insgesamt rund 15.000 Medikamente zugelassen. Heuer im Frühjahr seien rund 50 Medikamente nicht lieferbar gewesen, erklärte deren Vizepräsident Raimund Podroschko, damals gegenüber ORF.at. Das Problem sei nicht neu, allerdings habe es sich zuletzt verstärkt, so Podroschko, der betont, dass Lieferengpässe nicht mit Versorgungsengpässen gleichzusetzen seien. Österreich sei seines Wissens in Europa auch nicht am akutesten betroffen.
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