Angst vor weiteren Anschlägen
Nach den verheerenden Terroranschlägen in Wolgograd mit 33 Toten läuft die Suche nach den Hintermännern auf Hochtouren. Dabei die ist Handschrift der Attentäter unverkennbar: Sowohl die Attacke auf den Bahnhof am Sonntag als auch der Anschlag auf einen Linienbus am Montag wurden von Selbstmordattentätern verübt.
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Körperteile des Selbstmordattentäters seien in der Nähe des Busses sichergestellt worden. „Jetzt läuft die Identifizierung“, sagte Wladimir Markin von der Ermittlungsbehörde der Agentur Interfax. Außerdem gebe es weitere Anhaltspunkte dafür, dass der Anschlag mit dem Attentat vom Sonntag in Verbindung steht, die Attacken tragen laut Ermittlern dieselbe Handschrift. „Die (am Montag verwendeten) Teile waren identisch mit dem Inhalt der Bombe am Sonntag im Bahnhof (...)“, sagte Markin. Die Terroristen hätten das frühere Stalingrad vermutlich gewählt, weil es ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt sei.
Bombe mit Metallstücken gefüllt
Außerdem wurden Details zum jüngsten Anschlag bekannt. Die im Bus gezündete Bombe sei mit Metallstücken gefüllt gewesen und habe eine Sprengkraft von mindestens vier Kilogramm TNT gehabt, teilte die Ermittlungsbehörde in Moskau mit. Die Detonation habe das Fahrzeug völlig zerstört. „Der Knall war kilometerweit zu hören.“ TV-Bilder zeigten die Überreste des Oberleitungsbusses. Die Wucht der Detonation hatte sein Dach weggerissen und Trümmer über die ganze Straße verstreut.

APA/EPA/Interior Ministry Press Service
Der voll besetzte Linienbus wurde infolge des Anschlags völlig zerrissen
Regierung macht Islamisten verantwortlich
Der befehlshabende Drahtzieher wurde von der russischen Öffentlichkeit schnell ausgemacht, die Terrorattacken werden Doku Umarow, bekannt auch als „russischer Bin Laden“, zugeschrieben. Am Montagabend machte auch die russische Regierung offiziell Extremisten aus dem Nordkaukasus für die Attentate verantwortlich: „Banditen“ wie Islamistenführer Umarow schickten „unter der Flagge des Dschihad“ (Heiligen Krieges) immer neue Kämpfer in einen „Terrorkrieg“, teilte das Außenministerium in Moskau mit.
„Wir werden unseren Kampf gegen einen bösen Feind konsequent fortsetzen“, kündigte das Ministerium an. Die Anschläge seien mit Terrorattacken in Syrien, Afghanistan oder im Irak vergleichbar. Bisher bekannte sich auch niemand zu den Anschlägen.
Olympische Spiele „mit allen Mitteln“ verhindern
Doch Hinweise, dass islamistische Rebellen hinter den Attacken stehen, lieferte deren Anführer im Sommer bereits selbst: Umarow hatte im Juli per Video zu Anschlägen aufgerufen, um die Ausrichtung der Olympischen Spiele „mit allen Mitteln“ zu verhindern. Er rufe alle Mudschaheddin in der Region auf, mit maximaler Gewalt „den satanischen Tanz auf den Gebeinen unserer Vorfahren“ zu verhindern, so Umarow damals. Das nun vom Terror erschütterte Wolgograd liegt etwa 700 Kilometer von Sotschi entfernt. In der bergigen Vielvölkerregion kämpfen Islamisten um die Errichtung eines vom Kreml unabhängigen Kaukasusemirats.

APA/ORF.at
„Alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen“
Die Sicherheitsvorkehrungen wurden bereits nach dem Anschlag im Bahnhof am Sonntag, bei dem 18 Menschen getötet wurden, erheblich verstärkt, wie es offiziell hieß. Doch auch nach dem zweiten Anschlag auf den voll besetzten Linienbus am Montag, bei dem nach letzten Angaben 15 Menschen getötet und viele verletzt wurden, war man weiter vor allem darum bemüht zu betonen, dass für die Olympischen Spiele keine Terrorgefahr bestehe.
„Was die Wettkämpfe betrifft, sind alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Zusätzliche Schritte werden nicht unternommen“, sagte der Chef des Nationalen Olympischen Komitees Russlands, Alexander Schukow, am Montag der Agentur Interfax. Schon jetzt gelten die Maßnahmen im Schwarzmeerort Sotschi als extrem hoch. Kritiker beklagen eine „Totalüberwachung“ Russlands wegen der Spiele.
ÖOC vertraut auf Sicherheitsmaßnahmen
Unterdessen sieht das Österreichische Olympische Comite (ÖOC) die Sicherheit bei den Olympischen Spielen in Sotschi und Krasnaja Poljana nicht gefährdet. „Wir vertrauen auf die Sicherheitsmaßnahmen des Veranstalters. Das IOC und die russischen Organisatoren haben uns wiederholt versichert, dass Sicherheit der Delegationen oberste Priorität genießt“, teilte das ÖOC mit.
Zum derzeitigen Zeitpunkt gehe man davon aus, dass man beruhigt nach Sotschi reisen könne. Diese Einschätzung teile auch das IOC, hieß es in der Aussendung weiter. Das IOC hatte mitgeteilt, dass man keine Gefahr für die Sicherheit bei den Winterspielen sehe. Die russischen Behörden seien für die Sicherheit während der Wettkämpfe im Februar zuständig, und das IOC zweifle nicht daran, dass sie dieser Aufgabe gewachsen seien.
Jagd auf Drahtzieher
Nach Angaben des Nationalen Anti-Terror-Komitees erhöhte Präsident Wladimir Putin landesweit die Sicherheitsvorkehrungen. Zudem beauftragte er den Inlandsgeheimdienst FSB, die Drahtzieher zur Rechenschaft zu ziehen. Aus Angst vor weiteren Anschlägen verzichteten viele Wolgograder darauf, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, wie russische Medien berichteten. Schließlich gelten öffentliche Verkehrsmittel als vorrangiges Terrorziel: Ende Oktober hatte eine Selbstmordattentäterin in einem Bus in Wolgograd mit einer Bombe sechs Insassen und sich selbst getötet.
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