Untergang dauerte fünf Stunden
Das wohl bekannteste Geisterschiff in der Geschichte war die „Mary Celeste“. Das Segelschiff wurde 1872 zwischen Portugal und den Azoren verlassen aufgefunden. Das Schicksal der Mannschaft konnte nie geklärt werden. Mit einem anderen Geisterschiff machte 2012 die US-Küstenwache kurzen Prozess.
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Sie versenkte vor Alaska ein japanisches Fischereischiff, das seit dem verheerenden Tsunami 2011 führerlos über den Pazifik trieb. Die Küstenwache eröffnete mit Maschinengewehren das Feuer auf das Geisterschiff, bis es in Brand geriet. Die „Ryon-Un Maru“ bekam schließlich Schlagseite und ging nach einer weiteren Salve unter. Die ganze Aktion dauerte fast fünf Stunden. „Das Schiff ist gesunken und stellt kein Navigationshindernis mehr dar“, sagte der Küstenwachenunteroffizier Kip Wadlow der Nachrichtenagentur Reuters.

AP/U.S. Coast Guard, Petty Officer 2nd Class Charly Hengen
Das Schiff wurde in Brand geschossen
Fast unbeschadet über den Ozean
Das Schiff wurde bis zur Sichtung seit dem Tsunami vom 11. März 2011 vermisst, wie japanische Behörden bestätigten. Das Schiff muss in den gut zwölf Monaten nach der Katastrophe in Japan allein über den größten Ozean der Erde gedriftet sein. Auf den fast 8.000 Kilometern sei es dann mit etwa einem Kilometer pro Stunde unterwegs gewesen und habe unbemannt Stürme und Wellenbrecher überstanden.
Der Trawler hatte die Schifffahrt in der Region gefährdet, da er auf wichtigen Verbindungsrouten für Frachtschiffe zwischen Nordamerika und Asien umhertrieb. Die „Ryon-Un Maru“ mit bis zu 8.000 Liter Dieselöl gehörte zu den schätzungsweise rund 1,5 Millionen Tonnen Schrott, die nach dem Erdbeben und Tsunami in Japan im März 2011 in den Pazifik gespült worden waren.
Beste Methode laut Experten
Experten schätzten das Versenken des Schiffs als beste Methode ein, des potenziell gefährlichen Treibstoffes an Bord Herr zu werden. Auf diese Weise sollte sich dieser schnell verflüchtigen, sagte der Sprecher der Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA (NOAA). Der japanischer Eigentümer hatte erklärt, er habe nicht vor, das Schiff vom Meeresboden zu bergen. Wadlow sagte, bereits vor dem Tsunami sei geplant gewesen, das Schiff zu verschrotten.
In den USA wurden wiederholt Tsunami-Trümmer angespült. Für die Wissenschaftler kam die Ankunft der „Ryon-Un Maru“ überraschend. Denn offenbar bewegte sich der Trümmerteppich nach dem Tsunami schneller über das Meer als gedacht. Meistens handelte es sich dabei um Bojen und Floße von Austernfarmen.
Fernseher und Kühlschränke herausgefischt
Der Trawler war der erste große Überrest des gewaltigen Tsunamis, der an der Westküste Nordamerikas angeschwemmt wurde. Schon davor trieb ein riesiger Teppich aus Trümmerteilen vor der Region. Auf einer Fläche, die der zehnfachen Größe Deutschlands entsprach, trieben rund 18 Millionen Tonnen Schrott im Meer, wie der Ozenograf Richard Thomson gegenüber der ARD bestätigte. Schiffe der US-Marine fischten Möbel, Fernsehgeräte und Kühlschränke aus dem Pazifik. Auf einem kleinen Fischerboot stand auf den Planken der Name des Heimathafens: Fukushima.

Reuters/Alexander Todd/U.S.Navy/Handout
Millionen Tonnen Müll aus Japan treiben im Pazifik
USA und Kanada rüsten sich „für Tag X“
Die Müllinsel wird von den kanadischen und US-Wissenschaftlern genauestens beobachtet, denn neben dem maritimen Lebensraum gefährdet sie auch internationale Schifffahrtsrouten. Eigentlich sei erwartet worden, dass die Müllinsel 2013 Hawaii passieren wird und ein Jahr später die Strände von Kanada erreichen könnte. Doch der Fischtrawler wirft die Berechnungen über den Haufen.
„Wir beobachten die Lage und bereiten uns auf den Tag X vor“, sagte die kanadische Ministerin für öffentliche Sicherheit, Shirley Bond, gegenüber der ARD. Auch Maria Cantwell, US-Senatorin im Bundesstaat Washington, ist alarmiert. „Hunderttausende Jobs in Washington hängen unmittelbar mit dem gesunden Meer und Ökosystem zusammen. Wir können es uns nicht leisten zu warten, bis noch mehr Tsunami-Trümmer angeschwemmt werden.“
Müll könnte verstrahlt sein
Mitte März 2012 hatten sich deshalb die Regierungen von British Columbia, Washington State, Oregon und Kalifornien zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen den Müllberg vorzugehen. Dazu gehört es auch, die bereits angelaufenen lokalen Reinigungsaktionen zu koordinieren. „Die größte Herausforderung ist, dass wir nicht wissen, was wir zu erwarten haben“, sagte Kelly Huston von der California Emergency Management Agency gegenüber der kanadischen Zeitung „Toronto Star“.
In den Küstenregionen wird die Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht, alle verdächtigen Teile, die angeschwemmt werden, zu melden - und auf keinen Fall anzugreifen, da sie radioaktiv verstrahlt sein könnten. Wertvollere Gegenstände sollen nach Japan zurückgeschickt werden - sollte es dort noch Interesse dafür geben.
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