„Fülle von Fehlern“
Trotz „einer Fülle von Fehlern“ bzw. „klassischer Pannen“ plädieren sowohl der Sprecher der AHS-Direktoren, Wilhelm Zillner, als auch die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) für eine Beibehaltung der Zentralmatura. Die Generalprobe für die ab dem Jahr 2015 an AHS verpflichtende zentrale Reifeprüfung endete am Mittwoch mit dem Fach Griechisch.
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Aus Sicht Zillners seien „eine Fülle von Fehlern passiert“. Er plädiert allerdings im APA-Gespräch für eine Versachlichung der Diskussion. Die harsche Kritik verstehe er: Die Verwendung eines der NS-Ideologie nahestehenden Autors für die Deutschklausuren ohne Erwähnung dieses Hintergrunds sei „zumindest dumm“ gewesen und die Abänderung der Prozentsätze für eine positive Note in den Fremdsprachen ohne ausreichende vorherige Information „überheblich“. Das Fehlen von Testaufgaben an einem Teil der Schulen in Mathematik wäre dagegen „einfach nur Pech“ gewesen.
„Derzeit eine Pechsträhne“
Die derzeit überaus emotional geführte Diskussion sieht Zillner kritisch: „Das BIFIE (Bundesinstitut für Bildungsforschung, Anm.) arbeitet in vielen Bereichen sehr gut, es hat derzeit eine Pechsträhne.“ Bei den Schulversuchen der vergangenen Jahre sei immer alles gutgegangen, sagt er. Er fordert, dass alle Betroffenen nach einer Beruhigungsphase die aufgetauchten Probleme diskutieren und gemeinsam Lösungen suchen sollen. Sollte sich herausstellen, dass es Managementfehler gegeben hat, müssten Konsequenzen gezogen werden.
„Notwendig, gut und richtig“
Auch für Brandsteidl „steht trotz aller Kritik immer über allem drüber, dass die Zentralmatura dringend notwendig, gut und richtig ist“. Allerdings hätte „die Abwicklung durch das BIFIE schlechter nicht sein können“. Ihr Resümee: „Durch die Art der Durchführung und diese Serie von Problemen haben die Gegner der Zentralmatura Oberwasser bekommen. Dem Gesamtprojekt hat das geschadet.“
Kritik bleibt
„Völlig unverständlich“ ist der Wiener Stadtschulratschefin die Auswahl und Formulierung der literarischen Deutschaufgabe: „Man sollte schon wissen, was eine Kurzgeschichte ist. Und es gibt ein Standardrepertoire zur Analyse von Kurzgeschichten. Warum da falsche Leitfragen zum Einsatz kommen, ist nicht einzusehen.“
Darüber hinaus sei die ausgewählte Arbeit des deutschen Schriftstellers Manfred Hausmann „kein Text, der unkommentiert zu verwenden ist“. Ebenfalls nicht nachvollziehen kann Brandsteidl, warum das BIFIE die Notenschwellen in den lebenden Fremdsprachen geändert hat. „Mathematik war dagegen eine klassische Panne, die passieren kann. Mit einer Qualitätskontrolle kann man die reduzieren, aber das ist halt nicht passiert.“
Elternvertreter sieht Chaos
Der Präsident des Bundesverbands der Elternvereine an den mittleren und höheren Schulen, Theodor Saverschel, spricht gegenüber der APA von einem „Chaos“. Die Schüler hätten „Versuchskaninchen“ spielen müssen: „Es ist sehr viel von dem passiert, was wir befürchtet haben.“ Dass ein Teil der Mathematikaufgaben fehlt, könne vorkommen.
„Mehr als unglücklich“ sei allerdings die Änderung der Bewertungskriterien bei den Fremdsprachen gewesen, der verwendete Deutschtext angesichts der Geschichte Österreichs „wirklich grenzwertig“. Die Elternvertreter haben die Ministerin in einem Schreiben aufgefordert, die „Cut Scores“ für eine positive Note wieder auf 60 Prozent herunterzusetzen. Außerdem soll das BIFIE nur noch für Forschung und Entwicklung zuständig sein, die Abwicklung von Zentralmatura und Bildungstest soll hingegen das Bildungsministerium übernehmen.
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