„Durchaus ein Diskussionspunkt“
In knapp zwei Wochen werden im russischen Sotschi die Olympischen Spiele eröffnet. Ein erstes Highlight wird auch diesmal der Einmarsch der Nationenteams sein. Angeführt wird jede Mannschaft traditionell von einem Fahnenträger, der in dieser Rolle seine Nation herausragend repräsentiert. Möchte ein Land ein Statement zur Menschenrechtssituation in Russland setzen, dieser Umzug würde in besonderer Form eine Möglichkeit dazu bieten.
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Viele Länder, die Sportler nach Sotschi entsenden, kritisieren die Politik Moskaus als homosexuellenfeindlich. Der österreichischen Delegation gehört mit der Skispringerin Daniela Iraschko-Stolz eine Sportlerin an, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennt. Ob sich das Österreichisches Olympisches Comite (ÖOC) vorstellen kann, Iraschko-Stolz zur Fahnenträgerin zu küren, ließ ÖOC-Präsident Karl Stoss im Rahmen des Ö1-„Journal Panorama“ offen: Iraschko-Stolz sei „eine ganz besondere Persönlichkeit“, die „ihre Position sehr sympathisch und sehr klar vertritt“, meinte Stoss .
Für Iraschko-Stolz wäre es „große Ehre“
Die Skispringerin zur Fahnenträgerin zu küren, sei beim Termin am Montag, bei dem die Mannschaft nominiert wird, „durchaus auch ein Diskussionspunkt“. Iraschko-Stolz selbst zeigte sich im Gespräch mit ORF.at überrascht: „Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt, aber es wäre eine große Ehre für mich.“ Ferner würde es Iraschko-Stolz als „großes Zeichen“ nach außen sehen, dass „dieser Umstand (ein toleranter Umgang mit dem Thema Homosexualität, Anm.) in Österreich akzeptiert wird“.
Generell sei sie der Meinung, dass man jeder Gesellschaft offen gegenübertreten soll, nur dann könne man im Gegenzug auch Toleranz erfahren, „wenn auch nicht von heute auf morgen“. Entsprechend hält Iraschko-Stolz einen Boykott der Spiele in Sotschi, wie von maßgeblichen Vertretern aus Sport und Politik angekündigt, für nicht zielführend.

GEPA/Christian Walgram
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„Sicher, dass es verdienter Sportler sein wird“
Sportminister Gerald Klug (SPÖ), der gemeinsam mit Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) nach Sotschi reisen wird, steht der Wahl des Fahnenträgers im Gespräch mit ORF.at weitestgehend offen gegenüber. „Ich bin mir sicher, dass es ein verdienter Sportler sein wird“, beließ es Klug bei einem möglichst neutralen Kommentar. Generell wolle er den Sportlern eine „Mauer machen“ und vermeiden, dass das individuelle Alltagsleben von Sportlern „instrumentalisiert“ wird. In Sotschi werde er sich so verhalten, dass „Sportler und Sportlerinnen nicht gestört werden“, und „Politik und Sport trennen“, so Klug. Die Frage, ob er im Falle einer Wahl Iraschko-Stolz’ zur Fahnenträgerin in seiner Funktion als „Prellbock“ anders zu agieren hätte, ließ Klug unbeantwortet.
Maier auf Distanz
Aus dem Sportbereich hatte es vor kurzem einen aufsehenerregenden Kommentar gegeben: So ließ Ex-Skistar Hermann Maier mit Kritik an der Politik in Russland aufhorchen. „Ich bin einfach nicht einverstanden, wie das Ganze stattfindet“, erklärte der zweifache Olympiasieger, der nicht nach Sotschi reisen wird, in einem ORF-TV-Interview. Es gebe politisch einiges zu überdenken, meinte Maier und sprach konkret das Homosexuellengesetz an. „Dieses Denken ist einfach nicht mehr angebracht. In Wahrheit leben wir in einer Zeit, in der das als normal angesehen werden sollte“, sagte der vierfache Weltcup-Gesamtsieger in Bezug auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften.
Boykott auf höchster politischer Ebene
Wegen des Anti-Homosexuellen-Gesetzes riefen einzelne Sportler, Künstler und Politiker zum Boykott der Spiele in Sotschi auf. US-Präsident Barack Obama, der französische Präsident Francois Hollande, Großbritanniens Premier David Cameron sowie der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck kündigten an, nicht nach Sotschi reisen zu wollen. Vor einer Woche sagte Russlands Präsident Wladimir Putin vor freiwilligen Helfern bei der Ausrichtung der Spiele, es werde nichts verboten und niemand werde in Sotschi verhaftet.
„Sie können sich ruhig und entspannt fühlen“, sagte Putin an die Adresse von Homosexuellen. „Aber bitte lassen Sie Kinder in Ruhe.“ Am Sonntag äußerte Putin, dass Menschen „verschiedene sexuelle Orientierungen“ hätten. Russland werde in Sotschi „alle Sportler und Zuschauer“ empfangen, so Putin. Die EU wirft Russland vor, mit dem Verbot von positiven Äußerungen über Homosexualität in Gegenwart von Kindern ein Klima des Hasses zu schüren. In Moskau kritisierte die EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström das „Verbot von ‚Homosexuellenpropaganda‘“ als Gefahr für die Menschenrechte.
Valentin Simettinger, ORF.at
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