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Junge, sehr flexible Wähler

Erstwähler sind eine schwer einschätzbare Wählergruppe. Parteien vernachlässigen sie oft, weil die Zeit und die finanziellen Mittel im Wahlkampf knapp sind. Dabei geht es hier auch um ein paar hunderttausend Wählerstimmen, die durchaus mobil sind.

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Rund 348.000 Wahlberechtigte sind laut Statistik Österreich bei der Nationalratswahl 2013 Erstwähler, die 2008 noch nicht wählen durften. Untersuchungen über das Wahlverhalten der 16- bis 18-Jährigen gibt es nur wenige - vor allem auch, weil sie nur einen geringen, nicht aussagekräftigen Anteil an den üblichen Stichprobengrößen für Sonntagsfrage-Umfragen stellen. Bei den Jungwählern wird zumeist erhoben, wie die Gruppe bis 30 abstimmt - und da fallen wieder sehr unterschiedliche Bildungs- und Sozialschichten hinein.

Karte mit Jungwählern nach Bezirk

ORF

Welcher Wahlbezirk hat den höchsten Anteil an Jungwählern? Mehr dazu in Wahl ’13

Späte Wahlrechtsreform für ganz Junge

Dass die 16-Jährigen schon mitentscheiden dürfen, ist noch nicht allzu lange der Fall. Premiere dafür gab es am 6. Oktober 2002 bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen im Burgenland. Diesem Beispiel wurde zunächst nur auf Kommunalebene gefolgt.

Im Juni 2007 wurde die Senkung des aktiven Wahlalters von 18 auf 16 Jahre vom Nationalrat beschlossen - in einem großen Wahlrechtspaket, mit dem auch das passive Wahlalter (also das Mindestalter für Kandidaten) auf 18 Jahre (außer für die Bundespräsidentenwahl) hinuntergesetzt, die Briefwahl eingeführt und die Legislaturperiode auf fünf Jahre verlängert wurde. Danach mussten auch alle Bundesländer das Mindestalter für Landtagswahlen auf 16 ändern.

Wen wählen die Jungen?

Intensiver erforscht ist die Wahlbeteiligung der Jungen, die im Durchschnitt liegt. Bei der Parteipräferenz zeigt sich auch bei den Jungen eine schichtspezifische Aufteilung: Berufsschüler wählen laut dem Meinungsforschungsinstitut SORA, das auch für den ORF die Wahltagsbefragung durchführt, fast nur SPÖ und FPÖ, Absolventen höherer Schulen fast nur SPÖ, Grüne und ÖVP.

Auffällig bei den Landtagswahlen in diesem Jahr, etwa in Kärnten, war, dass der älteste Kandidat im Ring, vielleicht auch, weil seine Partei neu ist, nämlich Frank Stronach, gerade bei der Gruppe der jüngeren und hier vor allem der männlichen Wähler punkten konnte. In Kärnten übernahm er bei den letzten Landtagswahl ein wenig die Rolle des verstorbenen Landeshauptmanns Jörg Haider (FPÖ/BZÖ). Dennoch bleibt abzuwarten, ob damit Aussagen für die Nationalratswahl zu treffen sind, unterscheiden sich Bundes- und Landeswahlen doch im Wahlverhalten teils stark voneinander.

Politologe: Unterschätzte Erstwähler

Die Unterschätzung oder mangelnde Einschätzbarkeit der Erstwähler ist freilich kein Phänomen, das nur Österreich betrifft. Nach Ansicht des deutschen Politologen Thorsten Faas (Uni Mainz) kümmerten sich Parteien im aktuellen deutschen Wahlkampf zu wenig um Erstwähler - aber auch um Bürger mit ausländischen Wurzeln. Dabei würde sich ein Werben um diese Gruppen durchaus lohnen, sagte er der dpa.

Geld und Zeit seien für die Parteien im Wahlkampf knapp, deshalb vernachlässige man kleine Wählergruppen, und dazu zählten nun einmal die Erstwähler ebenso wie die Wähler mit ausländischen Wurzeln. „Erstwähler sind schwer berechenbar. Sie haben keine große Erfahrung, die abrufbar ist. Ihr Wahlverhalten wird oft von den kurzzeitigen Trends beeinflusst, die einen Wahlkampf besonders prägen“, so Fraas. Es lohne sich, um diese Gruppe zu werben. In Deutschland gibt es - ziemlich genau proportional zu Österreich - drei Millionen Erstwähler.

SOS Mitmensch kritisierte unterdessen, dass 43.000 Junge gar nicht wählen dürfen - und zwar alle jene, die in Österreich ihren Lebensmittelpunkt haben und im „Erstwahlalter“ sind, jedoch keinen österreichischen Pass besitzen. Das habe negative Folgen auf das Zugehörigkeitsgefühl und verdamme die Jungen zum politischen Desinteresse, so SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak.

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