Schwierige Aufgabe
Für das BZÖ wird es schwierig: Alle Umfragen sehen die Partei recht knapp an oder unter der Vierprozenthürde für den Wiedereinzug ins Parlament: Nicht erst die zum Team Stronach (TS) übergelaufenen Abgeordneten, diverse Affären und Parteifinanzierungsvorwürfe und die Abspaltung der Kärntner Landesgruppe schadeten der Partei. Einst sogar Regierungspartei, kämpft das BZÖ bei der Nationalratswahl ums politische Überleben.
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Die Partei entstand 2005 aus einer FPÖ-Abspaltung. 2008 sprang ihr Erfinder Jörg Haider noch einmal in die Bresche, er übernahm sowohl die Obmannschaft als auch die Spitzenkandidatur und fuhr Ende September bei der Nationalratswahl einen Wahltriumph ein - im Vergleich zum Urnengang 2006 verdreifachte das Bündnis sein Ergebnis fast.
Petzner nur kurz an Parteispitze
2006 hatten die Orangen den Einzug ins Parlament hauchdünn und nur durch das gute Kärntner Ergebnis geschafft. Haider erklärte danach noch seine Bereitschaft, in Regierungsverhandlungen einzutreten. Auch kam es zu einer - vermeintlichen - Versöhnung mit der FPÖ. Wenig später, am 11. Oktober 2008, starb der Kärntner Landeshauptmann bei einem Unfall mit seinem Wagen, stark alkoholisiert und mit überhöhter Geschwindigkeit.
Vom Parteivorstand wurde Haiders Vertrauter und damaliger Generalsekretär Stefan Petzner zum neuen Obmann ernannt. Das blieb er allerdings nicht lange, im November 2008 übernahm Herbert Scheibner übergangsweise. In der Position des Landeshauptmanns folgte Haider Gerhard Dörfler nach, und Kärntner Landesparteichef wurde Uwe Scheuch.
Lebenszeichen nach Haiders Tod
21 Abgeordnete stark war der Nationalratsklub, als er sich nach der Wahl 2008 konstituierte, um 14 mehr als in der Legislaturperiode davor. Klubchef wurde der gebürtige Friesacher Josef Bucher, der später auch die Partei übernehmen sollte. Nach zwei Interimschefs trat Bucher im April 2009 in Haiders Fußstapfen und übernahm auch die Obmannschaft.
Nur wenige Monate nach Haiders Unfalltod stand in Kärnten eine Landtagswahl auf dem Programm. Bei der ersten Wahl nach seinem Tod gab das BZÖ ein kräftiges Lebenszeichen: 44,89 Prozent bedeuteten einen historischen Höchststand. Weit weniger erfolgreich lief es hingegen in Salzburg, später in Oberösterreich und Vorarlberg. Die Wahlerfolge blieben aus, und auch das Mandat für Ewald Stadler im Europaparlament gab es erst im Nachhinein per Lissabon-Vertrag. Im Burgenland traten die Orangen erst gar nicht an, in der Steiermark und Wien gab es auch nichts zu feiern.
Neupositionierung unter Bucher
Bucher versuchte seit Übernahme des BZÖ die Neupositionierung als rechtsliberale Partei. Dieser Kurs wurde allerdings nicht von allen mitgetragen. Im Spätsommer 2009 verdichteten sich Gerüchte, die Kärntner Landesgruppe unter Uwe Scheuch wolle wieder blau werden.
Verhandlungen mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wurden im Oktober noch dementiert, wenig später war es tatsächlich so: Die stärkste orange Landesgruppe kehrte zu den Freiheitlichen zurück und firmierte ähnlich dem CDU-CSU-Modell fortan als FPK - die Freiheitlichen in Kärnten. Die FPK ist mittlerweile auch Geschichte, Ende Juni 2013 fusionierte sie mit der FPÖ. Bucher zeigte sich zwischenzeitlich froh, dass er damit Altlasten los ist.
Schwieriges Haider-Erbe
Die Ära Haider bescherte dem BZÖ bzw. mittlerweile wieder freiheitlichen Politikern nicht nur Wahlerfolge, sondern auch Gerichtsverfahren und Untersuchungsausschüsse: Stichwort Birnbacher und Hypo Alpe-Adria-Bank, eine Wahlkampfbroschüre, der Kauf mehrerer Seen durch das Land Kärnten, das Versprechen österreichischer Staatsbürgerschaften und die ehemalige parteieigene Werbeagentur Connect.
Die Telekom-Austria-Affäre, bei der es um eine mutmaßlich verdeckte Parteienspende an die Partei geht, wird nach einem Untersuchungsausschuss auch am Wiener Straflandesgericht behandelt. Angeklagt sind unter anderen ehemalige BZÖ-Politiker sowie der langjährige Sprecher der früheren BZÖ-Justizministerin Karin Gastinger. Auch gegen sie wird eine Anklage geprüft.
Landtagswahlen teilweise ausgelassen
2013, im Superwahljahr, verzichtete das BZÖ auf ein Antreten in Niederösterreich, auch in Tirol und Salzburg musste man das Feld den Mitbewerbern überlassen. Lediglich in Kärnten, wo infolge der Parteispendenaffäre in der Ära Haider (Causa Birnbacher) vorgezogene Wahlen stattfanden, versuchte das Bündnis sein Glück und konnte zunächst drei, nach Auszählung der Briefwahlkarten aber nur noch zwei Landtagssitze retten. Das von Bucher im Wahlkampf ausgegebene Ziel „Landeshauptmann“ erreichte er nicht, im Gegenteil, die SPÖ schaffte die Umfärbung.
Durch Stronach dezimiert
Auch mit dem Auftauchen des Austrokanadiers Frank Stronach zogen für das BZÖ Gewitterwolken auf. Das neue TS wollte von den Orangen nicht nur Wählerstimmen, sondern auch die für eine Klubgründung nötigen Nationalratsabgeordneten. Gerüchten über einen Wechsel folgten zunächst meist empörte Dementis, dann erst recht der Klubwechsel. Ende Oktober 2012 war der Klub komplett, er setzt sich aus lauter ehemaligen orange Abgeordneten zusammen.
Nun steht die Nationalratswahl vor der Tür, das BZÖ ist von der einstigen Regierungspartei zu einem Trüppchen zusammengeschrumpft, verfügt über zwei orange Landtagsabgeordnete, einen Europaabgeordneten und zwölf Nationalratsmandatare, deren Stimmen nicht einmal mehr für die Herstellung einer Zweidrittelmehrheit im Parlament ausreichen.
Ein Wiederantreten bei der Nationalratswahl abgesagt hat bereits der frühere Parteichef Peter Westenthaler. Bucher bezeichnete das Antreten bei der Nationalratswahl stets als sein „Meisterstück“, schließlich stellte er sich bundesweit noch nicht als Spitzenkandidat. Dass ihm dieses gelingen wird, scheint angesichts der Umfragedaten schwierig.
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