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All Mountain, Big Mountain, Park & Pipe

Die Skibranche ist mit dem Winter bislang zufrieden. Weiße Hänge versprechen üblicherweise auch steigende Skiverkäufe. Doch selbst das perfekte Winteridyll kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Skifahren langsam vom Massensport wegbewegt. Selbst große Hersteller produzieren für immer kleinere Gruppen, was findige Nischenanbietern für sich nutzen.

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Ski sind nach wie vor ein gutes Geschäft. In Europa werden jährlich rund 2,2 Mio. Paar produziert, und der Großteil kommt dabei aus den heimischen Produktionsstätten von Atomic, Fischer, Blizzard oder Head. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der klassische Pistenski immer mehr in den Hintergrund rückt. In den letzten Jahren suchten Wintersportler verstärkt das Vergnügen abseits der Pistenränder und zwingen damit auch große Hersteller in Nischenbereiche.

Tiefschneefahrer im Kleinwalsertal

Fotolia/ARochau

Der Trend geht weg von der Piste hin zu Abfahrten im Pulverschnee

„Markt hat sich brutal fragmentiert“

„Das Massenprodukt Ski ist in der Form nicht mehr vorhanden“, bestätigt auch Wolfgang Mayrhofer, Geschäftsführer von Atomic. Beschränkten sich die Neuerungen der letzten Jahre auf den Carving-Boom und die damit einhergehenden unterschiedlichen Taillierungen, verlangt der Kunde heute weit mehr. „Der Markt hat sich brutal fragmentiert“, sagt Mayrhofer gegenüber ORF.at.

Ein Blick in die Verkaufsregale großer Sporthändler bestätigt das. Neben den All-Mountain-Ski, unter denen die „normalen“ Pistenski subsummiert werden, finden sich Race-Ski für geübte Fahrer, Damen-Ski mit speziellen Komfort und „frauenfreundlichem“ Design und natürlich Ski für den stark wachsenden Freeride-Bereich für den Spaß abseits der Piste. Aber auch hier wird erneut zwischen Big-Mountain-Ski für Tiefschneefahrten und der sportlicheren Variante für den Park-&-Pipe-Bereich unterschieden.

Hersteller müssen alle Bereiche abdecken

Die Produktion wird dadurch immer kleinteiliger und setzt hohe Anforderungen an die Entwicklerteams der Hersteller. Bei Atomic hat man auf den veränderten Markt reagiert und für jeden Bereich ein eigenes Projekt- und Entwicklerteam aufgestellt. Einen Bereich völlig liegenzulassen, kann sich auch der Weltmarktführer nicht leisten, zu „klein und konsolidiert“ sei der Markt, erklärt Mayrhofer. Deshalb werden in Altenmarkt im Salzburger Pongau mittlerweile auch Freeride-Ski und Tourenski gebaut, wenn auch in entsprechend kleineren Stückzahlen.

Individualisten, die es gerne „peppig“ haben

Der Trend zu immer spezielleren Kundenwünschen kommt auch Rainer Nachbaur entgegen. In seinem Vorarlberger Unternehmen baut er mit rund einem Dutzend Mitarbeiter seit 2005 unter dem Namen Differences Ski auf Bestellung. „Jeder Ski wird dabei ganz individuell angepasst“, erklärt Nachbaur. Von der technischen Ausführung bis zum Design gibt es dann nur einen einzigen Prototypen.

Zahlreiche Paar Ski

Fotolia/lehvis

Weltweit werden 3,2 Mio. Alpinski verkauft, 2,2 Mio. davon in Europa

Seine Kunden sind ganz normale Skifahrer, „die gerne Ski fahren und es gerne etwas peppiger“ haben. Und die sich einen individuellen Ski auch leisten wollen. „Wenn jemand einen gescheiten Käse will, dann geht er auch in den Bregenzer Wald und kauft sich dort einen teureren Käse und nimmt nicht den holländischen Gouda“, so Nachbaur, der vor seiner Rückkehr ins „Ländle“ für große Skimarken auf der ganzen Welt tätig war. Wobei sich seine Ski preislich nicht allzu sehr von Qualitätsprodukten großer Hersteller abheben. „Wir fangen mit Bindung bei 750 Euro an“, so Nachbauer gegenüber ORF.at. Nach oben gibt es kaum Grenzen.

