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Herman Beil als „ehrenamtlicher Berater“

Karin Bergmann übernimmt nach der fristlosen Entlassung von Matthias Hartmann in der Vorwoche interimistisch die Führung des Wiener Burgtheaters. Diese Entscheidung präsentierte Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) am Mittwoch gemeinsam mit dem neuen Burg-Aufsichtsratschef Christian Strasser. Hermann Beil wird als „ehrenamtlicher Berater“ fungieren.

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Die gebürtige Deutsche Karin Bergmann war unter dem einstigen Burgtheater-Direktor Claus Peymann nach Wien gekommen und über zwei Jahrzehnte am Haus tätig. 1999 wurde Bergmann Stellvertreterin von Direktor Klaus Bachler und zeichnete 2008, als dieser ein Jahr vor Vertragsende die Bayerische Staatsoper übernahm, hauptsächlich für den Betrieb verantwortlich. 2010 ging sie nach der ersten Saison als Kodirektorin Hartmanns in Pension.

Karin Bergmann und Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ)

APA/Roland Schlager

Die neue Burg-Chefin Karin Bergmann und Kulturminister Josef Ostermayer

Beil langjähriger Peymann-Vertrauter

Der gebürtige Wiener Beil war einst mit seinem langjährigen Vertrauten Peymann ans Burgtheater gekommen. Der heute 72-Jährige fungierte an der Burg als Kodirektor, bevor er mit Peymann 1999 nach Berlin wechselte. Bergmann erbt keinen leichten Job: den Betrieb des Hauses aufrechterhalten und bis zur Übernahme einer neuen Direktion garantieren, eine Menge Scherben aufräumen, um am Ende dem Nachfolger das Feld zu bestellen. Wie lange die Übergangszeit dauern wird, ist unklar.

Hermann Beil und Claus Peymann

APA/Roland Schlager

Hermann Beil und Claus Peymann Ende 2002 nach einer Lesung im ORF-Radiokulturhaus

Ostermayer: Ensemble reagierte positiv

Bergmann wird voraussichtlich bis zum 30. August 2016 das Amt als interimistische Direktorin des Burgtheaters innehaben. „Frau Bergmann muss eine Chance haben, ihre Funktion über eine bestimmte Zeit wahrzunehmen“, so Ostermayer. Bergmann möchte, dass es bald wieder „um andere Dinge geht, wenn man an die Burg denkt“.

Das Ensemble, dem Ostermayer seine Entscheidung vor der Pressekonferenz mitgeteilt hatte, habe äußerst positiv reagiert: „Wie ich mit Frau Bergmann auf die Bühne gegangen bin, hat es tosenden Applaus gegeben.“ Klar sei bei Karin Bergmann jedenfalls: „Wir haben jemanden gefunden, der alle Kriterien erfüllt.“ Sie verfüge über organisatorische Fähigkeiten und müsse nun die „gewisse Kluft, die es im Ensemble gibt, kitten“.

Bergmann sieht sich als „Gestalterin“

Bergmann, die bereits „viele Ideen“ hat, will diese zunächst mit den Mitarbeitern besprechen, ließ jedoch verlauten, dass sie sich „als Gestalterin“ empfinde. So wolle sie im Angesicht der Krise „Kunst- und Sponsoringprojekte“ entwickeln.

Für Ostermayer wäre es die „Idealvariante gewesen, dass man viel Zeit und Vorlauf hat, um eine Ausschreibung vorzubereiten. Aber wir stehen jetzt in einer Situation, wo es die Zeit nicht gegeben hat.“ Die Ausschreibung für die reguläre Direktion werde in den kommenden Wochen erfolgen, im Herbst hofft er, das Ergebnis präsentieren zu können.

Strasser: Burg „brennt nach wie vor hell lodernd“

Auch Strasser zeigte sich nach der Bestellung Bergmanns erleichtert: „In diesen schwierigen Zeiten merkt man, auf wen man zählen kann.“ Die Burg stecke in einer „Finanz- als auch Vertrauenskrise - nach innen und außen“ - und „brennt nach wie vor hell lodernd“. Bis Ende des Jahres hoffe er auf „Brand aus. Und Garantin dafür ist Frau Bergmann.“

