Schwerste Kältewelle seit Jahren
Heftige Schneefälle, klirrende Kälte und eisige Winde haben den Mittleren Westen der USA auch in der Nacht auf Montag teilweise lahmgelegt. Allein auf dem internationalen Flughafen von Chicago mussten am Sonntag mehr als 2.000 Flüge gestrichen werden. Angesichts der weiter fallenden Temperaturen sollen viele Schulen geschlossen bleiben.
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„Das ist eine extrem seltene Maßnahme, normalerweise weiß Chicago mit Schnee und Kälte umzugehen“, berichtete ein CNN-Reporter. Schließlich erwarten Meteorologen, dass die Temperaturen im Laufe des Montags und in den kommenden Tagen noch weiter fallen - möglich sind dann nächtliche Tiefsttemperaturen von unter minus 30 Grad. Der nationale US-Wetterdienst (National Weather Service, NWS) sprach von den tiefsten Werten seit fast zwei Jahrzehnten. „Zusammen mit dem Wind führt diese Kälte zu lebensbedrohlichen Bedingungen“, hieß es.
140 Millionen Menschen betroffen
Meteorologen warnen vor den unmittelbar drohenden Folgen: Bei ungeschützter bzw. nicht bedeckter Haut könne es unter solchen Bedingungen binnen weniger Minuten zu Erfrierungen kommen. Unmittelbare Unterkühlungen sowie Frostbeulen würden rasch auftreten, hieß es. Von den Bedingungen betroffen könnten North und South Dakota bis zu den Neuengland-Staaten an der Ostküste - und damit rund 140 Millionen Amerikaner - sein.
Nach Angaben der Wetterdienste könnte die Temperatur am Montag etwa in Minnesota auf minus 54 Grad Celsius sinken. In anderen Teilen der USA könnte die Temperatur „gefühlte minus 48 Grad“ erreichen. Bis Dienstag könnten insgesamt bis zu 70 Kälterekorde gebrochen werden, berichtete der Weather Channel am Sonntag auf seiner Website.

APA/AP/St. Louis Post-Dispatch/J.B. Forbes
Der Mittlere Westen der USA kämpft mit wetterbedingten Widrigkeiten
Nicht nur in Chicago, sondern auch im gesamten Bundesstaat Minnesota dürfen die Schüler zum Wochenbeginn zu Hause bleiben. So etwas hat es dort Medienberichten zufolge wegen Winterwetters seit 17 Jahren nicht mehr gegeben. „Ich habe diese Entscheidung getroffen, um unsere Kinder vor den gefährlich niedrigen Temperaturen zu schützen“, sagte Gouverneur Mark Dayton. Anders als in Österreich ist in den USA der 6. Jänner kein Feiertag.
Autofahren verboten
In anderen Gegenden wurden bereits noch weiter reichende Maßnahmen ergriffen: So gilt in der 800.000-Einwohner-Stadt Indianapolis jetzt ein Fahrverbot: Mit Ausnahme der Rettungsdienste und abgesehen von Notfällen darf in der Hauptstadt des Bundesstaats Indiana niemand mehr mit dem Auto fahren. „Durch die heftigen Schneefälle und die rapide sinkenden Temperaturen ist die Verkehrssicherheit (...) nicht mehr gewährleistet“, erklärte der Bürgermeister einer betroffenen Gemeinde dem Sender Fox 59 News.
Auf dem Kennedy-Flughafen in New York schlitterte unterdessen ein Flugzeug am Sonntag in einen Schneehaufen. Die 35 Passagiere an Bord blieben unverletzt. Die Maschine aus Toronto setzte laut „New York Times“ („NYT“) zwar zuvor sicher auf einer Landebahn auf, rutschte dann aber auf dem Weg zum Terminal in den Schnee. Stundenlange Verzögerungen waren die Folge, Hilfskräfte mussten erneut Sand und Salz auf die Bahnen streuen.
Footballspiel bei minus 15 Grad
Viel Durchhaltevermögen legten unterdessen Zehntausende Footballfans an den Tag: In Green Bay im Bundesstaat Wisconsin verfolgten viele Fans am Sonntagabend (Ortszeit) trotz minus 15 Grad Celsius und starkem Wind ein Footballspiel der Green Bay Packers gegen die San Francisco 49ers. Gratis ausgegebener Kaffee sollte die Stadionbesucher warm halten. Medienberichten zufolge gab es Befürchtungen, dass das Bier der Zuschauer in dem Freiluftstadion gefriert.
Selbst in den südlichen Regionen der USA ist die Kältewelle deutlich spürbar. Für Georgia und Alabama werden Höchstwerte von minus 13 Grad Celsius erwartet, für das üblicherweise subtropisch-heiße Florida sagt der US-Wetterdienst Temperaturen um den Gefrierpunkt voraus.
Kälte hält bereits seit Tagen an
Der Schneesturm „Hercules“ mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 105 Kilometern pro Stunde hatte den Nordosten der USA bereits am Freitag teilweise lahmgelegt. An der Ostküste fielen stellenweise bis zu 62 Zentimeter Neuschnee. Allein im Bundesstaat New York wurden 600 Verkehrsunfälle registriert. Mehr als 4.200 Flüge wurden gestrichen, Tausende weitere waren verspätet. In New York und New Jersey wurde der Notstand ausgerufen. Insgesamt kamen in den USA bisher mindestens 13 Menschen ums Leben. Die meisten von ihnen starben bei Verkehrsunfällen.
Schäden in Milliardenhöhe drohen
Nach Einschätzung des Rückversicherers Münchener Rück belasten die Folgen der Kälteperiode die US-Wirtschaft. „Blizzardartige Schneestürme haben das Potenzial, Schäden in Milliardenhöhe zu verursachen“, sagte Peter Höppe, der im Konzern die Georisikoforschung leitet. „Das kann vor allem dann vorkommen, wenn schwere Eislasten auf Dächern, Bäumen und Stromleitungen weit verbreitet Schäden und Stromausfälle verursachen.“
Ob im Rahmen des Winterausbruchs in den USA solche Bedingungen noch auftreten, sei aber noch nicht klar, betonte Höppe. Es werde noch Wochen dauern, bis es verlässliche Schätzungen über mögliche gesamtwirtschaftliche Schäden gibt.
Der folgenschwerste Schneesturm in den USA in den vergangenen 30 Jahren ereignete sich nach Angaben der Münchener Rück im März 1993. Die wirtschaftlichen Schäden bei dem Blizzard, bei dem 270 Menschen ums Leben kamen, beliefen sich damals auf rund fünf Mrd. Dollar (3,7 Mrd. Euro). Versichert waren davon knapp zwei Mrd. Dollar. Der letzte große Wintersturm in den USA Anfang 2011 verursachte wirtschaftliche Schäden von 1,3 Mrd. Dollar.
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