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Ungerechte Verteilung des Wohlstands

Die britische Hilfsorganisation Oxfam hat in einem alarmierenden Bericht die Verteilung des Wohlstands auf der Erde angeprangert. Die 85 reichsten Menschen der Welt hätten das gleiche Vermögen wie die arme Hälfte der Weltbevölkerung auf der anderen Seite, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Bericht.

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Oxfam stellte den Bericht aus Anlass des bevorstehenden Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos zusammen. Die Hilfsorganisation kritisiert unter anderem die Steuervermeidung über Steueroasen sowie staatliche Sparpolitik, die vor allem die unteren Einkommensschichten treffe.

Reiche hebeln Demokratie aus

Die wohlhabenden Eliten dominierten die wirtschaftlichen Weichenstellungen weltweit, heißt es weiter. Demokratie werde ausgehebelt, die Reichen könnten politische Entscheidungen beeinflussen - sowohl in entwickelten wie auch in Entwicklungsländern. Eine Umfrage in den sechs Ländern USA, Großbritannien, Spanien, Brasilien, Indien und Südafrika habe gezeigt, dass die meisten Menschen der Meinung seien, dass Gesetze zugunsten der Wohlhabenden gebeugt würden.

„Wir können nicht darauf hoffen, den Kampf gegen die Armut zu gewinnen, ohne das Problem der Ungleichheit zu bekämpfen“, sagte Oxfam-Exekutivdirektor Winnie Byanyima. Die Problematik von Privilegien auf der einen und Benachteiligung auf der anderen Seite drohe sich über Generationen auszubreiten.

WEF: Gefahr durch Kluft von Arm und Reich

Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich ist nach Ansicht der Organisatoren WEF die größte Gefahr für die Weltwirtschaft. Von allen Risiken werde das starke Einkommensgefälle im kommenden Jahrzehnt am wahrscheinlichsten weltweit „schwerwiegenden Schaden“ verursachen, heißt im Bericht „Globale Risiken 2014“, den die Organisatoren des Forums vorige Woche vorlegten. Als weitere wahrscheinliche Krisenszenarien nennt der Bericht Wetterextreme, Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, Klimawandel und Cyberattacken.

Finanzkrise noch nicht ausgestanden

Für den Bericht wurden mehr als 700 Experten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft befragt. Große Sorgen machen sich die Befragten demnach auch wegen weiterer Finanzkrisen. Staatshaushaltskrisen stehen nach Meinung der Experten unter den Risiken mit den größten potenziellen Auswirkungen an der Spitze. Als Gründe werden etwa die anhaltende Schuldenkrise in der EU und die hohe Staatsverschuldung in den USA und Japan genannt.

Als bedrohlich wird außerdem das Risiko eines Zusammenbruchs in der Onlinewelt eingeschätzt. Als Gründe werden die immer bedeutendere Rolle des Internets bei der Erledigung grundlegender Aufgaben und die weite Verbreitung internetfähiger Geräte genannt. Die internationale Gemeinschaft müsse sich besser auf ein solches Systemversagen vorbereiten, warnte das Weltwirtschaftsforum. Andernfalls drohten eine „Balkanisierung des Internets“ oder ein „Cybergeddon“, also eine Situation, in der Hackerattacken und massive Funktionsstörungen an der Tagesordnung seien.

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