Themenüberblick

Deutschland als Motor

Die robuste deutsche Konjunktur bewahrt die Euro-Zone vor einer Stagnation. Das Bruttoinlandsprodukt der Währungsunion wuchs in den Sommermonaten zwar das zweite Quartal in Folge - allerdings nur mit dem Schneckentempo von 0,1 Prozent.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Die Euro-Zone - die erst im Frühjahr ihre bisher längste Rezession beendete - bleibt tief gespalten: Während ihre größte Volkswirtschaft Deutschland um 0,3 Prozent zulegte, schrumpften die anderen Schwergewichte Frankreich und Italien. Noch schlechter dran ist Griechenland.

Die Schwäche des wichtigsten Handelspartners Frankreich und die wacklige Weltkonjunktur gehen aber auch an der deutschen Wirtschaft nicht spurlos vorbei, wie aus den am Donnerstag veröffentlichten Daten des deutschen Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Im Vergleich zum starken Frühjahrswachstum von 0,7 Prozent - zu dem Nachholeffekte nach dem langen Winter beitrugen - hat sich das Plus im dritten Quartal mehr als halbiert.

„Bollwerk der Euro-Zone“

Dabei bremste der schwache Außenhandel: Während die Importe weiter zulegten, zeigten die Exporte im dritten Quartal „wenig Dynamik“. Für Schwung sorgte dagegen die Binnennachfrage. „Die Konsumausgaben von privaten Haushalten und Staat waren etwas höher als im Vorquartal“, schrieben die Statistiker. Außerdem investierten die Unternehmen erneut mehr in Ausrüstungen wie Maschinen sowie in Bauten. „Deutschland bleibt das Bollwerk der Euro-Zone“, sagte ING-Ökonom Carsten Brzeski.

Frankreich weiter geschwächt

Anders sieht es beim Nachbarn aus: Das französische Bruttoinlandsprodukt fiel überraschend um 0,1 Prozent, nachdem es zuvor noch um 0,5 Prozent zugelegt hatte. Finanzminister Pierre Moscovici sprach von einem vorübergehenden Dämpfer. 2013 werde die Nummer zwei der Euro-Zone wachsen, wenn auch nur um 0,1 bis 0,2 Prozent. „Das ist keine Rezession“, sagte Moscovici im RTL-Hörfunk.

Ökonomen schätzen die Aussichten dagegen pessimistisch ein. „Wir zählen Frankreich ohnehin zur Gruppe der problematischen Kernländer in der Euro-Zone, die mit Abstrichen unter ähnlichen Problemen leiden wie die im Süden“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Dazu gehöre vor allem der Verlust preislicher Wettbewerbsfähigkeit.

Spanien der Rezession entronnen

Während Spanien der Rezession entronnen ist, steckt Italien in der längsten Wirtschaftskrise seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Das Bruttoinlandsprodukt ging um 0,1 Prozent und damit bereits das neunte Quartal in Folge zurück. Die Industrie legte zwar zu, dafür gingen die Geschäfte der Dienstleister und Landwirte zurück. Noch düsterer sieht es in Griechenland aus: Hier brach die Wirtschaftsleistung um drei Prozent zum Vorjahr ein. Immerhin: Das war der geringste Rückgang seit drei Jahren.

D: Wirtschaft warnt künftige Regierung

Allerdings ist auch in Deutschland nicht alles Gold, was glänzt. Verglichen mit anderen großen Industriestaaten fiel das Wachstum bescheiden aus. Die USA wuchsen mit 0,7 Prozent mehr als doppelt so schnell, während Japan ein Plus von 0,5 Prozent und Großbritannien sogar 0,8 Prozent schaffte. Argwöhnisch werden von der Wirtschaft die Koalitionsverhandlungen beobachtet, an deren Ende ein gesetzlicher Mindestlohn und steigende Sozialabgaben stehen könnten.

„Die Politik muss gerade hier aufpassen, dass sie die Unternehmen nicht mit falschen Entscheidungen enttäuscht und dem Wachstum den Boden unter den Füßen weg zieht“, warnte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Alexander Schumann.

Wegen Exportstärke in der Kritik

Deutschland steht wegen seiner enormen Exportstärke derzeit international am Pranger. Zuerst kritisierte sie das US-Finanzministerium als Gefahr für die Weltwirtschaft, dann leitete die EU-Kommission eine Untersuchung ein, an deren Ende eine Milliardenstrafe stehen könnte. Die Brüssler Behörde untersucht, ob Deutschland nicht eine Mitschuld am enormen Gefälle in der Euro-Zone trifft - indem es mit seiner Exportschwemme den anderen Euro-Ländern das Leben erschwert und zu wenig aus diesen Staaten importiert.

Rene Wagner und Klaus Lauer, Reuters

Links: