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Zorn auf Präsidenten wächst

Die radikalislamistische Terrorgruppe Boko Haram hat bei einem neuen Angriff auf ein Dorf im Nordosten Nigerias laut der örtlichen Zeitung „The Punch“ (Onlineausgabe) 300 Menschen getötet. Die Zeitung „Daily Trust“ spricht von mindestens 200 Toten. Fest steht, dass Boko Haram den Ort Gamboru Ngala an der Grenze zu Kamerun in der Nacht auf Dienstag mit einem schwer bewaffneten Kommando überfiel.

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Bei ihrem Angriff auf Gamboru Ngala schossen die Terroristen nach Augenzeugenangaben wahllos auf die Einwohner der Grenzstadt. „Die Leute zählen noch immer die Leichen“, sagte der Lokalpolitiker Abdulrahman Terab. Unter den Opfern sollen auch 16 Polizisten sein. „Die Angreifer haben den größten Markt des Dorfes zerstört und Waren verbrannt, die für den Export gedacht waren“, sagte ein Augenzeuge in der Grenzregion, die zu den landwirtschaftlich bedeutendendsten Gegenden Nigerias gehört.

Beispiellose Terrorserie

Die Polizei erklärte, bei dem Überfall seien mindestens 125 Menschen ums Leben gekommen. Die nigerianische Regierung wollte Meldungen über das Ausmaß des Massakers vorerst nicht bestätigen. Nicht anders hatte es sich jedoch zuletzt bei der Massenentführung von etwa 200 Mädchen in Chibok verhalten. Beide Orte liegen im Bundesstaat Borno, einem der Machtzentren von Boko Haram. Die beiden Taten und der verheerende Angriff auf einen Busbahnhof in der Millionenstadt Abuja mit rund 100 Toten Mitte April zeigen die Machtlosigkeit von Präsident Goodluck Jonathan gegenüber der Terrorgruppe.

Jonathan sieht sich im Inland immer heftigerer Kritik ausgesetzt, weil er die Bedrohung durch Boko Haram, offenbar auch wegen der bevorstehenden Präsidentschaftswahl, kleinredet. In Wahrheit wisse jeder genau, wo sich Boko Haram mit den entführten Mädchen versteckt halte, hieß es zuletzt in einem landesweit zitierten offenen Brief der Bürgerrechtsbewegung Every Nigerian Do Something (ENDS).

Wieder Mädchen entführt

Wie nigerianische Medien zudem übereinstimmend berichteten, wurden elf weitere Mädchen im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren in den Dörfern Warabe und Wala nahe der Stadt Chibok entführt. Ein Einwohner sagte der Tageszeitung „Vanguard“, dass die Angreifer auch Essen und Hausrat aus den Häusern stahlen, bevor sie in den Busch flohen. Die beispiellose Terrorserie ist von Boko Haram offenbar auch als Machtdemonstration gedacht: Just am Mittwoch begann in Abuja das dreitägige Weltwirtschaftsforum.

Belohnung für Hinweise

Vor rund drei Wochen wurden in Chibok, das im Süden von Gamboru Ngala liegt, über 200 vor allem christliche Mädchen aus einer Schule entführt. Boko Haram bekannte sich zuletzt zur Tat und erklärte, die Mädchen würden „auf dem Markt verkauft“ oder verheiratet. Seither fehlt aber jede Spur von den Schülerinnen. Die Terrorgruppe, deren Name so viel wie „Westliche Erziehung ist Sünde“ bedeutet, verübt immer wieder schwere Anschläge vor allem im Norden Nigerias, wo die Gruppe einen Gottesstaat errichten will.

Die Polizei setzte am Mittwoch 50 Millionen nigerianische Naira (rund 223.000 Euro) für Hinweise zum Aufenthaltsort der Mädchen aus. Alle Nigerianer sollten sich verpflichtet fühlen, bei der Lösung des derzeitigen Sicherheitsproblems im Land zu helfen, teilte Polizeisprecher Frank Mba mit.

Internationale Hilfe

Das Weiße Haus kündigte an, ein Team zur Verfügung zu stellen. Es bestehe aus Militärangehörigen, Verhandlungsexperten für Geiselnahmen und Geheimdienstspezialisten, sagte Obamas Sprecher, Jay Carney. Laut dem Sender CNN übernahm das Pentagon die Planungen.

Auch Großbritannien will Nigeria mit einem kleinen Team von Beratern unterstützen. Die Experten, die den örtlichen Behörden bei der Planung und Zusammenarbeit helfen sollen, würden so bald wie möglich in die ehemalige britische Kolonie aufbrechen, teilte die Regierung in London mit. Auch Paris sagte Hilfe zu. Den nigerianischen Sicherheitskräften werde eine „mit allen Mitteln ausgerüstete Spezialeinheit“ zur Verfügung gestellt, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius.

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