Für ihn hat sich in den letzten zehn Jahren im Skisport eine Trendwende vollzogen. Ging man früher mehr nach dem Mainstream, legt man heute viel Wert auf Kleinigkeiten. „Der große Unterschied ist der, das wir machen können, was wir wollen“, bringt es Nachbaur auf den Punkt. Zwar sei auch er in gewisser Weise auf die Trends angewiesen, die die Großen vorgeben würden, „aber nicht in einem so großen Ausmaß“.

Skitourengeher, die Individualisten im Skizirkus

Einen großen Anteil an den Veränderungen in der Skiindustrie hat auch der seit Jahren anhaltende Skitouren-Boom. Der Aufstieg mit Skiern ist längst zum Massenphänomen geworden und lockt damit auch eine neue Käuferschicht an. Tourengeher sind die Individualisten unter den Skisportlern, bestätigt auch Sebastian Ullram vom Sportriesen Eybl. Und das zeige sich auch in der Wahl ihrer Ausrüstung. Mit Massenware lassen sich Tourengeher kaum ködern, denn wenn für die Ausrüstung schon tief in die Tasche gegriffen werden muss, dann lieber für Spezialmarken. Und wer im Handel gar nicht fündig wird, kann sich mittlerweile seine Ski auch selbst basteln.

Ski zum Selberbasteln

In der Nähe von Innsbruck bieten Paul und Jenny Bartholomew gemeinsam mit Michael Freymann und ihrem Team seit drei Jahren mit ihrer Firma Spurart Seminare für den Skieigenbau an. An einem Wochenende entsteht so ein Ski ganz nach den Vorgaben und Wünschen der Kunden. „Outdoor ist der große Trend“, sagt Freymann, weshalb man sich neben Alpinski auch speziell auf Freeride-Ski und Tourenski spezialisiert hat. Doch der Weg vom Holzbrett zum brauchbaren Ski war lang. „Die Lernkurve bei uns war krass“, erzählt Freymann von den Anfängen.

Ski wird bearbeitet

Spurart

Seminarteilnehmer lernen bei Spurart das Skibauen

Nach einem Jahr tüfteln traute man sich, das Wissen an andere weiterzugeben. Das Ergebnis sei mit einem Ski aus herkömmlicher Produktion absolut vergleichbar, versichert der ehemalige Profiskitester. Dafür gibt es diesen Ski dann auch kein zweites Mal.

Wunsch „etwas selbst zu fertigen“

Auch wer bei Gerald Aichriedler Ski bestellt, sollte Zeit mitbringen. Der Salzburger Tischler bietet über Skiwerk Workshops an, in denen Interessierte ihren Pisten-, Touren- oder Freeride-Ski vom Holzkern bis zum Design an einem Wochenende selbst tischlern und gestalten. Dabei sind es nicht unbedingt Skifanatiker, die in seiner Werkstatt ihren persönlichen Skitraum verwirklichen wollen, vielmehr sieht Aichriedler den Wunsch, „einmal etwas selbst zu fertigen und herzustellen“, bei seinen Kunden im Vordergrund.

„Der Mensch bekommt einen anderen Bezug zu Dingen, die er sich selbst geschaffen hat“, erklärt der passionierte Tourengeher. Auch ihn habe die Leidenschaft zum Skitourengehen erst richtig gepackt, als er mit seinen eigenen, selbstgebauten Ski in die Natur gegangen sei.

Preislich liegen die Selbstbauski im Bereich eines hochwertigen Industrieskis. Bei Spurart kostet ein Wochenendseminar 690 Euro, je nachdem welche Materialien verarbeitet werden (Carbon oder Glasfaser, Vollholzkern oder Leichtbauweise) wird das Endprodukt entsprechend teurer. Bei Skiwerk gibt es den Selbstbauski ab 590 Euro.

Gabi Greiner, ORF.at

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