Assad offenbar unverletzt
Syrische Rebellen haben offenbar am Donnerstag die Wagenkolonne von Präsident Baschar al-Assad in Damaskus mit Granaten beschossen. Allerdings dürfte Assad unverletzt geblieben sein: Das Staatsfernsehen zeigte ihn wenig später bei Feierlichkeiten zum Ende des Fastenmonats Ramadan in der Anas-bin-Malek-Moschee.
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Im Staatsfernsehen war zu sehen, wie Assad beim Gebet neben weiteren Würdenträgern auf dem Boden sitzt. Aus Sicherheitsgründen wurden die Bilder allerdings eine Stunde nach dem Gebet ausgestrahlt. Ein Sprecher der oppositionellen Liwa-al-Islam-Brigade hatte der Nachrichtenagentur Reuters zuvor vom Beschuss der Wagenkolonne auf dem Weg zur Moschee in Assads Wohnbezirk Malki berichtet. Andere Aktivisten bestätigten, es habe einen Granatenbeschuss in der Gegend gegeben. In den Fernsehbildern wirkte Assad jedoch unverletzt.
Geheiminformationen erhalten?
Der syrische Rebellengeneral Firas al-Bitar sagte laut der englischen Website des arabischen TV-Senders al-Arabija, die Opposition habe geheime Informationen erhalten, dass Assad in einem Autokonvoi den Al-Amawin-Platz im Herzen von Damaskus passieren werde. Rebellen hätten die Fahrzeuge daraufhin mit 17 Mörsergranaten beschossen. Allerdings sei unklar, ob Assad getroffen worden sei - es habe womöglich eine zweite Wagenkolonne gegeben, so Bitar.
Minister: Völlig unwahr
Syriens Informationsminister Omran al-Subi bestritt unterdessen eine Attacke auf die Wagenkolonne. „Die Nachricht ist völlig unwahr“, sagte Subi dem Staatsfernsehen am Donnerstag. Assad habe an dem Gebet teilgenommen, Bürger begrüßt und „alles ist normal“, sagte Subi weiter.
In Syrien hatte im März 2011 ein Aufstand gegen Assads Regime begonnen, der sich zu einem Bürgerkrieg ausweitete. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden in dem Konflikt bisher mehr als 100.000 Menschen getötet. 1,8 Millionen weitere Syrer wurden in Nachbarländer vertrieben.
USA geben 195 Mio. mehr
US-Präsident Barack Obama sagte unterdessen weitere humanitäre Hilfen für Opfer des syrischen Bürgerkrieges zu. Die USA würden ihre Unterstützung um 195 Millionen Dollar (knapp 147 Millionen Euro) erhöhen, sagte Obama am Mittwoch in einer Botschaft an Muslime zum Ende des Fastenmonats Ramadan und sprach von einem Zeichen des Mitgefühls. Bisher waren aus Washington 815 Millionen Dollar für Betroffene des Bürgerkrieges zugesagt gewesen.
Mehr als 60 Tote bei einem Angriff
Das Land war am Mittwoch erneut von heftigen Kämpfen mit zahlreichen Toten erschüttert worden. Allein bei einem Angriff der Armee auf Aufständische nahe Damaskus seien mehr als 60 Rebellen getötet worden, erklärte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London.
Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden die Aufständischen nahe der Industriestadt Adra bei Damaskus im Morgengrauen in einen Hinterhalt gelockt. Bei den Toten handle es sich vor allem um junge Männer. Acht Rebellen galten demnach nach dem Vorfall als vermisst. Die Armee teilte laut der amtlichen Nachrichtenagentur SANA mit, bei dem Angriff sämtliche „Terroristen“ getötet zu haben.
Aleppo „vollständig zerstört“
Auch in der Rebellenhochburg Aleppo im Norden habe es heftige Kämpfe gegeben, teilte die Beobachtungsstelle weiter mit. Im Fokus der Auseinandersetzungen stand demnach eine Einrichtung der Luftwaffe. Erst am Dienstag hatten Rebellen in der Region einen Luftwaffenstützpunkt eingenommen. Die Beobachtungsstelle wertet Angaben aus Syrien aus, die von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden können.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) teilte indes mit, Aleppo sei durch den Bürgerkrieg inzwischen „vollständig zerstört“. Die Einwohner der zweitgrößten Stadt Syriens hätten sowohl unter Angriffen der Regierungstruppen als auch unter Gewalt durch Aufständische zu leiden.
UNO-Inspektion zu Chemiewaffen
Aus UNO-Diplomatenkreisen in New York verlautete am Dienstag, die Überprüfung mutmaßlicher Chemiewaffeneinsätze in Syrien durch internationale Experten solle in der kommenden Woche beginnen und bis zum Monatsende abgeschlossen werden. UNO-Sprecher Martin Nesirky sagte, derzeit würden noch juristische und logistische Fragen geklärt. Das Expertenteam schließe seine Vorbereitungen „in den kommenden Tagen“ ab.
Im vergangenen Monat hatte Assad der UNO-Mission zugestimmt. Die Experten sollen Vorwürfen von Chemiewaffeneinsätzen an drei Orten nachgehen. Das UNO-Team soll jedoch nur prüfen, ob tatsächlich Nervengas oder andere chemische Kampfstoffe eingesetzt wurden, und nicht, wer sie einsetzte. Regierung und Opposition werfen einander vor, im Bürgerkrieg zu den geächteten Waffen gegriffen zu haben.
Berichte über 13 mutmaßliche Chemieangriffe
Ein Ort, der überprüft wird, ist Chan al-Assal nahe Aleppo. Dort sollen laut Regierungsangaben Aufständische am 19. März mit Nervengas 26 Menschen getötet haben. Die beiden weiteren Orte werden aus Sicherheitsgründen geheim gehalten. Der UNO liegen Berichte über insgesamt 13 mutmaßliche Chemiewaffenangriffe vor. Die syrische Opposition sicherte den Experten ihre volle Zusammenarbeit zu.
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