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Einmal Athen und - im Herbst - retour

Schön, dass es die Zeitumstellung gibt - denn so hat man in einer Welt, in der nicht mehr alle Menschen am Vorabend dasselbe Fernsehprogramm gesehen haben, zumindest zweimal im Jahr ein Gesprächsthema für wirklich alle - und einen hervorragenden Grund zu jammern, der durch zeitgerecht gelieferte Neuigkeiten von Schlafforschern immer wieder Unterfutter bekommt.

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Heuer zum Beispiel lieferte der deutsche Sozialversicherungsträger DAK-Gesundheit wahrhaft alarmierende Neuigkeiten zum Thema Zeitumstellung: Demnach steigt das Risiko von Herzinfarkten nach der sommerlichen Zeitumstellung um ein Viertel. Im Kleingedruckten der Studie wird allerdings angemerkt, dass es dabei wohl um Menschen geht, die ohnehin unter konstantem Schlafmangel leiden und bei denen dementsprechend eine Stunde weniger Schlaf tatsächlich ins Gewicht fällt.

Wenn Jammern nur Jammern ist

Alle anderen, die über die beginnende Sommerzeit jammern, tun laut Meinung der meisten Experten allerdings nur das - nämlich jammern. Anders ließe es sich wohl nicht erklären, dass oft genau die Menschen, die sich maßlos über eine verlorene Stunde beschweren, zur Urlaubszeit gern per Langstreckenflug in die Ferne jetten - und dort in den allerwenigsten Fällen leidend dahinvegetieren. Denn aus physiologischer Sicht wirkt sich der Beginn der Sommerzeit nicht anders als der Sprung über eine Zeitzone aus.

Die Zeitumstellung in der Nacht auf Sonntag ist also ein kleiner Jetlag von einer Stunde wie bei einem Flug nach Griechenland oder Finnland. Schlafforscher Bernd Saletu gibt dabei als Faustregel vor: Pro Zeitzone (eine Stunde Zeitsprung) benötigt man einen Tag, um sich umzustellen. Also sollte es durch die Sommerzeit keine größeren Probleme geben. Auch Saletu sieht bei denen, die durch die Zeitumstellung wirklich aus dem Tritt kommen, eher chronischen Schlafmangel als Grund.

Stunde nicht gestohlen, sondern nur geborgt

63 Prozent der Österreicher sollten entsprechend ihrem Bedürfnis sieben, acht Stunden täglich schlafen. Die anderen brauchen entweder mehr oder weniger. In dieser Frage gibt es jedoch einen Geschlechterunterschied: Frauen „benötigen eine Stunde mehr als Männer und wollen noch eine zusätzliche“, so Saletu. Verantwortlich dafür sind hormonelle Unterschiede und der weibliche Zyklus. Auch Jugendliche können es durch ihren wachstumsbedingt ohnehin belasteten Organismus schwerer haben.

Auch wenn des Öfteren über die Sommerzeit gegrantelt wird, bei den meisten Österreichern ist sie beliebt. Nicht einmal 20 Prozent sehen laut einer market-Umfrage (2011) nur Nachteile darin, dass am Sonntag um 2.00 Uhr die Zeiger auf 3.00 Uhr gesprungen sind. Am 26. Oktober werden die 60 Minuten ohnehin bei Rückkehr zur Normalzeit - eine „Winterzeit“ gibt es nicht - „zurückgezahlt“. Bis dahin ist es am Abend eine Stunde länger hell.

1916 gab es Wichtigeres

Eingeführt wurde die Sommerzeit 1973 in Europa anlässlich der Ölkrise und mit dem Hintergrund, Energie zu sparen. Mit der Zeitverschiebung sollte eine Stunde Tageslicht für Unternehmen und Haushalte gewonnen werden. Frankreich machte damals den Anfang. Österreich beschloss die Einführung erst 1979 wegen verwaltungstechnischer Probleme und weil man eine verkehrstechnische Harmonisierung mit der Schweiz und Deutschland wünschte, die auch erst 1980 bei der Zeitumstellung mitmachten.

Allerdings gab es in Österreich - neben entsprechenden Regeln von 1940 bis 1948 - bereits einmal Sommerzeit. 1916 galt sie für die Monarchie erstmals von 1. Mai bis 30. September, wurde aber bis 1920 sukzessive wieder eingestellt. Ein Blick in das Zeitungsarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek (Austrian Newspapers Online, ANNO) beweist: Von der Zeitumstellung wurde damals kaum Notiz genommen. Sie wurde nur sachlich im Hinblick auf Fahrplanänderungen im kaiserlich-königlichen Bahn- und Schiffsverkehr abgehandelt. Zu jammern gab es damals auch genügend anderes.

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