Wählerrückhalt schrumpft
Eine Verkündung der Regierungseinigung am Freitag, dem 13. wollten ÖVP und SPÖ offensichtlich entgehen - die Zahl 13 begleitet die beiden Regierungspartner dennoch in ihrer Koalitionsneuauflage. Seit 1945 formieren sich SPÖ und ÖVP nun zum 13. Mal zu einer Großen Koalition. Es ist die dominierende Regierungsform der Zweiten Republik.
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Mehr als die Hälfte - 40 Jahre - der 68 Jahre seit der ersten Nationalratswahl 1945 regierten SPÖ und ÖVP bisher gemeinsam. Die Große Koalition schrumpft aber immer weiter. Die neue Regierung unter Kanzler Werner Faymann (SPÖ) ist die bisher prozentmäßig schwächste Große Koalition von SPÖ und ÖVP.
Erstmals weniger als 100 Abgeordnete
Die Nationalratswahl am 29. September bescherte beiden Partnern historische Tiefstände - erstmals hat eine Koalition weniger als 100 Abgeordnete hinter sich. SPÖ und ÖVP kommen gemeinsam auf 99 der 183 Mandate, das sind 54,1 Prozent. In der vorigen Periode waren SPÖ und ÖVP miteinander auf 108 Mandate gekommen und hatten damit bereits die Zweidrittelmehrheit der Abgeordneten verloren.
Größte Zustimmung in den 60ern
Den absoluten Höhepunkt hatten Koalitionen der damaligen beiden Großparteien SPÖ und ÖVP in den 1960er Jahren. 1962 kam die ÖVP-SPÖ-Koalition auf 89,4 Prozent. Von 1990 an sank diese Regierungsform in der Gunst der Bevölkerung. 1995 stieg sie wieder leicht auf 66,4 Prozent an, nach der siebenjährigen Schwarz-Blau-Phase nahm sie 2006 mit 69,7 Prozent sogar einen neuerlichen leichten Aufschwung. 2008 sackte Rot-Schwarz aber wieder auf 59 Prozent und damit erstmals unter die 60-Prozent-Marke ab.
Seither kann die Regierung keine Verfassungsgesetze mehr ohne eine Oppositionspartei beschließen. Das bedeutet, dass die SPÖ-ÖVP-Koalition nicht mehr Gesetze weitgehend der Überprüfung durch den Verfassungsgerichtshof (VfGH) entziehen kann. Die SPÖ-ÖVP-Koalitionen in der Zweiten Republik stützten sich fast die ganze Zeit auf eine Zweidrittelmehrheit.
ÖVP seit 27 Jahren durchgehend in Regierung
Mehr als 40 der 68 Jahre seit der ersten Wahl im November 1945 regierten SPÖ und ÖVP gemeinsam - von 1945 bis 1966 unter ÖVP-Kanzlern, von 1987 bis Anfang 2000 unter SPÖ-Kanzlern und seit 2007 bis zuletzt. Die ÖVP ist seit 27 Jahren durchgehend Regierungspartei. Die SPÖ drückte von 2000 bis 2007 die Oppositionsbank - nachdem sie zuvor fast 30 Jahre (13 davon allein) regiert hatte.
Mit diesen 13 Jahren Alleinregierung kommt die SPÖ in Summe auf eine längere Regierungsbeteiligung - nämlich 57 Jahre - seit 1945; bei der ÖVP sind es mehr als 51 Jahre (mit vier Jahren Alleinregierung von 1966 bis 1970). Bei den Kanzlern hat die SPÖ mit den letzten beiden Kanzlern Alfred Gusenbauer und Werner Faymann die ÖVP überholt: 36,7 Jahre stellte die SPÖ bisher den Regierungschef, 31,3 Jahre die ÖVP.
1999 als großes Ausnahmejahr
Eine kleine Koalition mit der FPÖ gingen sowohl SPÖ als auch ÖVP schon ein. Die SPÖ vor langer Zeit - vom Verlust der absoluten Mehrheit 1983 bis zu der nach Jörg Haiders Machtübernahme vorgezogenen Neuwahl 1986. Die ÖVP verabschiedete sich Ende der 90er Jahre von der Absage an eine Koalition mit der Haider-FPÖ und ging nach der Wahl 1999 Schwarz-Blau ein.
Das war bisher die einzige Regierung, an der die stimmenstärkste Partei - die SPÖ - nicht beteiligt war und in der die drittstärkste Partei, die ÖVP, den Kanzler stellte. Auch nach der vorgezogenen Neuwahl 2002 setzte die ÖVP - nunmehr als stimmenstärkste Partei - Schwarz-Blau fort. Nach der Spaltung der FPÖ 2005 mutierte diese Regierung zu Schwarz-Orange.
Nach der Wahl 2006 wurde die Große Koalition unter Führung des Wahlsiegers SPÖ wiederbelebt - hielt zunächst aber nur knapp eineinhalb Jahre. SPÖ-Chef Faymann setzte 2008 die Koalition mit dem neuen ÖVP-Chef Josef Pröll und ab 2011 mit Michael Spindelegger fort - in einer erstmals fünfjährigen Periode.
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