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Höhere Kosten, niedrigere Pensionen

Die gute Nachricht zuerst: Die jüngsten Pensionsreformen zeigen Wirkung, die Kosten sinken. Doch bereits 2020 klafft wieder ein tiefes Loch im Pensionssystem, wie der aktuelle Bericht der Pensionskommission der Regierung zeigt. Das Papier zeigt eines klar: Die Jungen müssen sich trotz steigender Kosten auf immer niedrigere Pensionen einstellen.

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Der Bericht der Pensionskommission über die langfristige Kostenentwicklung erscheint alle drei Jahre. Erstmals vorgelegt wurde er unter der schwarz-blauen Regierung 2003/04. Damals wurde ein „Referenzszenario“ erstellt, das bis ins Jahr 2060 reicht, an dem das Pensionssystem seither gemessen wird. Die Präsentation des aktuellen Gutachtens dauerte diesmal zwei Stunden länger als geplant - konkrete Reformvorschläge gab es aber nicht.

Grafik zeigt den steigenden Aufwand für die Pensionen

APA; ORF.at

Die Ergebnisse der letzten Jahre zeigen wenig Grund zur Freude. Ab 2009 musste der Bund deutlich mehr Geld ins Pensionssystem pumpen als 2004 vorhergesehen. Der Grund dafür waren zwischenzeitlich beschlossene Entschärfungen im Pensionssystem, etwa die mehrfach verlängerte Hacklerregelung, Pensionserhöhungen über der Inflationsrate und geringere Abschläge für die Korridorfrühpension.

Puffer in den nächsten zwölf Jahren

Diese Entwicklung hat die Regierung mittlerweile korrigiert, wie der nun veröffentlichte neue Bericht zeigt. Die zuletzt beschlossenen Sparmaßnahmen (Pensionsanpassungen unter der Inflationsrate, erschwerter Zugang zur Hacklerregelung, eingeschränkte Invaliditätspension) brachten die Kosten nämlich zumindest kurz- und mittelfristig wieder auf Kurs.

Vorsitzender der Pensionskommission Rudolf Müller

APA/Herbert Neubauer

Rudolf Müller will Junge beruhigen: „Zahlen nicht in ein System ein, wo sie nichts herausbekommen werden“

Damit kann die Regierung nun davon ausgehen, dass sie in den kommenden zwölf Jahren nicht mehr Geld in das Pensionssystem pumpen muss, als 2004 angepeilt wurde. Konkret soll der Bundesbeitrag von heuer 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis 2025 auf 3,7 Prozent steigen. Das entspricht dem 2004 angepeilten Anstieg von 2,6 auf 3,7 Prozent.

Reformvorschläge „nicht aus dem Ärmel beuteln“

„Unmittelbaren Handlungsbedarf“ sieht der Vorsitzende der Pensionskommission, Rudolf Müller, daher nicht. Sehr wohl möglich ist laut Müller allerdings, dass die Kommission in ihrem nächsten Bericht Reformmaßnahmen vorschlägt, die in den Jahren danach wirksam werden, um die dann erwarteten Kostensteigerungen abzufangen. Reformvorschläge über das Jahr 2035 hinaus könne man aber „nicht aus dem Ärmel beuteln“, daher werde man sich kommendes Jahr damit befassen, so Müller.

Möglich ist das deshalb, weil die Pensionskommission ihren nächsten Bericht über die langfristige Entwicklung des Pensionssystems nicht wie sonst üblich in drei Jahren vorlegen wird, sondern schon im Herbst 2014. Laut Müller ist dieser außertourliche Bericht nötig, um die österreichischen Langfristprognosen mit den entsprechenden EU-Vorgaben zu synchronisieren.

Fünf Prozent des BIP bis 2035

Reformvorschläge dürften schon deshalb notwendig werden, weil es laut derzeitiger Prognose ab Mitte der 2020er Jahre mit den rosigen Aussichten wieder vorbei ist - die Kosten steigen eklatant. Schon 2035 soll der Bundesbeitrag bei fünf statt nur vier Prozent des BIP liegen. In weiterer Folge soll der Zuschuss des Bundes dann nicht wie geplant sinken, sondern bis 2050 auf fast sechs Prozent steigen. Damit wäre der Bundesbeitrag im Jahr 2060 doppelt so hoch wie 2004 angepeilt.

Die Gründe dafür: Die Lebenserwartung steigt deutlich stärker, als das 2004 erwartet wurde. Gleichzeitig dürften die Österreicher auch 2060 noch deutlich vor dem 65. Geburtstag in Pension gehen: Männer scheiden derzeit im Schnitt mit 57,8 Jahren und Frauen mit 55 Jahren aus dem Arbeitsleben aus und damit früher, als sie es laut dem Berechnungsmodell tun sollten. Bis 2030 steigt das Antrittsalter zwar noch auf 61 Jahre bei Männern und 60 Jahren bei Frauen, legt danach aber nicht mehr wesentlich zu.

Mehr Auszahlungen, weniger Beitragszahler

Außerdem hat sich das wirtschaftliche Umfeld eingetrübt, die Beitragseinnahmen hinken den ursprünglichen Erwartungen hinterher, und obwohl immer mehr Menschen pensionsversichert sind und Beiträge bezahlen, kann das den starken Anstieg der Pensionistenzahl nicht ausgleichen.

Das liegt auch daran, dass in den nächsten Jahrzehnten geburtenstarke Jahrgänge ins Pensionsalter kommen und dass immer mehr Frauen (was auch politisch erwünscht ist und durch die Anrechnung von Kindererziehungszeiten begünstigt wird) Pensionsansprüche erwerben: Während heuer 2,3 Mio. Pensionen ausgezahlt werden, sollen es 2060 bereits 3,6 Mio. Pensionsleistungen sein. Die Zahl der versicherten Beitragszahler steigt demgegenüber nur von 3,7 auf 3,8 Millionen.

Im Schnitt nur mehr 34 Prozent des Bruttogehalts

Großzügiger wird das Pensionssystem aber trotz steigender Kosten nicht, auch das zeigt der Bericht der Kommission. Denn während ein durchschnittlicher Pensionist heute noch rund 44 Prozent dessen als Pension erhält, was er zuletzt als monatliches Bruttogehalt bekam, sinkt diese „Ersatzrate“ bis 2060 auf nur noch 34 Prozent.

Trotz der deprimierenden Aussichten versuchte Müller zu beruhigen. Zwar werde die bis 2028 stabile Kostenentwicklung wohl nur die über 50-Jährigen beruhigen, aber wenn sich die politischen Verhältnisse nicht grundlegend ändern würden, sei das System auch darüber hinaus gesichert: „Insoweit kann man die Jungen beruhigen: Sie zahlen nicht in ein System ein, wo sie nichts herausbekommen werden.“

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