Massiver Anstieg bei Langzeitarbeitslosen
Behinderte Menschen, Langzeitarbeitslose, Personen über 50 und junge Lehrstellensuchende - sie sind die Verlierer auf dem Arbeitsmarkt, wie die aktuelle Arbeitslosenstatistik zeigt. Im Jänner 2014 waren 449.668 Personen auf Jobsuche. 369.837 waren arbeitslos gemeldet, 79.831 waren in Schulung. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum waren um 9,5 Prozent mehr Frauen und Männer ohne Job.
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Bei Langzeitarbeitslosen gab es einen Zuwachs von 39,5 Prozent, bei Personen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung ein Plus von 29,7 Prozent. Schwer haben es auch Behinderte (plus 27,7 Prozent), Ältere über 50 Jahre (plus 20,4 Prozent) und Ausländer (plus 15,3 Prozent). 91.000 Personen ohne österreichischer Staatsbürgerschaft sind arbeitslos.
Lehrstellenlücke immer größer
Die Zahlen des Sozialministeriums zeigen außerdem eine immer größer werdende Lehrstellenlücke. Während die Zahl der Lehrstellensuchenden im Jänner 2014 um 7,2 Prozent auf 5.544 Jugendliche zugenommen hat, sank die Zahl der offenen Lehrstellen um 15,5 Prozent. Somit hat die Lehrstellenlücke um 833 Personen innerhalb eines Jahres zugenommen. Insgesamt gab es bei Jugendlichen (15 bis 24 Jahren) um 3,5 Prozent mehr Jobsuchende.
Insgesamt lag die Arbeitslosenquote bei 4,9 Prozent, teilte das Sozialministerium mit. Im Gesamtjahr 2013 wurde die zweithöchste Arbeitslosenquote in der Zweiten Republik verzeichnet. Sie lag bei 7,6 Prozent, im Schnitt waren 360.723 Personen ohne Job. Außerdem befanden sich 66.864 Personen in Schulungen.
Frauen stärker betroffen
Steigend ist auch die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit. Sie stieg im Jahresvergleich um zwei Tage auf mittlerweile 95 Tage. Bei Männern und Frauen gibt es einen signifikanten Unterschied: Während die Männerarbeitslosigkeit um 7,8 Prozent zulegte, gab es bei den Frauen ein Plus von 12,1 Prozent. Schwierig ist es auch für Ausländer. Hier suchen 91.000 einen Job, um 15,3 Prozent mehr als im Jänner 2013.
Nach Branchen gab es den höchsten Zuwachs einmal mehr in den Gesundheitsberufen (plus 14,7 Prozent), gefolgt vom Handel (plus 13,1 Prozent) und dem Tourismus (plus 12,9 Prozent). Trotz Tourismushauptsaison gab es etwa in Tirol den höchsten Anstieg bei den Arbeitslosenzahlen (plus 13,9 Prozent). Den geringsten Zuwachs verzeichnete das Burgenland mit 3,6 Prozent. Dramatisch ist die Zunahme der Jobsuche bei Personen mit gesundheitlicher Vermittlungseinschränkung (plus 29,7 Prozent) sowie bei den Langzeitarbeitslosen (plus 39,5 Prozent).
Hundstorfer: Im Sommer wird es besser
Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) betonte in einer Aussendung am Montag, dass Österreich im EU-Vergleich noch immer ein „Musterland“ sei. Bis zum Sommer werde die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) betreuten Personen saisonbedingt um 120.000 zurückgehen.
Dass die Liberalisierung des Arbeitsmarktes für Personen aus Bulgarien und Rumänien Anfang 2014 wesentliche Auswirkungen auf die Arbeitslosenzahlen hat, dementierte Hundstorfer. „Der Bestand der Personen ohne österreichischem Pass steigt zwar vor allem branchen- und saisonbedingt mit 15,3 Prozent etwas stärker als der Durchschnitt, in den Monaten vor der Öffnung lag die Entwicklung mit Werten von jeweils mehr als 18 Prozent jedoch noch deutlich höher“, so der Minister.
FPÖ wettert gegen „billige Ostarbeitskräfte“
In diese Kerbe schlägt die FPÖ in einer ersten Reaktion - man rechne damit, dass die Arbeitslosenzahl bald von knapp 450.000 auf 500.000 ansteige. Als Mittel dagegen fordert der Bundesobmann der Freiheitlichen Arbeitnehmer, Bernhard Rösch, einen Stopp des „Importes billiger Ostarbeitskräfte“.
Für die ÖVP fehlen trotz mehr Menschen in Beschäftigung als je zuvor „dringend Impulse für neue Jobs“, so ÖVP-Budgetsprecherin Gabriele Tamandl. Tamandl verweist auf das Regierungsprogramm. „In den Jahren 2014 und 2015 werden jeweils 100 Millionen Euro für Offensivmaßnahmen bereitgestellt – so werden die heimischen Unternehmen gestärkt und die Entstehung von guten, neuen Arbeitsplätze maßgeblich gefördert“, so Tamandl.
Kritik von Grünen
Die Grünen fordern mehr Investitionen in den Arbeitsmarkt. Bedarf an Arbeitskräften gebe es genug, so Birgit Schatz, Arbeitnehmersprecherin der Grünen - etwa in Schule, Ausbildung, Pflege und Betreuung von kranken, älteren und Menschen mit Behinderung. Einmal mehr kritisierten die Grünen die „Handlungsunfähigkeit“ der Regierung und fordern einen öffentlichen Arbeitsmarktgipfel.
Die Gewerkschaft hingegen sieht die Wirtschaft säumig. „Regelmäßig setzen Firmen Hunderte und Tausende Beschäftigte auf die Straße - nicht, weil sie Verluste schreiben, sondern nur, um noch mehr Gewinn zu machen“, so Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB. Dem kann wiederum die Industriellenvereinigung (IV) nichts abgewinnen. Vielmehr sieht sie die Regierung gefordert. „Die von der Regierung geplanten Schritte zur Modernisierung im Arbeitszeitrecht - wie insbesondere praxisgerechtere Höchstarbeitszeitgrenzen - müssen unverzüglich umgesetzt werden“, betont Vizegeneralsekretär Peter Koren.
Ein Bonus-Malus-System für die Beschäftigung älterer Personen lehnt die Industriellenvereinigung ab, was wiederum die Arbeiterkammer (AK) nicht versteht. „Das angekündigte Bonus-Malus-Modell muss ohne Verzögerungen kommen. Wer zu wenig Ältere beschäftigt, soll zahlen“, fordert AK-Präsident Rudolf Kaske.
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