Einnahmequelle am Versiegen
Die vom Tourismus abhängigen Unternehmen auf der Krim schauen immer besorgter auf die politische Krise. „Die Gäste haben praktisch alle Buchungen für den Sommer storniert“, sagte Alexej Woloschin, Direktor des Hotels Villa Elena in Jalta, der APA. Schon jetzt habe das Fünfsternhaus die Hälfte seiner Mitarbeiter - im März üblicherweise rund 170 - vorübergehend entlassen müssen.
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Der Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen der Halbinsel. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben des zuständigen Ministeriums der Autonomen Republik 5,9 Millionen Gäste, etwa vier Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Einnahmen aus diesem Geschäft sind schwer zu schätzen, weil die Mehrzahl der Besucher in Privatpensionen unterkommt, die keine Buchführung unterhalten und keine Steuern bezahlen, wie der ehemalige Tourismusminister Alexander Lijew zum Abschluss des vergangenen Jahres der Zeitung „Segodnja“ sagte.
Krim-Führung gibt sich nicht besorgt
Die offiziellen Steuereinnahmen der Halbinsel betrugen 2013 etwa 542 Millionen Griwna (42 Mio. Euro). Die moskautreue Krim-Regierung, die von der Ukraine nicht anerkannt wird, hält die Situation bisher für nicht dramatisch. Ihre Experten rechneten heuer mit einem Rückgang des Umsatzes von 20 Prozent, erklärte die Pressesprecherin des Tourismusministeriums Galina Amarando gegenüber Journalisten.
Die Aussagen russischer Reiseagenturen lassen diese Angabe als zu optimistisch erscheinen. „Wir haben in den vergangenen Tagen keine einzige Reise in die Ukraine mehr verkauft“, sagte der Direktor der Agentur „Delfin“ der Zeitung „Segodnja“ nun.
Anstieg von West-Urlaubern in letzten Jahren
Betroffen sind auch kleine Unternehmen auf der Krim. Er rechne damit, mit seinem Geschäftszweig „Event-Tourismus“ heuer gar keinen Umsatz zu machen, sagte Eskender Ametow, Inhaber einer kleinen Reiseagentur in Jalta, der APA. Die Angebote von Ametow sind auf westliche Touristen gemünzt - Ausflüge zu ehemaligen Militärobjekten der Sowjetarmee etwa - und diese dürften kaum in das Krisengebiet reisen.
Aber auch bei den großen Hotels stieg die Zahl von Touristen aus der EU und den USA in den vergangenen Jahren an - durch höhere Standards und den Werbeeffekt der Fußball-Europameisterschaft 2012. Im Hotel „Villa Elena“ machten sie zuletzt 15 Prozent aus.
Böse Erinnerungen an Abchasien
Ungewiss ist auch die weitere Zukunft des Krim-Tourismus. „Wir haben das Beispiel Abchasien vor Augen“, sagte Hotelmanager Alexej Woloschin. Diese Region am Schwarzen Meer sei in der Sowjetunion sogar beliebter gewesen als die Krim - wegen des noch milderen Klimas und der stärker subtropisch geprägten Vegetation. Doch durch den russisch-georgischen Konflikt um Abchasien, der sich in den 1990er Jahren entspann, sei der Tourismus dort bis heute fast völlig zusammengebrochen, so Woloschin.
Für sehr wahrscheinlich halten Experten, dass die Touristen aus der Ukraine, die im vergangenen Jahr nach Angaben der Krim-Regierung 52 Prozent ausmachten, künftig weitgehend ausbleiben dürften. 40 Prozent der Besucher kamen aus Russland.
Neuer Konkurrenzkampf mit Sotschi
Ein Hoffnungsschimmer für die Krim sind Kurgäste aus Russland. Die russische Krankenkasse finanziere nur in Ausnahmefällen Aufenthalte außerhalb des Landes, sagte die Wirtschaftsjournalistin der Zeitung „Krymskoe Echo“, Olga Fomina, der APA. Wenn Russland die Krim bald als ihr Territorium betrachte, dann könnten künftig auch im Winter russische Gäste in die dortigen Sanatorien reisen.
„Das würde der Krim sehr helfen, denn bisher ist die Auslastung im Winter sehr schlecht“, so Fomina. Allerdings steht der Halbinsel hier ein schwerer Konkurrenzkampf mit anderen russischen Erholungsgebieten ins Haus, insbesondere mit dem Gebiet Sotschi, das seinen Standard durch die jüngsten Olympischen Winterspiele deutlich steigern konnte.
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