Hoffnungen noch nicht erfüllt
In zwei Monaten startet die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Die großen Hoffnungen auf eine Ankurbelung der Wirtschaft haben sich bisher nicht erfüllt. Die als fußballbegeistert geltenden Brasilianer gehen zu Hunderttausenden gegen die WM auf die Straße.
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Bei den Massenprotesten, die seit mehreren Monaten immer wieder über das Land rollen, geht es aber nur am Rande um den Fußball. Die Demonstranten werfen der Regierung vor, Milliarden für die prestigeträchtige WM zu verschleudern und dabei andere Herausforderungen wie die Korruption in der öffentlichen Verwaltung und die wirtschaftliche Ungleichheit zu vernachlässigen. Auch bis zur WM dürfte es zu weiteren Protesten kommen: Während des Events sollen nun 150.000 Polizisten und Soldaten sowie 20.000 private Sicherheitskräfte die Mannschaften und Fans schützen.
Wirtschaftsmotor stottert
Der Missmut dürfte dadurch verstärkt worden sein, dass die wirtschaftliche Situation Brasiliens derzeit alles andere als rosig ist. Von der Ausrichtung der WM hatte sich die Regierung nicht zuletzt Wachstumsimpulse erhofft. Davon ist bis jetzt allerdings wenig zu spüren. Nachdem sich Brasiliens Wirtschaft relativ rasch von der Finanz- und Wirtschaftskrise erholt hatte, schrumpfte das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) 2012 auf 0,9 Prozent. Im vergangenen Sommer ging die Wirtschaftsleistung zeitweise sogar leicht zurück.
Über das gesamte Jahr 2013 reichte es immerhin noch für ein Wachstum von 2,5 Prozent. Die Zentralbank senkte jüngst ihre Prognose für das laufende Jahr und rechnet noch mit einer Zunahme des BIP von zwei Prozent. Für ein Schwellenland wie Brasilien ist das zu wenig, vor allem angesichts der enormen staatlichen Investitionen.
Kreditwürdigkeit gesenkt
Vergangene Woche senkte die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) die Kreditwürdigkeit des Landes von „BBB“ auf „BBB-“. Zwar sieht S&P Brasilien immer noch als sicheres Investitionsziel. Doch mit der Herabstufung liegt Brasilien nur noch eine Stufe über Ramschniveau, mit dem spekulative Anlagen gekennzeichnet werden. Das Finanzministerium reagierte prompt und wies die Entscheidung als „haltlos“ und „widersprüchlich“ zurück.
Binnenmarkt schwächelt
Die Agentur begründete den Schritt mit bestehenden Haushaltsrisiken und dem auch in den kommenden zwei Jahren zu erwarteten niedrigen Wirtschaftswachstum. Der Wirtschaftsboom in dem 200-Millionen-Einwohner-Land hatte sich in den vergangenen Jahren abgekühlt. 2010 wurden noch 7,5 Prozent Wachstum erreicht. Die Wirtschaft ist stark vom Binnenmarkt abhängig, der etwa 80 Prozent der BIP generiert. Wirtschaftsexperten sehen die weitere Entwicklung zurückhaltend.
Finanzminister kritisiert Entscheidung
Brasiliens Finanzminister Guido Mantega kritisierte die Herabstufung der Kreditwürdigkeit. In den Zeiten der 2008 begonnenen Finanzkrise habe das Land eine der stärksten Wachstumsraten unter den G-20-Ländern aufgewiesen, und 2013 sei das BIP um 2,3 Prozent gestiegen und damit stärker als in den meisten G-20-Ländern.
Zudem habe Brasilien 2013 einen primären Haushaltsüberschuss von 1,9 Prozent des BIP verzeichnet, was ausreichend gewesen sei, um die öffentliche Bruttoverschuldung von 58,8 auf 57,2 Prozent des BIP zu senken. Allerdings war der Vorjahresüberschuss der niedrigste seit 2002. Das Ministerium betonte zugleich, die Agentur schätze das Investitionsniveau in Brasilien weiter als „stabil“ ein.
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