Wellen gefährden Palazzi
Italien verbietet den Kreuzfahrtschiffsverkehr in Venedig ab November 2014. Einen entsprechenden Beschluss fasste die italienische Regierung unter Enrico Letta nach einem Treffen mit dem Bürgermeister von Venedig, Giorgio Orsoni, am Dienstag.
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Kreuzfahrtschiffe werden ab Herbst nächsten Jahres nicht mehr vor dem Markusplatz vorbeifahren können. Ab dem 1. Jänner 2014 soll bereits die Zahl der Liner, welche die Piazza San Marco passieren, um 20 Prozent gegenüber 2012 reduziert werden. Das betrifft Kreuzfahrtschiffe von mehr als 40.000 Tonnen. Allein 2012 fuhren 1.639-mal große Schiffe am Markusplatz vorbei.

Reuters/Stefano Rellandini
Venedig gehört zu den beliebtesten Zielen bei Kreuzfahrtreisen
Ab Jänner keine Fähren mehr
Ab Neujahr dürfen außerdem Fähren nicht mehr den Canale della Giudecca benutzen. Damit will man die Zahl der Schiffe um 25 Prozent reduzieren, die vor dem Markusplatz vorbeiziehen. Die umweltschädlichen Emissionen sollen um 50 Prozent reduziert werden, hieß es in einer Presseaussendung der Regierung.
„Venedig stirbt am Tourismus“
Diesem Regierungsbeschluss gingen anhaltende Proteste voraus. Im September protestieren Hunderte Venezianer gegen den ausufernden Schiffsverkehr durch ihre Stadt. 30 Aktivisten sprangen ins Wasser und blockierten damit im Giudecca-Kanal eine Stunde lang den Schiffsverkehr. Hunderte Menschen versammelten sich entlang dem Giudecca-Kanal, um die Protestaktion zu beobachten. „Venedig stirbt am Tourismus“ war auf einem Spruchband zu lesen.
1,6 Millionen Kreuzfahrtpassagiere besuchen jährlich die Lagunenstadt. Seit 1997 stieg die Zahl um 440 Prozent. Damit rückte Venedig vom zehnten auf den vierten Platz im europäischen Ranking der größten Terminals für Kreuzfahrtschiffe vor. Doch das ist mit hohen Umweltkosten verbunden. Das Komitee „No Grandi Navi“ (etwa: „Keine großen Schiffe“) klagt auch über die Wellen, welche die Schiffe verursachen und damit die antiken Palazzi Venedigs gefährden.

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Aktivisten legten im September den Canal Grande lahm
Die jahrhundertealten Palazzi entlang des Canal Grande stehen auf oftmals maroden Holzpfeilern und drohen den Wellen nicht standhalten zu können. Auch wird durch den Wellenschlag das Wasser in die kleinen Seitenkanäle gedrückt. Anrainer beschwerten sich, dass immer dann, wenn ein großes Schiff vorbeifahre, das Abwasser aus ihren Toiletten heraufkomme, berichtete die Vereinigung „Venedig in Gefahr“.
Belastungen wie 14.000 Autos
Auch würden die immer größeren Luxusliner enorm zur Umweltverschmutzung der Lagunenstadt beitragen, so der Vorwurf. Jedes Schiff verursacht eine so hohe Belastung wie 14.000 Autos, sagte eine Sprecherin des Komitees „No Grandi Navi“. Der Kreuzfahrttourismus beschere der Stadt außerdem geringe Einnahmen, da die Reisenden nicht in der Stadt übernachten, sondern nur wenige Stunden in Venedig verbringen.
An einem Herbstwochenende fahren bis zu 27 Kreuzfahrtschiffe direkt am Markusplatz vorbei. „In der ersten Jahreshälfte 2013 ist die Zahl der Schiffe in Venedig um sieben Prozent gestiegen, und der Trend ist weiterhin steigend", erklärte der italienische Umweltminister Andrea Orlando im Vorfeld der Regierungsentscheidung.
Teure Kanal- und Hafenprojekte auf Eis
Die Betreiber des Passagierterminals im Hafen von Venedig bestreiten hingegen, dass die Zahl der großen Schiffe in der Lagune zugenommen habe. Man würde alle Sicherheitsvorkehrungen berücksichtigen, versicherte der Präsident des Passagierterminals, Sandro Trevisanato. Für die Stadt seien diese keine Gefährdung.
Doch wohin nun die Schiffe umgeleitet werden sollen, steht noch in den Sternen. Als mögliche Alternative wird schon des längeren über einen alternativen Kanal nachgedacht, doch der Bau würde über 100 Millionen Euro kosten, und das ist in Anbetracht der leeren Staatsfinanzen nicht finanzierbar. Auch über einen Offshore-Hafen außerhalb der Lagune wird immer wieder laut nachgedacht, wo vor allem die Öltanker anlegen sollen. Dieser würde jedoch 1,5 Milliarden Euro kosten.
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