Hunderte über Nacht in Moschee gefangen
In der ägyptischen Hauptstadt Kairo widersetzen sich islamistische Demonstranten weiterhin einer Aufforderung der Polizei, eine Moschee zu räumen. Nach stundenlangen Verhandlungen hätten Samstagfrüh zwar erste Anhänger des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi die Fateh-Moschee verlassen, aber es hielten sich noch rund 700 Menschen im Inneren auf, sagten Augenzeugen dem Nachrichtensender al-Jazeera.
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Die Mursi-Anhänger hatten tagsüber auf dem Platz vor der Moschee demonstriert. Als am Abend die Ausgangssperre begann, verbarrikadierten sie sich in der Moschee. Bei den Verhandlungen ging es unter anderem darum, ob die Demonstranten anschließend von der Polizei verhört werden sollen oder nicht.
Bereits 173 Todesopfer
Nach den blutigen Zusammenstößen am „Freitag der Wut“ in Ägypten ist die Zahl der Todesopfer auf 173 gestiegen. Wie vonseiten der Islamisten verlautete, ist auch der Sohn von Muslimbrüder-Oberhaupt Mohammed Badie, Ammar Badie, unter den Toten. Ammar Badie sei an den Folgen einer Schussverletzung gestorben, die er am Freitag im Rahmen der Proteste auf dem Ramses-Platz erlitten habe, hieß es. Der momentane Aufenthaltsort seines Vaters Mohammed ist unbekannt. Er wurde wegen „Anstachelung zum Hass“ angeklagt, der Prozess gegen ihn soll am 25. August beginnen.

Reuters/Louafi Larbi
Schon am Freitag demonstrierten Tausende vor der Fateh-Moschee in Kairo
Das ägyptische Nachrichtenportal youm7 meldete am Samstagmorgen unter Berufung auf Ärzte, alleine in der Hafenstadt Alexandria seien bei Ausschreitungen zwischen gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei am Freitag und in der Nacht 25 Menschen getötet worden. Die Ärzte zählten rund 100 Verletzte. In Kairo, al-Arisch und mehreren Provinzen im Nildelta waren während der Proteste und Angriffe der Islamisten auf öffentliche Gebäude am Freitag etwa 80 Menschen getötet worden.
Die für Samstag geplante Fortsetzung des Prozesses gegen den früheren ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak wurde wegen der Unruhen abgesagt. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Polizei könne den sicheren Transport des Angeklagten zum Gerichtsgebäude aufgrund der angespannten Lage derzeit nicht gewährleisten.
Militär rechtfertigt hartes Vorgehen
Die Übergangsregierung hatte am Freitag ihr hartes Vorgehen auch gegen massive internationale Kritik gerechtfertigt und erklärt, sie müsse ein „terroristisches Komplott der Muslimbrüder“ niederschlagen. Mehrere Stadtviertel von Kairo erinnerten an Schlachtfelder. Allein in der Nähe des Ramses-Platzes wurden in Moscheen mindestens 39 Leichen gezählt, außerhalb von Kairo waren es nach Angaben vonseiten der Sicherheitskräfte bis zum Abend mindestens 44 Tote.
Internationale Kritik an Gewalt
Aus Protest gegen die Gewalt der Sicherheitskräfte zog nach der Türkei auch Venezuela seinen Botschafter aus Ägypten ab. „Ich habe beschlossen, unseren Botschafter aus Kairo abzuziehen“, sagte Präsident Nicolas Maduro am Freitag in einer von den staatlichen Medien verbreiteten Rede. Mursi müsse wieder in sein Amt eingesetzt werden, „um einen nationalen Versöhnungsprozess des ägyptischen Volkes einzuleiten“. „Genug der Staatsstreiche, genug der Spaltung“, fügte er hinzu.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief zu einem Ende der Gewalt auf. „Gewalt darf in keinem Falle ein Mittel zur Lösung der Probleme sein“, sagte sie der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag-Ausgabe). Die Kanzlerin äußerte sich „sehr besorgt“ über die Lage in dem Land, dessen Gesellschaft „politisch tief gespalten“ sei.
EU-Botschafter treffen sich in Brüssel
Sie beriet sich mit Frankreichs Staatschef Francois Hollande am Telefon. Am Montag wollen sich die EU-Botschafter in Brüssel zu einer Sondersitzung treffen. EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton rief die Mitgliedsstaaten auf, „angemessene Maßnahmen“ zu ergreifen.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verlangte am Samstag eine unabhängige Untersuchung des Blutbades vom Mittwoch. Die Reaktion der Behörden auf die Proteste sei „extrem unverhältnismäßig“, erklärte die Organisation. Die Sicherheitskräfte hätten offenbar nicht zwischen friedlichen und gewaltbereiten Demonstranten unterschieden und auch keine Versorgung von Verletzten zugelassen.
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