Mord an Demonstranten - türkische Polizisten vor Gericht

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In der Türkei hat ein Mordprozess gegen mehrere Polizisten wegen des Todes eines Demonstranten bei den Gezi-Unruhen im vergangenen Jahr begonnen. In dem Verfahren im zentralanatolischen Kayseri wirft die Anklage vier Polizisten und vier Zivilisten vor, den 19-jährigen Studenten Ali Ismail Korkmaz zu Tode geprügelt zu haben. Den Hauptbeschuldigten drohen lebenslange Haftstrafen. Der Prozessauftakt wurde von einem Großaufgebot der Polizei begleitet.

Der Student Korkmaz hatte am 2. Juni in der westtürkischen Universitätsstadt Eskisehir an einer regierungskritischen Kundgebung zur Unterstützung der Gezi-Proteste teilgenommen. Die Proteste weiteten sich zu einer landesweiten Welle aus, in deren Verlauf sechs Menschen starben und mehrere tausend verletzt wurden. Kritiker im In- und Ausland warfen der türkischen Polizei übertriebene Härte vor.

In Eskisehir war Korkmaz nach einem Polizeieinsatz gegen die Demonstration von mehreren Männern mit Knüppeln brutal zusammengeschlagen worden, wie Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen. „Da haben wir aber gut Stress abgebaut“, sagten die Polizisten laut Zeugenaussagen nach den Schlägen, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. Nach 38 Tagen im Koma erlag Korkmaz seinen Verletzungen.

Prozess verlegt

Der Prozess war aus Eskisehir nach Kayseri verlegt worden, um Proteste gegen das Verfahren und die Angeklagten auszuschließen. Rund 2.000 Polizisten waren im Einsatz, um Kundgebungen zu verhindern. Bei Kontrollen auf den Zufahrtstraßen wurden Busse mit Demonstranten gestoppt. In einigem Abstand zum Gebäude versammelten sich trotzdem mehrere hundert Menschen zu einer Kundgebung.

Oppositionspolitiker, die zur Beobachtung des Verfahrens nach Kayseri gekommen waren, kritisierten die Verlegung des Prozesses nach Zentralanatolien als Versuch der Behörden, „die Mörder zu schützen“.