Nun gehe es darum, „das Burgtheater wieder in die richtigen Schlagzeilen zu bringen“. Ostermayer dankte Strasser: „Es ist nicht selbstverständlich, dass der Eigentümer auch in schwierigen Zeiten zur Burg hält“, so Strasser. Ostermayer habe „die richtige Entscheidung schnell getroffen. Diese Basis ermöglicht uns, die Geschichte schonungslos aufzuarbeiten und Problembereiche wirklich abzuarbeiten.“

SPÖ: Exzellenter Ruf

Auch die SPÖ ist erfreut. „Zum ersten Mal in der 250-jährigen Geschichte des Wiener Burgtheaters wird mit Karin Bergmann eine Frau mit der künstlerischen Leitung des Burgtheaters betraut“, so SPÖ-Kultursprecherin Elisabeth Hakel und SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm. Bergmann sei eine der erfahrensten Theaterfrauen im deutschsprachigen Raum und habe auch im Ensemble einen exzellenten Ruf, so Hakel am Mittwoch in einer Aussendung.

Bergmann sei die richtige Frau, um das Burgtheater wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen. „Denn das Burgtheater soll künftig wieder mit seinen hervorragenden künstlerischen Leistungen in die Schlagzeilen und nicht mit seiner finanziellen Gebarung“, so Hakel.

ÖVP zuversichtlich

Auch in der ÖVP nimmt man die Entscheidung positiv auf. ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter gratulierte Bergmann und wünschte ihr alles Gute. „Die Aufgabe, die Bergmann übernommen hat, wird nicht leicht zu bewältigen sein, zumal sie keine Einarbeitungszeit haben wird, sondern die Probleme so rasch wie möglich lösen muss“, so Fekter. Fekter zeigte sich aber „zuversichtlich, dass die erfahrene Theaterfrau Bergmann die entstandene Kluft zwischen Ensemble und Führung des Hauses rasch überbrücken wird und ein Vakuum im Spielbetrieb verhindern kann.“

Grüne: Pragmatische Lösung

Begeistert von der Bestellung Bergmanns sind auch die Grünen. „Die Bestellung von Karin Bergmann zur interimistischen Direktorin ist eine pragmatische, aber gerade deshalb wohl die beste Lösung“, so der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl.

„Hinsichtlich der Vergangenheit und der Zukunft des Hauses sind nach wie vor viele Fragen ungeklärt“, so Zinggl. „Ich hoffe, dass mit dieser Personalentscheidung mehr Transparenz, Offenheit und geordnete Verhältnisse am Burgtheater einkehren.“

Undurchsichtige Finanzen im Visier

Seit der im November 2013 erfolgten Entlassung der Burgtheater-Vizedirektorin Silvia Stantejsky wegen Vorwürfen bezüglich ihrer Tätigkeit als Künstlerische Geschäftsführerin von 2008 bis 2013 versucht man am Burgtheater, unterstützt von Prüfungsunternehmen und Anwaltskanzleien, Klarheit in die offenbar höchst undurchsichtige Finanzgebarung des Hauses zu bringen. Auch die Staatsanwaltschaft, die Steuerbehörden und der Rechnungshof sind mit der Causa befasst, die am 11. März schließlich zur Entlassung des Künstlerischen Geschäftsführers Hartmann führte.

Spezialist soll sich Überblick verschaffen

Die Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftskriminalität und Korruption (WKStA) hat die Prüfung der strafrechtlichen Komponente übernommen. Auf Basis mehrerer Anzeigen bzw. Sachverhaltsdarstellungen, die ursprünglich bei der Staatsanwaltschaft Wien eingegangen sind, soll sich zunächst ein auf Wirtschaftsstrafsachen spezialisierter Staatsanwalt mit Hilfe beigezogener Experten einen Überblick über die Sachlage verschaffen und die buchhalterischen Vorgänge an der Burg sichten.

Diese Überprüfung dürfte sich „tiefgründig“ gestalten, meinte WKStA-Sprecher Erich Mayer am Freitag gegenüber der APA. Immerhin steht eine ganze Reihe möglicher strafrechtlicher Vergehen im Raum. Die Entscheidung, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, sollte laut Mayer „in einigen Tagen, wenigen Wochen“ fallen. Wie der Behördensprecher betonte, gibt es ungeachtet der Namen, die in den Eingaben an die Strafverfolgungsbehörden genannt werden, aus Sicht der WKStA derzeit noch keine konkreten Verdächtigen und damit naturgemäß auch keine Beschuldigten.

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