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Teurer Abschied vom „Hotel Mama“

So verschieden die Euro-Länder und ihre konkreten Probleme seit der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 auch sind - es gibt einige Gemeinsamkeiten: hohe Arbeitslosigkeit, Druck auf die Löhne, Sparprogramme. Vor allem für junge Menschen wurde der Start in die Selbstständigkeit schwieriger, wie Daten aus Euro- und Nicht-Euro-Ländern zeigen.

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Dass junge Menschen etwa häufiger und länger als früher im oft zitierten „Hotel Mama“ wohnen, liegt sicher nicht (nur) daran, dass es vor allem für die „Nesthocker“ praktisch ist. Vor allem hat der „Mammismo“ nicht nur in Italien handfeste wirtschaftliche Gründe. Laut jüngsten Daten leben dort 61 Prozent aller Unverheirateten unter 35 Jahren mit mindestens einem Elternteil zusammen. In absoluten Zahlen sind das rund sieben Millionen 25- bis 34-Jährige, hieß es am Montag von Statistikamt Istat.

Die Ursachen seien Wirtschaftskrise, unsichere Arbeitsverhältnisse oder überhaupt Arbeitslosigkeit und teure Wohnungen. Gegenüber 2011 bedeute der Wert einen Anstieg um zwei Prozent. Vor allem im wirtschaftlich benachteiligten Süden des Landes ist die Zahl der noch bei den Eltern lebenden Jungen hoch, geht aus den Daten des nationalen Statistikamts in Rom hervor.

Situation in Krisenländern besonders prekär

Trotz Anzeichen einer langsamen Erholung ist die soziale Lage in Italien an sich nach wie vor prekär: Fast 30 Prozent aller Italiener seien im Jahr 2011 von Armut bedroht gewesen, hieß es in einer Statistik von 2012 - um über fünf Prozent mehr als im europäischen Durchschnitt. Familien in Süditalien verdienten durchschnittlich um ein Drittel weniger als im Norden. Das durchschnittlich verfügbare Einkommen betrug 2011 rund 24.600 Euro pro Jahr, in Süditalien lag es über 4.000 Euro darunter.

Zum Vergleich: Für Österreich machte der Wert 2012 laut EU-SILC-Erhebung fast 33.000 Euro aus. Im Krisenland Griechenland beträgt der Anteil der akut von Armut gefährdeten Menschen deutlich über 30 Prozent.

Von Berlin bis Barcelona: „Nesthocker“ wider Willen

Das Phänomen „Hotel Mama“ ist aber keineswegs auf Italien beschränkt: Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) hatte schon Mitte 2012 unter dem Titel „Hotel Mama und die Euro-Krise“ davon berichtet, dass 42 Prozent der männlichen Spanier zwischen 25 und 34 Jahren bei den Eltern wohnten. In Griechenland seien es sogar über 60 Prozent, so die „FAZ“ damals unter Berufung auf Daten des deutschen Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB).

2011 berichtete das deutsche Statistische Bundesamt in Wiesbaden von einem Wert von 64 Prozent (unter den 18- bis 24-Jährigen) in Deutschland. Der Anteil unter jungen Männern lag bei 71 Prozent. Zu Österreich hieß es in einer Erhebung des Marktforschungsinstituts Innofact aus dem Vorjahr, dass beinahe jeder Dritte zwischen 18 und 29 Jahren noch im „Hotel Mama“ wohne. Frauen hätten es dabei in der Regel mit dem Ausziehen keineswegs eiliger als Männer.

Junge Briten hoch verschuldet

Setzen jungen Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, so führe das sehr oft direkt in die Verschuldung, berichtete der „Guardian“ am Montag anhand jüngster Daten aus dem Nicht-Euro-Land Großbritannien. Personen zwischen 20 und 30 Jahren stünden oft einfach vor der Wahl, „ihre Bedürfnisse zurückzufahren oder einen substanziellen Berg an Schulden“ anzuhäufen. Ältere Menschen seien in einer weniger prekären Einkommenssituation.

Die genauen Ergebnisse der Erhebung des Politik-Thinktanks Demos sollen laut der britischen Tageszeitung im März veröffentlicht werden. Nach einigen Gründen für diese Entwicklung muss man allerdings - ob in Großbritannien oder anderswo - nicht lange suchen: Die Arbeitslosenzahl ist hoch, damit steigt der Druck auf die (Einstiegs-)Gehälter, es bleibt wenig zum Ansparen übrig.

„Post-Babyboomer“ als Verlierer

In der Demos-Umfrage hätten mehr als 50 Prozent der Beteiligten im Alter zwischen 18 und 24 Jahren angegeben, dass ihre Schulden in den letzten fünf Jahren gestiegen seien. In der Altersgruppe 25 bis 34 seien es 48 Prozent gewesen, bei den über 65-Jährigen dagegen „nur“ 13 Prozent. Bei Kreditrückzahlungen verhalte es sich in etwa umgekehrt - kurz: Die Jungen müssen auf Pump investieren, während die Älteren ihre Investitionen bereits hinter sich haben, eventuell auch noch in wirtschaftlich etwas einfacheren Zeiten.

Das britische Institute for Fiscal Studies (IFS) habe bereits im Vorjahr davor gewarnt, dass erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg im Generationenabstand die Privatvermögen schrumpften. Die „unmittelbare-Post-Babyboom-Generation“, geboren zwischen 1960 und 1970, werde es auch später schwieriger haben, da die Pensionen wohl deutlich unter dem heutigen Niveau liegen würden. Noch ernster sei die Situation für in den 90er Jahren Geborenen. Sie stünden teils schon kräftig in der Kreide.

Mit 60.000 Euro und mehr in der Kreide

In Großbritannien betrage der ständige Schuldenstand bei den Jungen - von der Kreditkarte bis zur offenen Miete - meist um die 2.000 Pfund (rund 2.400 Euro). Bei fast einem Fünftel der 18- bis 24-Jährigen sieht es allerdings schon ernster aus: Diese hätten Verbindlichkeiten von 50.000 Pfund (über 61.000 Euro) offen. Bei den 25- bis 34-Jährigen beläuft sich der Anteil auf 22 Prozent.

Tatsächlich nicht nur Junge betroffen

Das Prekäre daran: Oft ist das geborgte Geld laut „Guardian“ nicht eine wirkliche Zukunftsinvestition. Meist gehe es schon für „Basisbedürfnisse“ und unerwartete Rechnungen drauf. Unter „Zukunftsinvestition“ fallen dagegen etwa Ausbildungskosten. Auch die Ausbildung werde immer öfter auf Kredit finanziert, so der Leiter der Demos-Studie, Jo Salter. Kosten für Wohnen und Co. seien außerdem „höher denn je“. Zumindest Punkt zwei trifft zu 100 Prozent auch auf Österreich zu. Mit Ausbildung, eigener Wohnung, Familiengründung etc. füllt sich der sprichwörtliche „Schuldenrucksack“.

Trotzdem sind nicht nur junge Menschen von Verschuldung bis hin zu Armut betroffen. In mehreren Krisenländern wurden auch Gehälter im Öffentlichen Dienst und Pensionen stark gekürzt. Das gilt nicht nur für Griechenland und Spanien, wo die Arbeitslosenraten mittlerweile fast 28 bzw. 26 Prozent betragen, sondern auch für Portugal. Dort wurden staatliche Pensionsbezüge über 600 Euro um zehn Prozent gekürzt.

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