„Wüsste nicht, wovon ich zurücktreten sollte“
Die Entlassung von Burg-Chef Matthias Hartmann war am Donnerstag Gegenstand der Debatten im Kulturausschuss des Nationalrats. Es ging um die Mitverantwortung von Aufsichtsrat, Bundestheater-Holding und Prüforganen an der entstandenen Situation.
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„Ich wüsste nicht, wovon ich zurücktreten sollte“, erklärte Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer im Kulturausschuss zur Finanzaffäre des Burgtheaters. Er wolle sich „von dem, was ich aufgebaut habe, in aufrechtem Gang zurückziehen“.
„Ich ärgere mich jeden Tag darüber, dass wir nicht früher draufgekommen sind, ob Sie es glauben oder nicht. Aber ich glaube, dass es nicht möglich war, früher draufzukommen“, sagte Springer. „Wir sind hintergangen worden“, man habe „jetzt daraus gelernt“. Er halte die Holding weiterhin für „die beste aller Organisationsformen. Ich weiß keine bessere“, so der Holding-Chef.
Debatte über Mitverantwortung an Finanzdebakel
Im Zentrum der Debatte stand die Mitverantwortung von Aufsichtsrat, Bundestheater-Holding und Prüforganen an der entstandenen Situation, die zur Entlassung von Vizedirektorin Silvia Stantejsky und des künstlerischen Geschäftsführers Matthias Hartmann sowie zu einem möglichen Jahresverlust in der Bilanz 2012/13 von 8,3 Mio. Euro und möglichen Steuernachzahlungen von weiteren fünf Mio. Euro führte.
„Wenn wir das hinter uns haben, werden wir auch über die Struktur nachdenken müssen“, erklärte Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) im Kulturausschuss zu Fragen der Holding-Mitverantwortung für die Finanzmisere am Burgtheater. Der Minister ließ keinen Zweifel daran, dass Springer sein Vertrauen genieße.
Einen zweiten Fall Burgtheater schließt Ostermayer aus. Grund zur Annahme, dass auch in Volksoper und Staatsoper plötzlich unvorhergesehene Probleme auftreten könnten, habe er nicht. Die dortigen kaufmännischen und künstlerischen Geschäftsführungen hätten ihm versichert, eng miteinander zusammenzuarbeiten.
Gutachten bleiben geheim
Die beiden Gutachten, die zur Entlassung Hartmanns geführt haben, blieben geheim, erklärte Ostermayer auf eine Frage des Grünen-Kultursprechers Wolfgang Zinggl: „Es wäre geradezu absurd, unsere Rechtsgutachten zu veröffentlichen und damit einem allfälligen Prozessgegner der Republik zur Verfügung zu stellen.“ In den Gutachten sei auch eine Risikoabschätzung betreffend die von Hartmann bereits angekündigte arbeitsgerichtliche Klage enthalten: „Das Ergebnis ist, dass wir sehr gute Chancen haben.“ Aufgrund der Organverantwortung stünden aber auch umgekehrt Schadenersatzansprüche im Raum.
ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter kritisierte unter anderem das „Mega-Körberl-Geld“, das sich Direktor Hartmann verschafft habe, nannte die „Steuerhinterziehungen“ im Burgtheater „vorsätzlich“, wies auf laufende Überschreitungen der vom Aufsichtsrat genehmigten Produktionsvolumina und angeblich derzeit noch in den Burgtheater-Bilanzen aktivierte Produktionskosten von insgesamt 26 Mio. Euro hin: „Wer garantiert uns, dass uns in der Bilanz 2013 nicht eine neuerliche böse Überraschung droht?“
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