Forderung nach altersgerechten Jobs
Das Gutachten der Pensionskommission hat am Mittwoch für einige Reaktionen gesorgt. Die Ergebnisse des Berichts seien zwar kein Anlass für Panik, hieß es in diversen Aussendungen, Industriellenvereinigung (IV), Wirtschaftskammer (WKÖ) und Wirtschaftsbund sahen jedoch dringenden Handlungsbedarf.
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Gewerkschaftsbund (ÖGB), Arbeiterkammer (AK) und die Präsidenten des Seniorenrats betonten dagegen, dass die beschlossenen Maßnahmen greifen würden. Vor allem der stärkere Ausbau altersgerechter Arbeitsplätze wurde eingefordert.
AK will Bonus-Malus-System für Betriebe
AK-Präsident Rudolf Kaske sah vor allem die Unternehmen gefordert: „Uns läuft die Zeit davon. Wir brauchen dringend Arbeitsplätze für die Älteren“, so Kaske. Er forderte ein Bonus-Malus-System, das jene Betriebe belohnt, die Ältere einstellen, und jene zur Kasse bittet, die keine oder zu wenige ältere Arbeitnehmer beschäftigen. Dennoch meinte er, dass das Gutachten der Pensionskommission zeige, dass die beschlossenen Maßnahmen greifen würden.
Khol: „Kein Grund zu Panikmache“
Auch die beiden Präsidenten des Seniorenrats sahen den Bericht als Bestätigung dafür, dass die gesetzten Maßnahmen greifen würden. Der Bericht zeige, dass es „keinen Grund zu Alarmismus und Panikmache“ gebe, meinte Seniorenbund-Obmann Andreas Khol (ÖVP). „Wir haben die Hausaufgaben gemacht. Österreichs Pensionssystem ist und bleibt stabil und sicher“, meinte Khol. Für Pensionistenverband-Präsident Karl Blecha (SPÖ) ist es „jetzt noch klarer, dass intensive Maßnahmen in der Arbeitswelt gesetzt werden müssen“. Er forderte ebenso die Einführung eines Bonus-Malus-Systems für Dienstgeber und umfassende betriebliche Gesundheitsmaßnahmen.
Foglar: Situation optimistischer als noch 2010
Anlass für „Panik“ sah auch ÖGB-Präsident Erich Foglar nicht: „Wer aufgrund des heutigen Berichts reflexartig nach weiteren Reformen, Einschnitten oder dem Schließen von sogenannten Schlupflöchern verlangt, hat das Gutachten mit Sicherheit nicht zur Gänze gelesen“, so Foglar. Die finanzielle Situation der Pensionsversicherung bis 2025 werde im Gutachten weit optimistischer eingeschätzt, als das noch 2010 der Fall gewesen sei. Auch er plädierte für „altersgerechte Arbeitsplätze, mehr gesundheitsfördernde Maßnahmen in den Unternehmen und ein Bonus-Malus-System, wie das die Sozialpartner vereinbart hatten“.
WKÖ: Schlupflöcher abschaffen
Die WKÖ nannte das Bild, das das Gutachten der Pensionskommission zeichne, dagegen „ernüchternd“. Rolf Gleißner, stellvertretender Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit der WKÖ, meinte: „Die demografischen Annahmen zeigen einen noch deutlicheren Handlungsbedarf als erwartet.“ Schlupflöcher in Form von Frühpensionsmöglichkeiten gehörten abgeschafft, Anreize für ein längeres Verbleiben im Erwerbsleben müssten verstärkt eingeführt werden.
IV drängt auf Reformen
Auch IV-Generalsekretär Christoph Neumayer ortete Handlungsbedarf und drängte auf Reformen: Der Bericht der Pensionskommission zeige auf, dass die nachhaltige Finanzierbarkeit des Pensionssystems keineswegs gesichert sei. Die IV fordere „wirksame Einschränkungen frühzeitiger Pensionsmöglichkeiten, eine raschere Angleichung des gesetzlichen Frauenpensionsalters an jenes der Männer und die Implementierung eines Nachhaltigkeitsmechanismus im Pensionssystem, der die steigende Lebenserwartung automatisch berücksichtigt“, so Neumayer.
Der Generalsekretär des ÖVP-Wirtschaftsbundes, Peter Haubner, sah zwar keinen Grund für Panik, aber dringenden Handlungsbedarf: Die langfristige Sicherung der Pensionen gehöre zu den „‚großen Brocken‘, die wir mit dem allerorts angekündigten ‚neuen Stil‘ angehen müssen“, meinte Haubner. Er plädierte für „Anreize statt Strafen, um ein längeres Verbleiben in der Erwerbstätigkeit zu schaffen“.
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