Direkter Kontakt für alle wichtig
Alle heimischen Parteien halten den direkten Kontakt zu den Bürgern für sehr wichtig, doch nicht immer sei dieser optimal umsetzbar, heißt es in Stellungnahmen gegenüber ORF.at. Vor allem für die kleineren Parteien ist die Frage der Einteilung ihrer Ressourcen entscheidend.
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Für die SPÖ ist der „direkte Kontakt durch nichts zu ersetzen“ und eine der „wesentlichen Säulen“ des Wahlkampfs. Alleine die Wiener SPÖ mache in diesem Wahlkampf 100.000 Hausbesuche, heißt es in der SPÖ-Stellungnahme. In einigen Bundesländern komme zudem Micro Targeting zum Einsatz. Dabei sehe sich die Partei genau an, in welchen Regionen die SPÖ Potenzial hat, also wo früher SPÖ gewählt wurde. Dort gebe es dann gezielt Verteilaktionen und Hausbesuche.
„Absolutes Um und Auf“ für ÖVP
Auch für die ÖVP ist der direkte Kontakt im Wahlkampf neben Medienarbeit und Plakaten „das absolute Um und Auf“. Erst im Wahlkampf mit dem Bürger in Kontakt zu treten, sei allerdings zu spät. Auch abseits der Wahlkampfzeit würden „viele Tausende“ Funktionäre den direkten Kontakt pflegen - ob durch Hausbesuche, Canvassing-Aktionen (direkte Stimmenwerbung) oder im Rahmen von Veranstaltungen. Aufgrund ihrer „robusten Struktur“ sei die ÖVP in der Lage, solche Aktionen in allen Bundesländern, Bezirken und Gemeinden durchführen zu können, heißt es von der Partei.
FPÖ: Nähe auch abseits des Wahlkampfs
Nur durch das persönliche Gespräch sei es möglich, die Menschen zu erreichen, heißt es vonseiten der FPÖ. Daher stehe der direkte persönliche Kontakt bei der Partei an „oberster Stelle“ - und das auch in Nichtwahlkampfzeiten. Das gelte für die Spitzenkandidaten wie auch alle Funktionäre und Wahlhelfer. Die Möglichkeiten für den persönlichen Kontakt seien unterschiedlich: Bei der FPÖ stehen laut eigenen Angaben sowohl Hausbesuche auf dem Programm als auch zahlreiche große und kleinere Veranstaltungen, wo Kandidaten mit den Menschen persönlich sprechen und zuhören wollen.
Grüne: Fokus auf Straßenwahlkampf
Die Grünen setzen laut eigenen Angaben „seit längerem intensiv“ auf den Kontakt und Dialog mit Bürgern auf der Straße, etwa mit Touren von Grünen-Chefin Eva Glawischnig und anderen grünen Spitzenpolitikern. Auch bei den heurigen vier Landtagswahlen hätten die Grünen ihren Schwerpunkt auf den Straßenwahlkampf gesetzt. Im Fokus stehe dabei ein niederschwelliger Zugang „auf Augenhöhe“ zum Thema Politik. Dass das „ernst gemeinte“ Dialogangebot in Form von Touren, Verteilaktionen und Veranstaltungen funktioniere, sehe man unter anderem daran, dass bisher ein Vielfaches an Werbemitteln zum Verteilen von den grünen Landesorganisationen geordert wurde, so die Grünen.
BZÖ: Wenig Zeit in Schlussphase
Für BZÖ-Chef Josef Bucher ist das Treffen mit Menschen „lebendige Politik“. Deswegen sei er in den letzten vier Monaten durch alle 39 österreichischen Wahlkreise getourt. Der Kontakt dürfe sich aber nicht auf Wahlzeiten beschränken. Für Bucher sind einzelne Kontakte in Form von etwa Hausbesuchen und Veranstaltungen gleich wichtig, in der Schlussphase des Wahlkampfs würden Hausbesuche aufgrund der vielen medialen Wahlkampfterminen aber oft zu kurz kommen.
TS oszilliert „hin und her“
Keine „wie auch immer geartete Kommunikation“ kann laut Team Stronach (TS) den „sehr wichtigen" persönlichen Kontakt mit dem Wähler ersetzen. Nur wer bei den Menschen „draußen vor Ort“ sei, wisse, welche Probleme, Sorgen und Wünsche die Menschen hätten. Daher sei Frank Stronach dieser Tage im Dauereinsatz. Stronach und auch die Vertreter der Landesorganisationen würden zwischen Medienterminen und Veranstaltungen sowie kurzen, intensiven Zwiegesprächen über Tischgespräche bis hin zu größeren Events „förmlich hin und her oszillieren“. Auch Hausbesuche würde das TS machen.
NEOS: Hausbesuche im großen Rahmen
NEOS setzt laut eigenen Angaben die gesuchte Nähe zum Wähler auf besondere Weise um: Bei NEOS@Home laden demnach Interessierte Freunde und Bekannte zu sich nach Hause ein, je nach Anzahl der Gäste würden dann „ein oder mehrere“ Vorstandsmitglieder die NEOS-Ziele vorstellen. Matthias Strolz und Beate Meinl-Reisinger seien pro Woche ein- bis zweimal bei solchen Veranstaltungen. Daneben gebe es klassische Hausbesuche, Infostände und Touren durch die Bundesländer. Bis Ende September will NEOS an 50.000 Türen geklopft haben. Bei den Aktionen helfen demnach 5.700 Sympathisanten, die bisher rund 100.000 Stunden ehrenamtliche Tätigkeit geleistet haben.
KPÖ kompensiert begrenztes Wahlkampfbudget
Für die KPÖ ist der persönliche Kontakt ebenfalls von „großer Bedeutung“, da sie damit auch ihr begrenztes Wahlkampfbudget von 130.000 Euro kompensieren könne. Dieses ermögliche keine Wahlgeschenke und nur begrenzte Inserate und Postaussendungen. Die Arbeit der KPÖ in Gemeinde- und Bezirksräten, aber auch im Landtag zeichne sich grundsätzlich durch den direkten Kontakt aus. Infotische und Verteilaktionen unter anderem bei öffentlichen Veranstaltungen wie dem „Volksstimme“-Fest seien ebenso wichtig, darüber hinaus leisten laut KPÖ-Angaben Mitglieder der Partei in ihrem persönlichen Umfeld wichtige Werbung.
Piraten pflegen Kontakte online
Auch die Piraten wollen „liebend gerne“ möglichst viele Menschen im direkten Kontakt überzeugen. Die Bewegung veranstalte regelmäßig Infostände, im Intensivwahlkampf würden derzeit „täglich viele Piraten“ auf der Straße stehen. Allerdings müsse sich die Bewegung „sehr genau“ überlegen, wie sie Mittel einsetze, um einen möglichst großen Effekt zu erzielen. Als Partei mit starker Onlineaffinität würden die Piraten für den direkten Kontakt daher auch die Möglichkeiten der Kommunikation über Social Media nutzen.
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