Die Suche nach dem Frauenüberhang
Das Wahlverhalten bei Landtagswahlen ist bekanntlich nicht gleich dem Wahlverhalten bei Nationalratswahlen. Dennoch zeigen die vier Landtagswahlen dieses Jahres Trends, die auch für die Nationalratswahl richtungweisend sein können. So bleibt nach den Wahlgängen in Kärnten, Niederösterreich, Tirol und Salzburg die Erkenntnis: Nur mit Frauenüberhang wird man Erster und holt mehr als 30 Prozent.
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Welche Wählergruppen muss man ansprechen, um eine Wahl zu gewinnen? Blickt man auf die Ergebnisse der ORF-Wahltagsbefragungen der Institute SORA und ISA zu den Landtagswahlen 2013 und zur Nationalratswahl 2008 (damals von SORA alleine befragt), dann zeigt sich: Eine Partei muss bei Frauen und über 60-Jährigen punkten, will sie Erster werden und den Landeshauptmann- oder Kanzleranspruch stellen.

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2008 war etwa die FPÖ klarer Sieger bei den Wählern unter 30. Doch entschieden wurde die Wahl in der Gruppe 60 plus, wo die SPÖ gleich viele Männer wie Frauen auf ihre Seite ziehen konnte. Interessantes Detail 2008: Jörg Haider und das BZÖ erzielten einen besseren Frauenwert als die Grünen, die da noch von Alexander Van der Bellen angeführt wurden. Absolute Wahlerfolge gehen jedenfalls nicht ohne Wählerinnen, wie ein Rückblick auf die Landtagswahlen 2013 zeigt.
Erwin Pröll als „Womanizer“
In Niederösterreich hatte die ÖVP unter Erwin Pröll 58 Prozent der Wählerinnen hinter sich und 44 Prozent der Wähler - ein absoluter Spitzenwert unter den Wahlsiegern in diesem Jahr. Blickt man auf den Faktor Alter, dann hatte der Wahlsieger einen satten Bonus vor allem bei älteren Frauen. Die SPÖ unter Peter Kaiser hatte in Kärnten auch einen Überschuss an Frauen in ihrem „Wahlvolk“: 41 Prozent der Wählerinnen stimmten für die SPÖ und 34 Prozent der Männer.
Auch die Tirol-Wahl zeigte: Wahlsieger ÖVP hatte 41 Prozent der Wählerinnen hinter sich und 39 Prozent der Wähler. Auch hier einmal mehr das Bild: Im Alterschnitt überwog die Gruppe 60 plus. Selbst die Salzburg-Wahl passt in dieses Bild: Wahlsieger war bekanntlich die ÖVP, doch das war nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass sie weniger verlor als die SPÖ. Bei 29 Prozent der Wählerstimmen, einem verhältnismäßg schwachen Wert, fiel der Faktor Frauen demnach weniger ins Gewicht. Die ÖVP Salzburg präsentierte sich mit leicht männlichem Überhang: 30 Prozent der Wähler und 29 Prozent der Wählerinnen.
Alte Großparteien mit ausgeglichenem Gendermix
Beim Männer-Frauen-Mix zeigt sich, dass SPÖ und ÖVP zumindest einen relativ ausgeglichenen Männer-Frauen-Anteil haben. Das macht auch der Rückblick auf die Nationalratswahl 2008 deutlich. Die SPÖ konnte dabei vor allem im Bereich der Männer und Frauen über 60 punkten. Im Bereich der Frauen unter 30 schnitt die SPÖ wiederum sehr schlecht ab.

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Die Grafik zeigt, wie viele Frauen und Männer eine Partei wählten: Die SPÖ etwa holte 28 Prozent der gültigen männlichen Stimmen und 28 Prozent der gültigen weiblichen Stimmen.
Die FPÖ war 2008 bei den jungen Wählern die Nummer eins. Mit 25 Prozent der Wählerinnen und Wähler in diesem Alterssegment konnten die Freiheitlichen bei den bis 30-Jährigen die ÖVP um zwei Prozentpunkte und die SPÖ um vier Prozentpunkte abhängen. In der Gruppe der 31- bis 59-Jährigen lagen SPÖ und ÖVP fast gleichauf (27:26) an der Spitze. Entscheidend von der Volkspartei absetzen konnte sich die SPÖ erst bei den älteren Semestern (37:26).
Grüne und FPÖ trennt auch Frau-Mann-Aspekt
Schaut man wieder auf die Landtagswahlen in diesem Jahr, dann fällt bei den Grünen und der FPÖ eine eindeutige Zweiteilung auf: Die Grünen waren in allen Bundesländern dominant weiblich, die FPÖ in allen Bundesländern deutlich männlich. Am klarsten fiel der Trend in Salzburg aus, wo 24 Prozent der Männer für die FPÖ stimmten und nur acht Prozent der Frauen.
Bedenkt man den Umstand, dass die FPÖ in Salzburg deutlich zulegen konnte, lässt sich nicht die Gleichung aufstellen, dass, wer Zugewinne haben möchte, auch viele Frauen im Boot haben muss. Das stimmt nämlich auch nicht für das Team Stronach (TS), dessen Wählerschaft auch eindeutig männlich geprägt ist und das in Niederösterreich, Kärnten und Salzburg in den Landtag einziehen konnte.
Stärkster Frauenfaktor bei Haider
2008 war das BZÖ der Sieger in der Frage, wer die meisten Wählerinnen im Vergleich zu männlichen Wählern hat. Hatten die Grünen zwölf Prozent der Wählerinnen und elf Prozent der Wähler hinter sich, so kam das BZÖ unter Jörg Haider auf 13 Prozent der Wählerinnen im Vergleich zu elf Prozent der Wähler.
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