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Großevent soll rund 37 Mrd. Euro kosten

Die russische Stadt Sotschi am Schwarzen Meer und ihre Umgebung waren seit dem Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2014 in den letzten Jahren eine Großbaustelle. Die Errichtung der Wettbewerbsstätten, vor allem aber die der notwendigen Verkehrsinfrastruktur verschlang astronomische Beträge. Russische Industriemagnaten leisteten ihren Beitrag zu dem Prestigeprojekt.

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Schon im Februar des Vorjahres hatte es in russischen Medienberichten geheißen, die kalkulierten Kosten für das sportliche Großevent hätten sich von 10,6 Mrd. auf unter dem Strich rund 51 Mrd. Dollar (rund 37,4 Mrd. Euro) beinahe verfünffacht. RIA Nowosti nannte Sotschi damals „die teuersten Spiele aller Zeiten“. Sie kosteten etwa das 17-Fache der Winterspiele 2002 in Salt Lake City in den USA, rechnete die russische Nachrichtenagentur vor.

Wer genau wie viel für die Errichtung der sportlichen und der Verkehrsinfrastruktur und unzählige Projekte rundherum, vom Bau einer neuen Autobahn über Hotels bis zum Ausbau des Eisenbahnnahverkehrs, lockermacht, lässt sich im Detail nur schwer nachvollziehen.

Investieren ist Pflicht

Laut dem RIA-Nowosti-Artikel vom Vorjahr fließen bzw. flossen fast 70 Prozent des staatlichen Budgets in Verkehrsinfrastrukturprojekte. Der Bau des Olympiastadions, des neuen Skisprungzentrums, neuer Skipisten, mehrerer Eissportzentren und des neuen Alpinzentrums kostete nur einen Bruchteil davon.

Immer wieder heißt es nun, Russlands Präsident Wladimir Putin habe für sein Prestigeprojekt Staatskonzerne und Oligarchen, die seinerzeit meist mit der Privatisierung des sowjetischen Wirtschaftserbes steinreich geworden waren, mehr oder minder „verpflichtet“, sich zu beteiligen. Stimmt das, dann dürfte sich deren Begeisterung bei einigen Projekten eher in Grenzen halten, denn durchwegs wirtschaftlich dürften diese (nach Ende der Spiele) nicht sein.

Alte Kontakte und neue Projekte

Etwa die Hälfte der veranschlagten Kosten soll von staatlichen Unternehmen und den Industriemagnaten getragen werden. Womöglich seien auch Kredite in der Höhe von 5,5 Mrd. Euro durch die Wneschekonombank (WEB), die staatliche Entwicklungsbank, ohne Subventionen nicht rückzahlbar, spekulierte zuletzt die russische Tageszeitung „Wedomosti“. Dann würde es für den Kreml noch einmal teurer.

Der seinerzeit mit der Teilübernahme des Metallkombinats Norils Nickel reich gewordene Oligarch Wladimir Potanin soll für die Spiele rund 250 Mio. Euro zuschießen. Er investierte vor allem auch viel Geld - kolportierte 50 Mio. Euro - in die Skiarena Rosa Chutor. Die soll später so wie das Skigebiet Krasnaja Poljana internationale Touristen anlocken. Potanin war in den 90er Jahren kurz Vizeministerpräsident, heute ist er unter anderem Vorstandschef der Finanzholding Interros, gute Kontakte zum Kreml unterhält er nach wie vor.

Der staatliche Erdgaskonzern Gasprom soll sich Olympia bis zu 290 Mio. Euro kosten lassen. Der auch hierzulande über seine Beteiligung am Baukonzern STRABAG bekannte russische Großunternehmer Oleg Deripaska investierte in den Ausbau des Flughafens in Sotschi und die Errichtung des olympischen Dorfes laut Rechnung der deutschen „Welt“ rund 1,5 Mrd. Euro.

Gerüchte über Milliardenverluste und „dunkle Kanäle“

Die deutsche Tageszeitung meldete damals unter Berufung auf einen russischen Medienbericht, dass sich mindestens acht von 19 Projekten rund um Olympia längerfristig nicht rechnen würden, und prophezeite dem Großevent „Milliardenverluste“. Ohne näher genannte Quellen wollte die Zeitung davon wissen, dass Unsummen - fast die Hälfte des Gesamtbudgets - in „dunkle Kanäle“ geflossen sei.

Ähnlich sprach erst vor kurzem der Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS), Gian-Franco Kasper, der auch Mitglied der Koordinierungskommission für Sotschi ist, gegenüber dem Schweizer Fernsehsender SRF davon, dass rund ein Drittel des Olympiabudgets „in korrupte Geschäfte“ geflossen sei. Verträge hätten vor allem „Günstlinge“ Putins bekommen, vom Gesamtgeschäft habe die „Baumafia“ profitiert. Die „Günstlinge“ hatten laut einer von ORF, MDR und Arte kofinanzierten Dokumentation auch nicht unbedingt Wahlfreiheit. „Wenn Sie als Investor aus dem Olympiaprojekt aussteigen wollen, können Sie gleich das Land verlassen“, sagte der „Wedomosti“-Journalist Maxim Towkajo in der Doku.

Wenn der „Chef“ kommt ...

Waleri Morosow, ein nach London geflüchteter Bauunternehmer, erzählt im selben Film, wie er Bestechung in Höhe von 50 Prozent der Baukosten an Beamte der für den Bau der Sportanlagen zuständigen Firma Olympstroi leistete. Weiters kritisierte er, dass Olympstroi mit seinen 40 verschiedenen Abteilungen quasi zur Geldbeschaffung für Beamte geschaffen worden sei. So habe Olympstroi allein mehr Chauffeure, als bei den gesamten Olympischen Spielen in London 2012 Leute für die Organisation zuständig gewesen seien.

Wenn der „Chef“ (Putin) zur Inspektion komme, stünden die Oligarchen „stramm“. Wenn der Kreml rufe, heißt es in der ORF-Koproduktion, „sagt man als russischer Unternehmer besser nicht Nein“ - und das unabhängig davon, ob es sich für einen selbst rechnet oder nicht.

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