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Notbremse gezogen

Die Pannen rund um die Zentralmatura haben im Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) ein Köpferollen zur Folge. Die beiden Direktoren Martin Netzer und Christian Wiesner müssen bis Ende Juli ihre Posten räumen, wurde der APA ein entsprechender Bericht des „Standard“ bestätigt.

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Ein Einvernehmen darüber wurde bei einem Gespräch von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) mit den Direktoren am Mittwochabend erzielt. Offiziell wird sich die Ressortchefin am Donnerstag in einer Pressekonferenz zu der Causa äußern.

Erst ein Jahr im Amt

Netzer und Wiesner sind nun offenbar dem Druck auf das Institut gewichen. Den beiden war keine lange Amtszeit vergönnt. Sie waren erst im April vergangenen Jahres unter Heinisch-Hoseks Vorgängerin Claudia Schmied (SPÖ) angetreten und hätten ihre Funktionen eigentlich fünf Jahre ausfüllen sollen. Netzer, einst Kabinettschef der früheren Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP), war dabei der Verantwortliche für die Zentralmatura.

Wenige Stunden vor der Entscheidung hatte Heinisch-Hosek noch nichts über Konsequenzen sagen wollen. Man müsse „nun genau schauen und dann die Konsequenzen ziehen“, so Heinisch-Hosek. „Ich bin natürlich letztverantwortlich dafür, was im Bildungssystem gut oder schlecht läuft.“

Pleiten, Pech und Pannen

Zuletzt hatten sich die peinlichen Pannen gehäuft. Ende Februar wurde zunächst ein Datenleck beim BIFIE bekannt. Zwei Jahre alte Testergebnisse von 400.000 Volksschülern und 37.000 Lehrer-Mail-Adressen waren auf einem Server in Rumänien zugänglich gewesen. In der Folge nahm die Bildungsministerin den Vorfall zum Anlass, PISA- und TIMMS-Studien im kommenden Jahr aus Datenschutzgründen auszusetzen - begleitet von lautstarker Kritik von fast allen Seiten.

Tägliche Aufregung bei Zentralmaturaprobe

Auch der Test für die Zentralmatura wurde vom Ministerium ob der Datensicherheit infrage gestellt, ging dann aber Anfang Mai doch über die Bühne. Und dann gab es fast jeden Tag neue Aufregung: Die Diskussionen begannen am 7. Mai ob der Anhebung des Punkteschlüssels in den lebenden Fremdsprachen. Statt 60 Prozent wie bei den bisherigen Probeläufen mussten im Fach Englisch für eine positive Note 63 Prozent der Punkte erreicht werden, in Französisch mehr als 62 Prozent. Das BIFIE begründete das mit heuer leichteren Aufgaben.

Lehrer und Schüler protestierten gegen das neue Bewertungssystem, über das sie erst nachträglich informiert worden wären. Tatsächlich fanden sich Erklärungen in einer Fußnote versteckt. Zwei Tage später fehlten in einigen Wiener Schulen Aufgaben für die Mathematikmatura. Zuletzt schlug am Dienstag einer der Texte für die Deutschmatura Wellen. Die vom BIFIE erarbeitete Aufgabenstellung klammerte den Bezug auf NS-Ideologie des 1947 erschienenen Texts vollständig aus, so die Kritik.

Ex-Direktor nimmt auch Politik in die Pflicht

Der Bildungsforscher und frühere BIFIE-Direktor Günter Haider ortet im Ö1-„Morgenjournal“ eine „Mischung aus Unprofessionalität und mangelnder Sensibilität für die Situation“. Die Verantwortung sieht er allerdings nicht nur bei der Leitung des BIFIE Wien. Er nimmt auch Heinisch-Hosek und ihre Amtsvorgängerin Schmied in die Pflicht. Es räche sich nun, dass bei Netzers Bestellung „in erster Linie parteipolitische Gründe ausschlaggebend“ gewesen seien, so Haider - mehr dazu in oe1.ORF.at.

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